Julius Adolph August Schottländer (* 28. August 1815 in Berlin, Königreich Preußen; † in St. Petersburg, Russisches Kaiserreich) war ein Chemiker und Fabrikdirektor in St. Petersburg.
Leben und Wirken Der Vater Jacob (David) Schottländer (1776–1844) stammte aus der jüdischen sephardischen Familie Schottländer aus Alt-Schottland bei Danzig.The Origins of the family Schottlaender Lars Menk (PDF; 0,5 MB), S. 9 Nr. 1.2, mit detaillierten Angqben, auch Amburger, 1988, S. 256 Er kam um 1792 nach Berlin, handelte mit Weißwaren (Stoffen), heiratete 1810 die jüdische Berlinerin Philippine Loewe und erhielt 1812 das Bürgerrecht der Stadt, er gründete später eine Baumwollfabrik. Der Sohn Joel ben Raw Jacob wurde 1831 in der Nikolaikirche getauft und erhielt den Namen Julius Adolph August Schottländer.Jacab Jacobson: Jüdische Trauungen in Berlin 1759–1813. 1968. S. 508 Zur Familie zählt ferner dessen Cousin, der Unternehmer und Mäzen Löbel Schottländer. Julius Adolph August Schottländer lernte und arbeitete in einer Apotheke, machte einige chemische Experimente und entwickelte ein Fruchtsaftgetränk. Um 1840 gründete er die chemische Fabrik Julius Schottländer & Comp. in der Oranienburger Straße.Amburger, 1988, S. 257; auch , auch 1844
Um 1845 zog er nach Eichenhain in Estland zu Theodor von Schwebs, wo er auch versuchte, ein eigenes Verfahren zur Gewinnung von Zucker aus Zuckerrüben zu entwickeln. 1849 zog er nach St. Petersburg und wurde Direktor der Nevskij Stearin- und Seifenfabrik des englischen Unternehmens Wm. Miller & Cie. 1864 wurde er außerdem Mitgründer und Direktor der Kalinkin-Brauerei-Gesellschaft des Unternehmens.Der Bierbrauer. Monatsberichte über die Fortschritte des gesammten Brauwesens, 1864, S. 67; Bericht über die neue Brauerei und den unermüdlichen Herrn Schottländer; auch Amburger, 1988, S. 257 Später organisierte er mehrere weitere neu erworbene Fabriken von Wm. Miller in Moskau um und wurde deren Vorstandsvorsitzender.Erik Amburger, Ingerkanland, 1980, S. 360 (kurzer Auszug); auch Amburger, 1988, S. 257
1868 kaufte Julius Schottländer die Villa Orangini in Nizza, wo die Familie seitdem mehrere Monate im Jahr verbrachte.Amburger, 1988, S. 257; auch Alexander Hilpert, Der Fälscher Heinrich Schaeffer, Berlin 2025, S. 249 Er starb 1874 in St. Petersburg und wurde auf dem lutherischen Wolkowo-Friedhof begraben.Benedikt Böhm: Wolkowo. Lutherischer Friedhof in St. Petersburg. 1998. S. 84 (kurzer Auszug)
Ehe und Nachkommen Julius Schottländer war mit seiner Cousine Sophie Schott (1815–1887) seit 1846 verheiratet. Sie hatten sieben Kinder.
Emilie Sophie Schottländer (1842–1842), starb nach etwa fünf Wochen Paul Albert Theodor Schottländer (1843–1897), Chemiker, Direktor der Kalinkin-Brauerei in St. Petersburg bis 1882, danach Besitzer eines kleinen Privatlaboratoriums und Stadtverordneter in Charlottenburg bei BerlinPaul Albert Theodor Schottländer Charlottenburg-Wilmersdorf, Stadtverordnete Marie Schottländer (1846–1858), starb mit 12 Jahren Ella Mathilde Eva Schottländer (1848–1912), körperlich beeinträchtigt durch Meningitisfolgen, unterstützte ihre Mutter ab 1887 nach dem Tode des Vaters in Heidelberg Felix Emil Schottländer (1850–1914), Direktor der Kalinkin-Brauerei und Nevskij-Stearinfabrik in St. Petersburg, Gutsbesitzer, 1909 in den preußischen Adelsstand erhoben Sophie Valentine von Rosen (1854–1914), starb in Reval Julius Gustav Adam Schottländer (1860–1917), Gynäkologe, Professor in Heidelberg und Wien
Literatur Erik Amburger: Deutsche und Wirtschaft, Staat und Gesellschaft Rußlands. Harrassowitz, Wiesbaden 1988. S. 256–259, mit detaillierten Angaben
Weblinks The Origins of the family Schottlaender Lars Menk, 1993 (PDF; 0,5 MB), S. 11–13 Nr. 1.2.2, mit detaillierten Angaben Julius Adolf August Schottländer Erik Amburger Datenbank Julius Adolf August Schottländer Baltisches Biographisches Lexikon digital
Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmer (19. Jahrhundert) Kategorie:Person (Sankt Petersburg) Julius Adolph August Kategorie:Geboren 1815 Kategorie:Gestorben 1874 Kategorie:Mann