Staatsschutz (internationaler englischsprachiger Titel Prosecution) ist ein Justizthriller von Faraz Shariat. Das Filmdrama mit Chen Emilie Yan, Julia Jentsch, Alev Irmak, Arnd Klawitter und Sebastian Urzendowsky, das institutionellen Rassismus in Deutschland beleuchtet, feierte im Februar 2026 bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin seine Premiere. Der Kinostart in Deutschland erfolgte am 27. August 2026.
Handlung Die deutsch-koreanische Staatsanwältin Seyo Kim, eine wortgewandte Juristin, lebt seit Kurzem in der brandenburgischen Stadt Neuwerda. Nachdem sie in einem Verfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz den angeklagten Neonazi im Gerichtssaal angewiesen hat, sein T-Shirt mit der rechtsextremen Chiffre HKN KRZ zu verdecken, werden ihre Autoreifen aufgestochen. Als sie am nächsten Tag mit dem Fahrrad durch einen Park fährt, wird sie angegriffen: Ein Radfahrer fährt absichtlich in sie hinein, sodass sie vom Fahrrad geschleudert wird. Weitere Täter werfen zwei Molotowcocktails von einer Brücke nach ihr, wodurch ihre Jacke Feuer fängt. Es gelingt ihr, die brennende Jacke auszuziehen. Als die Polizei eintrifft, verwandelt sie sich sofort von einem schockierten Opfer in eine Ermittlerin und bittet die Beamten, den Tatort abzusichern und ihre Verletzungen forensisch zu sichern.
Seyo Kim gelingt es, einen der Täter zu identifizieren und vor Gericht zu bringen. Mit zum Teil illegalen Methoden beschafft sie sich Gerichtsakten, die zum Teil andere, bereits abgeschlossene Fälle betreffen, wodurch ihre türkischstämmige Kollegin Ayten Alican, deren Schlüssel zum Archiv sie benutzt hat, den Job verliert. Zudem unterstützen Seyo Kim die Anwältin Alexandra Tiedemann, die sie in der Nebenklage vertritt, die Afrikanerin Maida Cali, die in einem Flüchtlingsheim in Neuwerda lebt und nach einigem Zögern auch der junge Oberstaatsanwalt Quant. Mit den Akten versucht Seyo Kim, ein rechtsextremes Netzwerk aufzudecken, das für mehrere ausländerfeindliche Gewalttaten in Neuwerda verantwortlich ist. Sie findet heraus, dass Oberstaatsanwalt Forch mit den Tätern unter einer Decke steckt. Auch gelingt es ihr, ihn und einen führenden Rechtsextremisten als Zeugen zu laden, doch diese nehmen das Zeugnisverweigerungsrecht nach § 55 Strafprozessordnung in Anspruch. Damit wird deutlich, dass sie sich bei einer Aussage selbst belastet hätten. Der Prozess endet mit einer Verurteilung des Beschuldigten wegen Körperverletzung, jedoch nicht wegen versuchten Mordes, wie Seyo Kim beantragt hatte. Auch bleiben die Mittäter unbehelligt. Auf dem Weg nach Hause wird Seyo Kim von zwei Polizeibeamten festgenommen, die ihr Auto mit einer Spirituose übergießen, um ihr Trunkenheit am Steuer anzuhängen. In der Zelle nähert sich einer der Polizisten ihr auf grenzverletzende Weise. Wieder freigelassen, hat Seyo Kim einen Wutanfall und lässt sich von ihrer lesbischen Freundin Min-Su trösten. Sie nimmt ihre zuvor abgebrochenen Privatuntersuchungen zu dem rechtsextremen Netzwerk in Neuwerda wieder auf, für die Aktendiebstähle kommt sie mit einer Abmahnung davon. Der Film endet damit, dass sie mit röhrendem Motor an den Häusern der Verdächtigen vorbeifährt, die sichtlich verängstigt reagieren.
Produktion Regie, Drehbuch und Besetzung
Regie führte Faraz Shariat. Es handelt sich um seinen zweiten Spielfilm nach Futur Drei. Im Zuge der Recherche für Staatsschutz hatte er Menschen wie Franziska Nedelmann getroffen, die zum Beispiel im Fall vom Brandanschlag auf Ferat Koçak die Nebenklage übernommen hat und auch in vielen weiteren Prozessen Opfer rassistischer Gewalt vertritt. Auch traf er Sebastian Scharmer, der Nebenklage-Anwalt im NSU-Prozess. mini|Chen Emilie Yan spielt Seyo Kim Das Drehbuch schrieben Claudia Schaefer, Jee-Un Kim und Sun-Ju Choi. Diesem lag eine mehrjährige intensive Recherche zugrunde. Die Geschichte in Staatsschutz basiert nicht unmittelbar auf einem konkreten Fall oder einer realen Person, ist aber in der Realität verwurzelt.
