mini|Pfarrer Gottfried Herbers, Porträt anlässlich seiner Amtseinführung, Fotoatelier Eugen Moellendorf, 1892 in Duisburg. Karl Gottfried Wilhelm Herbers (* 25. Februar 1863 in Iserlohn; † 4. Oktober 1953 in Mülheim an der Ruhr) war ein evangelischer Pfarrer, Regionalhistoriker des Wittgensteiner Landes und Autor.

Leben und Wirken Gottfried Herbers wurde am 25. Februar 1863 als zweites Kind des Posamentierers Gottfried Heinrich Herbers (1818–1864) und dessen Ehefrau Emma Henriette geb. Zickwolff (* 1824) geboren.Ev. Kirche Iserlohn, Oberste Stadtgemeinde, Nr. 40/1863, Taufen für 1858–1865, Band 15 | Iserlohn, Oberste Stadtgemeinde | Kirchenkreis Iserlohn | Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen | Nordrhein-Westfalen: Kirchenbücher online mit ARCHION Er wurde bereits als Einjähriger Halbwaise, nachdem sein 46-jähriger Vater an Auszehrung starb.Ev. Kirche Iserlohn, Oberste Stadtgemeinde, Sterberegister 68/1864, Einsichtnahme: 18. Februar 2026 via Archion. Nach dem Besuch des Realgymnasiums Iserlohn und des Gymnasiums in Gütersloh bestand Gottfried Herbers 1883 das Abitur. Sein Studium der Theologie absolvierte er an den Universitäten Leipzig (1 Jahr) und Greifswald (1,5 Jahre) und abschließend an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Hier lernte er auch seine spätere Ehefrau kennen. Herbers war nach seinem Studienabschluss zunächst Vikar (Ordination am 19. November 1888) und Hilfsprediger in Iserlohn, bis er am 15. Mai 1890 in die zweite Pfarrstelle der evangelischen Kirchengemeinde in Berleburg berufen wurde. Er wurde dort am Himmelfahrtstag 1890 in sein Amt eingeführt.Wittgensteiner Kreisblatt, 17. Mai 1890. Der damalige Kreis Wittgenstein inspirierte Herbers trotz seines kurzzeitigen Aufenthaltes zu regionalhistorischen Forschungen, die er später intensivierte und literarisch publizierte. Zwei Jahre später verließ Herbers Berleburg wieder, nachdem man ihn im 30. Lebensjahr unter 46 Bewerbern für die neue Pfarrstelle in Duisburg-Duissern ausgewählt hatte.Wittgensteiner Kreisblatt, 4. Juni 1892 (Abdruck eines Artikels der Rheinisch-Westfälischen Zeitung.) Seine dortige Amtseinführung wurde am 7. August 1892 in der Salvatorkirche vollzogen.Rheinisch-Westfälische Zeitung, 10. August 1892. Herbers blieb fast 42 Jahre als Pfarrer in Duisburg, bis er am 30. April 1934 im Alter von 71 Jahren in den Ruhestand trat.„Pastor Herbers tritt in den Ruhestand.“ Rhein- und Ruhrzeitung, Duisburg, 27. April 1934 Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit leitete er zeitweilig die Duisburger Stadtmission, die Handarbeitsschule und diverse Kleinkinderschulen. Er engagierte sich im Evangelischen Bund (Ortsgruppe Duisburg) sowie für den Duisburger Verein für Literatur und Kunst. Sein berufliches und ehrenamtliches Engagement machte ihn zu einem der bekanntesten Einwohner Duisburgs seiner Zeit.„Pastor Herbers 75 Jahre“, Rhein- und Ruhrzeitung (Duisburg), 25. Februar 1938Artikel zum 80. Geburtstag, Generalanzeiger für das Rheinisch-Westfälische Industriegebiet (Duisburg) 25. Februar 1943.

Seine schriftstellerischen Fähigkeiten stellte Herbers bereits 1897 mit der Veröffentlichung eines Romans über Paul Asphe, einer seiner Berleburger Amtsvorgänger, der im 16. Jahrhundert belegt ist, unter Beweis.Paul Asphe studierte in Wittenberg, war 1542 Pfarrer in Regensburg, 1546 in Donauwörth und von 1550 bis 1567 in Raumland. Er war danach noch ein Jahr 2. Pfarrer in Berleburg und starb 1568 an der Pest. Quelle: Bauks Nr. 137 und OFB Wittgensteiner Land. Zwei Jahre später folgte die Publikation eines Andachts- und Gebetbuches. Als einer der ersten Heimatforscher nach Superintendent Friedrich Wilhelm Winckel und Gerichtssekretär Friedrich Wilhelm Goebel veröffentlichte Herbers 1925 eine zusammenhängende Regionalgeschichte Wittgensteins des 14. bis 17. Jahrhunderts. Seine Bücher und andere Artikel zum Dreißigjährigen Krieg druckten das Wittgensteiner Kreisblatt in Berleburg sowie der Verlag Ernst Schmidt in Laasphe von 1927 bis 1940 in verschiedenen Formaten, u. a. in der Wittgensteiner Zeitung nach.

