mini|Jean Pierre-Bloch Jean Pierre-Bloch (geboren am 14. April 1905 in Paris; gestorben am 17. März 1999 ebenda) war ein französischer sozialistischer Politiker, Résistant und antirassistischer Aktivist.
Leben Anfänge Jean Pierre-Bloch war Sohn von Georges Pierre-Bloch, Direktor eines großen Bekleidungsgeschäfts elsässischer jüdischer Herkunft, und von Reine Aboucaya, die aus einer sephardischen Familie aus Algerien stammte. Sein Vater starb kurz nach seiner Geburt. Er besuchte die Gymnasien Charlemagne und Henri IV, erwarb einen Abschluss in Rechtswissenschaften an der Universität Paris (Sorbonne) und wandte sich dann dem Journalismus und dem Sozialismus zu, indem er der SFIO beitrat. 1929 wurde er in die Freimaurerei und den Droit Humain eingeführt und trat 1932 dem Grand Orient de France bei. 1930 wurde er Journalist bei Le Populaire, dem Organ der Sozialistischen Partei.
1934 wurde Pierre-Bloch zum Generalrat des Kantons Marle im Département Aisne gewählt. 1935 wurde er stellvertretender Bürgermeister von Laon. 1936 wurde er im Alter von 31 Jahren sozialistischer Abgeordneter des Départements Aisne und damit der jüngste Parlamentarier in der von der Front populaire geprägten Abgeordnetenkammer. 1937 wurde er Mitglied des Vorstands der Ligue Internationale Contre le Racisme et l’Antisémitisme (Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus, LICRA) und blieb dies bis 1968, als er zum Präsidenten gewählt wurde. 1938 stimmte Pierre-Bloch gegen seine Überzeugung aus Parteidisziplin für das Münchner Abkommen.Siehe Werksliste
Zweiter Weltkrieg 1939 meldete er sich freiwillig zum Militärdienst und wurde am 23. Juni 1940 in Gefangenschaft genommen. Daher konnte er nicht an der Abstimmung teilnehmen, als Philippe Pétain im Juli die Verfassung ändern ließ. Am 17. Oktober floh er aus dem Lager von Essey-lès-Nancy und begab sich in die freie Zone.
Im Februar 1941 besuchte er Léon Blum in seinem Gefängnis in Riom und traf sich anschließend mit Xavier Vallat, um gegen die antijüdischen Gesetze zu protestieren, erreichte jedoch nichts. Im März war er Mitbegründer des Comité d’action socialiste (Sozialistisches Aktionskomitee) der Südzone. Im August traf er auf Initiative von Max Hymans in Châteauroux Jacques Vaillant de Guélis, Jacques Vaillant de Guélis in der DNB., der ihn für die Sektion F des Special Operations Executive rekrutierte. Im Oktober organisierten er und seine Frau Gaby in der Nähe seines Anwesens in Villamblard in der Dordogne (bei Beleymas) das erste Komitee zur Aufnahme einer kombinierten Fallschirmlandung von Männern und Waffen in Frankreich, die in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober stattfand, wonach er von der Gestapo gesucht wurde.Siehe Werksliste
Am 20. Oktober 1941 wurden Pierre-Bloch und seine Frau in Marseille festgenommen, als sie Gelder für die Résistance transportierten, und anschließend in das Gefängnis von Périgueux überführt, wo er fünf Monate lang inhaftiert war. Danach kam er in das Lager von Mauzac, aus dem er am Morgen des 16. Juli 1942 zusammen mit zehn Kameraden floh. Unter dem Vichy-Regime in Abwesenheit zum Tode verurteilt, versuchte er, sich General de Gaulle in London anzuschließen, wurde jedoch in Spanien festgenommen und verbrachte viele Monate im Lager Miranda, aus dem er vom englischen Konsul befreit wurde. In London angekommen, wurde er Leiter der nichtmilitärischen Abteilung des Bureau Central de Renseignements et d’Action (Zentrales Informations- und Aktionsbüro, BCRA).