Chen Emilie Yan, die 2024 zum ersten Mal in dem Dokudrama Die Spaltung der Welt vor der Kamera stand, spielt in der Hauptrolle die deutsch-koreanische Staatsanwältin Seyo Kim.E. Nina Rothe: Berlinale 2026 review: Prosecution. In: icsfilm.org, 15. Februar 2026. Julia Jentsch spielt Alexandra Tiedemann, die Anwältin aus der linken Szene, die Seyo vor Gericht unterstützt. Arnd Klawitter und Sebastian Urzendowsky spielen die Oberstaatsanwälte Forch und Quant, Seyos Chef und ihren Kollegen.Staatsschutz (Prosecution) – von Faraz Shariat. In: zukunft-braucht-erinnerung.de, 15. Februar 2026.Konrad Kögler: Staatsschutz. In: daskulturblog.com, 15. Februar 2026. Kathrin Angerer ist in der Rolle von Franziska Haas, der Verteidigerin des Haupttäters Pascal Röder, zu sehen, der von Max Krause gespielt wird. Alev Irmak ist in der Rolle der Archiv-Mitarbeiterin Ayten Alican zu sehen. Kotbong Yang spielt Seyos heimliche Freundin Min-Su. Die kenianisch-österreichische Schauspielerin Mercy Dorcas Otieno ist in der Rolle von Maida Cali zu sehen, ein Opfer von Polizeirassismus, die Seyo zur Aussage überredet.Matthew Turner: Prosecution. In: nextbestpicture.com, 15. Februar 2026. Auch Benjamin Radjaipour, den Shariat in seinem Film Futur Drei für eine der drei Hauptrollen besetzt hatte, ist in Staatsschutz in einer Nebenrolle zu sehen. In weiteren Rollen spielen Petra Hartung und Béla Gabor Lenz. Das Casting übernahm Andrea Rodríguez.
Filmförderung und Dreharbeiten Der Film wurde gefördert durch die Film- und Medienstiftung NRW, den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Medienboard Berlin-Brandenburg, die HessenFilm und Medien, nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen und durch den Deutschen Filmförderfonds. Zudem erhielt der Film eine Verleihförderung des Bundes in Höhe von 65.000 Euro und Medialeistungen im Wert von 200.000 Euro von der Förderkommission Medialeistungen.Jochen Müller: Bund fördert Verleih von vier Berlinale-Titeln. In: the-spot-mediafilm.com, 9. März 2026.Jochen Müller: Fünf Kinostarts erhalten Medialeistungen in Höhe von 1,6 Mio. Euro. In: the-spot-mediafilm.com, 21. Mai 2026.
Die Dreharbeiten fanden von Ende Mai bis Ende Juni 2025 in Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen statt. Mit Kamerafrau Lotta Kilian arbeitete Shariat bereits für die Webserie Druck zusammen. Zum Ansatz erklärte sie, je mehr die Hauptfigur Seyo Kim in dieses System einsteigt, recherchiert und herausfindet, desto mehr bewege sich auch die Kamera mit ihr und werde näher. Eine fast achtminütige Gerichtsszene wurde in einer Plansequenz mit einer Handkamera gedreht.Barbara Schuster: Video-Interview mit Kamerafrau Lotta Kilian. In: the-spot-mediafilm.com, 23. Februar 2026. (Video)
Filmmusik Die Musik komponierte der isländische Pianist Gabríel Ólafs, der erstmals für einen Film tätig war. Das Soundtrack-Album mit insgesamt 16 Musikstücken wurde am 27. August 2026 von Vetur Music als Download veröffentlicht.filmmusicreporter.com
Marketing und Veröffentlichung Die Premiere des Films war am 15. Februar 2026 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin. Hier wurde er in der Sektion Panorama gezeigt. Im April 2026 wurde er beim International Istanbul Film Festival vorgestellt.Prosecution. In: hkiff.org. Abgerufen am 12. März 2026. Am 28. April 2026 eröffnete Staatsschutz das Lichter Filmfest Frankfurt International.LICHTER-Eröffnungsfilm: Staatsschutz. In: lichter-filmfest.de. Abgerufen am 26. März 2026. Im Juni 2026 wurde der Film beim Internationalen Filmfest Emden-Norderney gezeigt.Staatsschutz. In: filmfest-emden.de. Abgerufen am 14. Mai 2026. Im selben Monat fand eine von der Berlinale veranstaltete Open-Air-Vorführung in Berlin statt.Jochen Müller: Berlinale-Filme unter freiem Himmel. In: the-spot-mediafilm.com, 21. Mai 2026. Der erste Trailer wurde Anfang Juli 2026 vorgestellt.Jochen Müller: Trailer-Premiere: „Staatsschutz”. In: the-spot-mediafilm.com, 3. Juli 2026. Ebenfalls im Juli 2026 wurde er beim Galway Film Fleadh gezeigt.Prosecution. In: galwayfilmfleadh.com. Abgerufen am 23. Juni 2026. Am 27. August 2026 kam er in die deutschen Kinos.insidekino.com Den weltweiten Vertrieb übernimmt New Europe Film Sales. Für Frankreich sicherte sich Memento die Rechte.Leo Barraclough: Faraz Shariat’s Thriller 'Prosecution' Sells to Memento in France Following World Premiere in the Berlinale’s Panorama Section. In: Variety, 16. Februar 2026.
