Paul Albert Theodor Schottländer (* 28. Dezember 1843 in Berlin, Königreich Preußen; † 17. August 1897 in Charlottenburg, Deutsches Reich) war ein deutscher Chemiker, Fabrikdirektor in St. Petersburg und Stadtverordneter in Charlottenburg.
Leben und Wirken Paul Schottländer stammte aus der konvertierten jüdischen Familie Schottländer. Seine Eltern Julius Adolph August und Sophie Schottländer zogen einige Jahre nach seiner Geburt von Berlin nach Estland und dann nach St. Petersburg, wo sein Vater Direktor mehrerer chemischer Fabriken des britischen Unternehmens Wm. Miller & Co. wurde. Sein Bruder Felix Schottländer wurde Chemiker und später Nachfolger des Vaters, der Bruder Julius Schottländer Medizinprofessor in Heidelberg und Wien. Zur entfernteren Verwandtschaft (Cousins zweiten Grades) zählten Julius Schottländer, Salo Schottländer und Arnold Schottländer.
Paul Schottländer wurde auf eine Knabenschule nach Braunschweig und danach auf eine Realschule nach Berlin geschickt.Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft, 1897, S. 2173, mit einigen biographischen Angaben. Nach seinem preußischen Militärdienst (als Einjährig-Freiwilliger?) studierte er Chemie in Zürich und Karlsruhe. Anschließend arbeitete er in chemischen Fabriken in England und Schottland (wahrscheinlich von Wm Miller & Cie.) und wurde 1870 Assistent des Vaters in der Nevskij Stearinfabrik in St. Petersburg. Nach dessen Tod 1874 wurde er Nachfolger als Direktor und in den folgenden Jahren auch Mitdirektor einer neuen Gesellschaft, die weitere chemische Fabriken in St. Petersburg gründete.Amburger, 1988, S. 258, mit vielen biographischen Angaben.
1882 schied Paul Schottländer nach Unstimmigkeiten mit dem britischen Mutterunternehmen aus diesen Tätigkeiten aus, blieb aber ein Hauptaktionär. Er kaufte ein Haus in Charlottenburg am Steinplatz und immatrikulierte sich von 1882 bis 1884 an der Berliner Universität. 1884 promovierte er in Würzburg zum Dr. phil. 1885 ließ er auf seinem Grundstück ein zweites Haus errichten, in dem er ein prächtig ausgestattetes Privatlaboratorium einrichtete., erster Eintrag des Laboratoriums, auch weitere Jahre im Adreßbuch für Charlottenburg [...] bis 1897; Zitat prächtig in Berichte, 1897, S. 2173. Dort führte er in den folgenden Jahren chemische Experimente durch. Von 1888 bis 1889 war er auch Stadtverordneter in Charlottenburg.Paul Albert Theodor Schottländer als Stadtverordneter Charlottenburg-Wilmersdorf.
Paul Schottländer starb 1897 nach langer schwerer Krankheit, wahrscheinlich als Folge seiner chemischen Experimente, im Alter von 53 Jahren. Die Deutsche Chemische Gesellschaft würdigte ihn auf ihrer Jahresversammlung als einen der wenigen chemischen Privatgelehrten in Deutschland. Paul Schottländer veröffentlichte seine Dissertation sowie mehrere wissenschaftliche Aufsätze über Verbindungen von Gold und weiterer Metalle, er war auch an Lehrbüchern beteiligt.
Ehe und Nachkommen Paul Albert Theodor Schottländer war mit Johanna Gabriele Baronesse von Gersdorff (1852–1940), Tochter von Ferdinand Moritz Baron von Gersdorff und Katharina Elisabeth, geborene von Pröbsting, aus Livland, seit 1872 verheiratet. Sie hatten sieben Kinder.The Origins of the Families Schottländer Lars Menk (PDF; 0,5 MB), S. 15–16, 19–20, mit ausführlichen Angaben, auch in geni.com
Fritz (Friedrich Adolf Moritz) Schottländer (1873–1959), Chemiker, Oberregierungsrat, Mitglied des Kaiserlichen Patentamts in Berlin, dessen Sohn Johann Wolfgang Schottländer (1905–1943) wurde Musikwissenschaftler Edith Clara Felicitas von Waldheim (1874–1971), heiratete den Major Eugen von Waldheim (1861–1924), 1923 geschieden Max Richard Valentin Schottländer (1875–1893), starb im Alter von 18 Jahren als Gymnasiast Wanda (Alwine Henriette) von Gazen (1876–1968), verheiratet mit Hauptmann Wilhelm Heinrich Karl Emil von Gazen (1868–1929) von 1898 bis 1903, Augenärztin in Berlin von 1925 bis 1965 Ernst (Arthur Heinrich) Schottländer (1877–1944), Landschaftsmaler, Direktor der Privat-Handelslehranstalt (vorm. Knaute) in HeidelbergHeide in Niederschlesien ebay Gerda Elisabeth Alexandrine Amburger (1880–1961), heiratete Nikolaus Alexander Amburger (1873–1920), deren Sohn Erik Amburger wurde ein bekannter Historiker über die Russlanddeutschen Hans Erich Julius Schottländer (1883–1887), verunglückte mit vier Jahren
Literatur Erik Amburger: Deutsche in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft Rußlands. Harrassowitz, Wiesbaden 1988. S. 258, mit detaillierten biographischen Angaben Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft. 1897. S. 2173–2174, Nachruf
Weblinks The Origins of the Families Schottlaender Lars Menk (PDF; 0,5 MB), S. 14, 1.2.2.1, mit detaillierten biographischen Angaben Paul Albert Theodor Schottländer Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
Paul Albert Theodor Schottländer Erik Amburger Datenbank
Einzelnachweise
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