Nach seiner Versetzung nach Algier wurde Jean Pierre-Bloch Mitglied der Provisorischen Beratenden Versammlung und am 17. November 1943 Generaldelegierter des Innenkommissariats innerhalb des Französischen Komitees für die nationale BefreiungDieses entstand im Juni 1943 aus dem Zusammenschluss der beiden französischen Kriegsbehörden, dem französischen Nationalkomitee in London unter der Leitung von General de Gaulle und dem französischen zivilen und militärischen Oberkommando in Algier unter der Leitung von General Giraud. Siehe weiterführend Composition du Comité français de libération nationale in der frankophonen Wikipédia. unter der Leitung von Emmanuel d’Astier de La Vigerie. In dieser Funktion trug er zur Wiedereinführung des Crémieux-Dekrets von 1870 bei, das den Juden Algeriens die französische Staatsbürgerschaft verliehen hatte und das vom Vichy-Regime aufgehoben worden war. Vergeblich schlug er jedoch eine ähnliche Maßnahme für die muslimischen Algerier vor. Er war Vorsitzender der Kommission der Provisorischen Versammlung für die Koordinierung muslimischer Angelegenheiten und versuchte, das Schicksal der Algerier zu verbessern und war an der Ausarbeitung des Statuts von 1947Das Statut von 1947 umfasste alle Bestimmungen zur Dezentralisierung der kolonialen Macht Frankreichs in Algerien. Siehe dazu weiterführend in der französischsprachigen Wikipédia Statut de 1947. beteiligt, das jedoch nie in Kraft trat.
Nach dem Krieg 1945 war Jean Pierre-Bloch Geschworener im Prozess gegen Marschall Pétain. Die Jury, die über diesen zu urteilen hatte, bestand ausschließlich aus Parlamentariern, die nicht für die Vollmachten gestimmt hatten, und WiderstandskämpfernLes Jurés. In: Criminocorpus.org, abgerufen am 18. Februar 2026. und stimmte für die Verurteilung Marschall Pétains zum Tode. Dazu erklärte er: „Als Geschworener im Pétain-Prozess bin ich stolz darauf, für die Todesstrafe für den Verräter Pétain gestimmt zu haben, der schuldiger war als Laval, der erschossen wurde.“ Pétain wurde allerdings von General de Gaulle begnadigt.
Im Oktober 1945 wurde er bei den Wahlen zur ersten Verfassungsgebenden Versammlung von 1945Näheres zu dieser unter :fr:Assemblée constituante de 1945 in der französischsprachigen Wikipédia. im Listenwahlverfahren zum Abgeordneten des Départements Aisne gewählt. Im Hinblick auf die Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung am 2. Juni 1946 wählte ihn der sozialistische Verband des Départements nicht zum Spitzenkandidaten, woraufhin er nicht erneut kandidierte.
Im Mai 1946 wurde er im zum Leiter der Société nationale des entreprises de presseSiehe dazu weiterführend den Eintrag Société nationale des entreprises de presse in der frankophonen Wikipédia. (Nationaler Verband der Presseunternehmen, SNEP) ernannt, die mit der Verwaltung der Vermögenswerte der nach der Befreiung verbotenen Zeitungen beauftragt war. 1953 trat er aufgrund interner Streitigkeiten und seiner Ablehnung der Regierungspolitik, die den öffentlichen Druckdienst schwächte, von seinem Amt als Generaldirektor der SNEP zurück.
Seit der Gründung des Comité d’action de la RésistanceDas Comité d’action de la Résistance ist so näher beschrieben in der französischsprachigen Wikipédia. (Aktionskomitees des Widerstands) im Jahr 1948 war er dessen Vizepräsident. Von 1950 bis 1960 engagierte er sich in der Friedensbewegung. 1956 scheiterte er bei der Wiederwahl zum Abgeordneten. 1968 wurde er Präsident der Ligue internationale contre l’antisémitisme. Dieses Amt bekleidete er bis 1992. Von 1974 bis 1981 war er Präsident von B’nai B’rith France und von 1987 bis 1989 Präsident der Commission nationale consultative des droits de l’homme (Nationale Beratungskommission für Menschenrechte, CNCDH).