Rezeption Kritiken E. Nina Rothe schreibt in ihrer Kritik für die International Cinephile Society, Faraz Shariat habe mit Staatsschutz einen fesselnden, spannungsgeladenen Film erschaffen, der an einen Hitchcock-Thriller erinnere und die klaustrophobische Atmosphäre von Sidney Lumets Die zwölf Geschworenen besitze. Der Film entwickele sich schnell zu einem stillen Meisterwerk. Manchmal mutiere Staatsanwältin Seyo Kim fast zu einer Ninja-artigen Heldin mit einer unerschütterlichen Entschlossenheit, die vor nichts zurückschreckt und sich ihren Widersachern mit einer beneidenswerten Coolness entgegenstellt, insbesondere für eine Frau in der heutigen, oft von Übergriffen geprägten Gesellschaft. Doch wenn sie innehält und sich ihrer Angst stellt, sei ihre Menschlichkeit spürbar und man verstehe sie zutiefst. Sie sei eine vielschichtige Frauenfigur, bis hin zu ihrer alternativen sexuellen Orientierung. mini|Regisseur Faraz Shariat Corinna Götz erklärt in ihrer Kritik, Staatsschutz konfrontiere das Publikum brutal mit der eigenen Wut und Fassungslosigkeit über die aktuelle Lage der Nation, spreche aus, entlarve, seziere, wovor man sich in seiner Ohnmacht am liebsten wegducken möchte, biete gleichzeitig Halt in Person einer unerwarteten Hoffnungsträgerin, die man leicht unterschätzen könnte. Eine der größten Stärken der Erzählung liege darin, dass sie ohne erhobenen Zeigefinger und Polemik auskommt, dem Publikum erlaube, sich gemeinsam mit der Protagonistin in die Abgründe des behördlichen Versagens zu begeben, sich Klarheit zu verschaffen über verschleierte Strukturen und Mechanismen auf beiden Seiten des Gesetzes, die Widerstand mit jeder Minute dringlicher machen. Götz empfindet den Film als die bislang beste, vollendetste Arbeit von Faraz Shariat, den sie als derzeit aufregendsten Filmemachers des queeren, intersektionalen, politisch relevanten, jungen deutschen Kinos bezeichnet. Sie hebt auch die enervierend schrägen Streicherklänge der Musik von Gabriel Ólafs hervor und die ebenso gewaltige Bildgestaltung von Lotta Kilian, die die angespannte Atmosphäre und ständige Bedrohungslage noch verdichteten. Staatsschutz erinnere mit seiner Bildsprache und dokumentarischen Präzision an Alice Diops Gerichtsdrama Saint Omer, mit seiner expressiven Wucht an Hafsia Herzis Die jüngste Tochter, fühle sich oft an wie ein jüngerer Bruder von Gelbe Briefe oder Das Lehrerzimmer von İlker Çatak, doch Shariat sei eben auch ein Kind der Popkultur, durchbreche und störe damit die Schwere und neutrale Sachlichkeit, balanciere meisterhaft zwischen Systemkritik und Suspense, gieße die Wut und Ohnmacht einer ganzen Generation in die Form des Genres und verwandele sie in wehrhafte Kunst. Hauptdarstellerin Chen Emilie Yan gelinge in ihrer ersten Kinorolle eine faszinierende Gratwanderung, sie wirke gleichzeitig anziehend und distanziert, schenke ihrer Rolle eine coole Weiblichkeit und fast kindliche Verletzlichkeit.Staatsschutz. In: the-spot-mediafilm.com, 15. Februar 2026.
In der taz lobte Jens Balkenborg den Film als „packend und dicht inszeniert“: Zwar drohe er in den Gerichtszenen zum bloßen Thesenfilm zu werden, durch die Gegenüberstellung der Verharmlosung des Rechtsrucks und der ohnmächtigen Wut der Betroffenen darüber einerseits und deren persönlichem Engagement sowie der Solidarität unter den Opfern andererseits sei Staatsschutz bei aller Genrehaftigkeit eindrücklich.Jens Balkenborg: Film „Staatsschutz“ auf der Berlinale: Gegen die Ohnmacht und den Rechtsruck. taz.de, 20. Februar 2026.
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