Gottfried Herbers war seit dem 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP.

Ehe und Familie Gottfried Herbers heiratete mit 27 Jahren am 26. Juni 1890 in Bonn Julie Hulda Helene Finking (* 13. August 1865), die Tochter des Fabrikanten August Finking und dessen Ehefrau Mathilde geb. de Foy.Ev. Kirche Berleburg (Stadt) Aufgebot am 8. und 15. Juni 1890, Trauungen für 1843–1907 | Berleburg | Kirchenkreis Wittgenstein | Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen | Nordrhein-Westfalen: Kirchenbücher online mit ARCHION.Ev. Kirche Bonn, Trauregister 40/1890. Die Goldene Hochzeit konnte 1940 in Duisburg gefeiert werden.„Wir gratulieren. Im goldenen Kranze“, Generalanzeiger für das Rheinisch-Westfälische Industriegebiet (Duisburg), 26. Juni 1940. Aus der Ehe gingen ein Sohn und drei Töchter hervor. Gottfried Herbers starb am 4. Oktober 1953 im Alter von 90 Jahren im Mülheimer Stadtteil Speldorf.Friedrich Wilhelm Bauks: Die evangelischen Pfarrer in Westfalen von der Reformationszeit bis 1945, in: Beiträge zur Westfälischen Kirchengeschichte, Bd. 4, Luther-Verlag Bielefeld 1980, S. 202 (Bauks Nr. 2567). mini|Bucheinband Gottfried Herbers: Der Mönch vom Kloster Grafschaft, Volksausgabe, Leipzig 1902.

Publikationen (Auswahl)

Der Mönch vom Kloster Grafschaft (Paul Asphe). Historische Erzählung aus der Vergangenheit Westfalens, Verlag Julius Baedeker, Leipzig 1897 (2. Auflage 1902), 346 S. Gottfried Herbers, Duisburg.Buchwerbung und Rezeption (Auswahl): Central-Volksblatt für den Regierungsbezirk Arnsberg, 16. August 1902, Westfälisches Volksblatt (Paderborn), 16. August 1902, Diemel-Bote, 19. August 1902, Briloner Zeitung, 19. August 1902, Wittgensteiner Kreisblatt, 11. September 1925, Siegener Zeitung, 16. April 1935, National-Zeitung (Wittgensteiner Ausgabe), 7. Juni 1935.

Am Lebensborn. Ein Andachts- und Gebetbuch für alle Tage im Jahre, morgens und abends zu gebrauchen, nebst einem Anhang von Gebeten für besondere Zwecke. Pastor Gottfried Herbers, Duisburg, Verlag Hunke & Schröder Iserlohn 1899, 403 S.Werbung (Auswahl): Rhein- und Ruhrzeitung, 8. November 1899, Wittgensteiner Kreisblatt, 6. Dezember 1899, Der Tag des Herrn, 17. Dezember 1899, Dortmunder Zeitung, 19. Dezember 1899, Das Volk, 2. Februar 1899, Schwerter Zeitung, 9. März 1904, General-Anzeiger für Duisburg, Ruhrort, Meiderich und Umgegend, 31. März 1908. Einsichtnahme: 18. Februar 2026 via Zeitungsportal NRW.

Beiträge zur Geschichte Wittgensteins, 2. Auflage, Franz Richard Holbach Verlag, Berleburg 1925, 204 S.Buchwerbung und Rezeption (Auswahl): Wittgensteiner Kreisblatt, 28. Januar 1893, 22. Juni 1895, 22. Januar 1896, 6. Dezember 1899, 11. September 1925, 17. Oktober 1927, National-Zeitung (Wittgensteiner Ausgabe), 18. Mai 1935, Siegener Zeitung, 28. Mai 1935.

Aus Westfalens dunkelsten Tagen (30 jähriger Krieg), in: Das schöne Wittgenstein, Laasphe 1938 / Nr. 6 / Seite 42–43, Nr. 7, S. 51, Nr. 8, S. 58, Nr. 9, S. 68–69, Nr. 11, S. 84, Nr. 12, S. 92.

Aus der Kinderstube des Zeitungswesens. Ein Beitrag zur Geschichte des 30 jährigen Krieges, in: Das schöne Wittgenstein Laasphe 1939 / Nr. 4 / S. 28–29, Nr. 5, S. 35–36.

Ein Beitrag zur Wittgensteiner Heimatgeschichte. Stadt Berleburg Privilegia, in: Das schöne Wittgenstein, Laasphe 1940 Nr. 3, S. 13–15, Nr. 4, S. 22–23, Nr. 5, S. 27–28, Nr. 7, S. 33–35

Einzelnachweise

Kategorie:Evangelischer Geistlicher (19. Jahrhundert) Kategorie:Evangelischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Person des Christentums (Duisburg) Kategorie:Heimatforscher Kategorie:Autor Kategorie:Geboren 1863 Kategorie:Gestorben 1953 Kategorie:Mann