Die 40-cm-Mantelringkanone L/35, kurz 40-cm-MRK L/35, war ein Küstengeschütz der Friedrich Krupp AG und wurde für die Verteidigung des italienischen Marinestützpunktes La Spezia genutzt.

Geschichte mini|Unterschiede zwischen der 40-cm-MRK L/25 und 40-cm-MRK L/35 mini|Die 40-cm-MRK L/35 auf Lafette und im Transportwagen In der Mitte der 1870er Jahre begann im Mittelmeerraum das Wettrüsten, nachdem das Königreich Italien die RML 17.72 Inch Gun für die Bewaffnung der Panzerschiffe der Caio-Duilio-Klasse kaufte. Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland reagierte darauf und bestückte das Turmschiff Inflexible mit der RML 16-inch 80-ton gun. Infolgedessen begann die Friedrich Krupp AG mit der Entwicklung eines 71 t schweren Geschütztes mit einem Kaliber von 40 cm. Der erste Entwurf und Prototyp war die 40-cm-Mantelringkanone L/25.

Bereits zuvor, in den Jahren 1862 bis 1869, errichtete Italien in La Spezia einen Marinestützpunkt und suchte nach schweren Geschützen zur Verteidigung. Im Jahr 1879 entsandte Italien 13 Personen, welche bei den ersten Tests der 40-cm-MRK L/25 zugegen sein sollten. Darunter befand sich der Leiter der Befestigungsanlagen von La Spezia Oberst Malvani. Das Geschütz war jedoch kein kommerzieller Erfolg, da die Firma bereits an Geschützen mit längeren Geschützrohren arbeitete, welche eine höhere Reichweite hatten. Dennoch war die Delegation von den Test begeistert und man begann mit Verhandlungen.

Im Jahr 1880 veröffentlichte die Friedrich Krupp AG eine Tabelle mit Abmessungen der Geschütze, welche die Firma in naher Zukunft herstellen wollte. Darin enthalten waren auch die ersten Schritte und Daten der 40-cm-Mantelringkanone L/35. Von diesem Geschütz und den Werten war Italien überzeugt und bestellte im Jahr 1882 vier dieser überschweren Geschütze. Zum Eigenschutz sollten diese dann noch in gepanzerten Kuppeln verbaut werden. Der Preis für alle vier Geschütze, inklusive Lafetten und Munition, belief sich auf 5,5 Millionen Italienische Lira.

Im November 1885 wurde das erste Geschütz mit der Seriennummer 19464 fertiggestellt und man begann auf dem firmeneigenen Schießplatz in Meppen mit den ersten Tests. Hierbei sollte das am besten geeignete Schießpulver ermittelt werden. Unter den 16 verschossenen Granaten befanden sich 920 kg schwere Granaten nach italienischen Spezifikationen und normale deutsche Granaten mit einem Gewicht von 1,05 t. Bei diesen Tests waren erneut italienische Vertreter anwesend, um die Einsatzfähigkeit der Kanone zu begutachten, die Einhaltung der vertraglichen Spezifikationen zu überprüfen und die ballistischen Daten und Tabellen zu bestätigen.

Insgesamt wurden 50 Granaten abgefeuert, wobei zehn auf eine Entfernung von 2,5 km und 15 auf eine Entfernung von 5 km abgegeben wurden. Die restlichen 25 Granaten wurden mit zunehmender Rohrerhöhung abgefeuert, um die Reichweite von 10 km zu ermitteln. Das Ziel bei diesen Test waren abgemessene Rechtecke. Dabei hatte das Rechteck bei 2,5 m die Maße von 3,25 auf 3,25 m. Bei der Entfernung von 5 km durfte die Streuung der Geschosse nicht über 80 m hinausgehen. Das Ergebnis war für die Firma und die italienischen Beobachter hervorragend. Bei 2,5 km betrug die Streuung nicht mehr als 1,85 m zu Seite und 2,65 m in der Länge. Bei 5 km lag die Streuung in einem Radius von 64 m und damit deutlich unter den geforderten 80 m. Bei einer Entfernung von 10 km trafen die Geschosse in einem Winkel von 20° auf und waren 25 s unterwegs. Nach den 50 abgefeuerten Geschossen begann man mit der Untersuchung des Geschützrohres auf Verschleiß und Beschädigungen. Am wichtigsten war hierbei, ob das Innenrohr weiterhin fest mit dem Mantel verbunden war und der Spalt zwischen den Ringen nicht mehr als 3 mm überschritt. Die Werte waren optimal es bedurfte keiner Anpassungen.

Während der Schießtests war das Geschütz auf einer Lafette verbaut, welche der auf den Panzerschiffen der Caio-Duilio-Klasse ähnelte, jedoch von der Friedrich Krupp AG selber stammte. Sie bestand aus einem Oberteil, einem Schlitten und einem Sockel. Das Geschützrohr konnte bis zu 18 Winkelgrad angehoben, jedoch nicht seitlich gedreht werden. Um genügend hydraulischen Druck von 50 atm zum Anheben bereitzustellen, wurde eine Dampflokomotive genutzt.

Produktion Das erste Geschütz wurde im November 1885 fertiggestellt und hatte die Seriennummer 19464. Im März und April 1886 wurden die restlichen drei Geschütze mit den Seriennummern 19462, 19463 und 19465 fertiggestellt. Nach dem Abschluss der Produktion wurden alle drei Geschütze mit jeweils neun Granaten auf ihre Funktionsfähigkeit getestet und für gut befunden.

Technische Beschreibung Die 40-cm-MRK L/35 war ein Hinterladergeschütz und verfügte über einen zylindrischen Gleitverschluss. Das Geschützrohr hatte den Aufbau eines Mantelrohres und bestand aus Stahl. Es hatte ein Kaliber von 40 cm und eine Rohrlänge von 14 m. Das Gesamtgewicht des Rohres, einschließlich des Verschlusses, lag bei 121 t. Das Geschützrohr verfügte über 92 Züge und Felder mit einer progressiven Drehung. Der Verschluss wurde von der linken Seite bedient und öffnete sich auch nach Links.

Transport nach Italien mini|Der Eisenbahnwagen mit der 40-cm-MRK L/35 beim Transport Nachdem die drei Geschütze im März und April fertiggestellt wurden, begann die Verlegung aller vier Geschütze von Meppen nach La Spezia. Dafür mussten spezielle Eisenbahnwagen konstruiert werden, welche das hohe Gewicht aushalten konnten. Diese bestanden aus zwei Teilen, welche jeweils aus zwei stabilen, vierachsigen Wagen bestanden. Das Geschütz wurde auf diese Wagen verladen und konnte bei den Kontrapunkten vorn und hinten gedreht werden. Der Wagen mit verladener Kanone hatte eine Gesamtlänge von 22,72 m und ein Gewicht von 218 t. Der Transport wurde so geplant, dass man über die Schweiz nach Italien fahren wollte. Die Schweizerischen Bundesbahnen waren jedoch der Meinung, dass ihre Brücken eine solche Last nicht tragen konnten und darunter einstürzen könnten. Aus diesem Grund wurden die vier Geschütze nach Antwerpen gebracht, dort auf Dampfschiffe verladen und so nach La Spezia gebracht.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Geschütz Kaliber über 300 mm Kategorie:Krupp Kategorie:Militär (Königreich Italien, 1861–1946)