1998, im Alter von 93 Jahren, war er Zeuge der Anklage im Prozess gegen Maurice Papon, der wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit Verhaftungen und Freiheitsberaubung bei der Organisation der Deportation der Juden aus der Region Bordeaux in das Sammellager Drancy, von wo aus sie anschließend in das Vernichtungslager Auschwitz gebracht wurden, angeklagt war. Am 19. März 1991 wurde er vom Premierminister Michel Rocard gemeinsam mit Nicole Questiaux zum Ehrenpräsidenten der CNCDH ernannt und blieb dies bis zu seinem Tod.
Familie 1936 heiratete er Gabrielle Sadourny, geboren 1908 in Brassac-les-Mines und verstorben am 6. Juli 1996. Sie hatten drei Kinder: Claude, Michèle und Jean-Pierre Pierre-Bloch, der Abgeordneter in der Nationalversammlung war. Jean Pierre-Bloch lebte in Neuilly-sur-Seine.
Auszeichnungen mini|Rue Jean Pierre-Bloch in Paris Großkreuz der EhrenlegionDie französische Sprachversion fügt hier an: militärisch, äußerst selten Croix de guerre 1939–1945 Médaille de la Résistance Ritter des Ordre des Palmes Académiques Kommandeur des Ordre de la Santé publique Médaille des évadés Croix du combattant volontaire Croix du combattant volontaire de la Résistance Médaille commémorative des services volontaires dans la France libre Nischan el Iftikhar Ordre national du Bénin Croix de Guerre Polonaise Ehrungen 1997 benannte der Stadtrat von La Teste-de-Buch einen Platz in Pyla-sur-mer in der Nähe der Villa Gribiche, dem Zweitwohnsitz der Familie Pierre-Bloch, nach Gabrielle Pierre-Bloch. Im Jahr 2003 wurde eine Straße im 15. Arrondissement von Paris in Rue Jean Pierre-Bloch umbenannt. Ein Platz in Bergerac trägt den Namen Jean Pierre-Bloch. Eine Straße in Laon ist nach ihm benannt. Am 12. November 2001 wurde eine Briefmarke im Kupferstichverfahren mit einem Nennwert von 4,50 Francs herausgegeben.
Werke Memoiren
Sonstige L’Affaire Frankfurter. Denoël, 1937 (mit Didier Méran). Charles De Gaulle, premier Ouvrier de France vu par un socialiste. Éditions Fasquelle, 1944. Mes jours heureux. Éd. du Bateau Ivre, 1946. Liberté et servitude de la presse en France. Morceaux choisis. Hrsg.: Centre de documentation. Éditions du Livre, 1952. Les Causes politiques de l’antisémitisme en France. Centre de documentation, 1952. Sept ans à la SNEP. SNEP, 1954. Le vent souffle sur l’Histoire. Témoignages et documents inédits. Éditions SIPEP, 1956. Carnet d’un voyageur en Israël. Éditions SIPEP, 1960. Khroutchev en France, essai biographique. Éditions SIPEP, 1960. Algérie – Terre des occasions perdues. Deux Rives, 1961. De Gaulle ou le temps des méprises. Éd. La Table Ronde, 1969. Chronique d’une défaite. Éditions SIPEP, 1980. Londres, capitale de la France libre. Carrère, ISBN 2-86804-263-5. Alger, capitale de la France en guerre, 1942–1944. Universal, 1989, ISBN 2-908391-00-7.
Literatur
Weblinks
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Mitglied der Abgeordnetenkammer (Frankreich) Kategorie:Résistancekämpfer Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Großkreuz) Kategorie:SFIO-Mitglied Kategorie:Freimaurer (Frankreich) Kategorie:Freimaurer (20. Jahrhundert) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1905 Kategorie:Gestorben 1999 Kategorie:Mann