mini|Michail Schwanezki, 1992 Michail Michailowitsch Schwanezki (; ; * 6. März 1934 in Odessa, Ukrainische SSR; † 6. November 2020 in Moskau) war ein führender sowjetischer bzw. russischer Schriftsteller und Satiriker jüdischer Herkunft.
Leben Herkunft und Ausbildung Schwanezki wurde in Odessa als Sohn einer Arztfamilie geboren. Sein Vater, Emmanuil Moisejewitsch Schwanezki, war Chirurg; seine Mutter Raisa Jakowlewna arbeitete als Ökonomin. Er verbrachte Teile seiner Kindheit in Tomaschpil, wo sein Vater Chefarzt des Bezirkskrankenhauses war. Während des Zweiten Weltkriegs wurde sein Vater als Militärarzt ausgezeichnet, während Michail mit seiner Mutter nach Taschkent evakuiert wurde. 1945 kehrte die Familie in das befreite Odessa zurück.
Nach seinem Schulabschluss absolvierte Schwanezki 1956 ein Studium als Ingenieur für Hafen-Hebezeuge an der Maritimen Universität Odessa. Während des Studiums war er sportlich als Turner aktiv und engagierte sich in der studentischen Amateurbühne. Nach dem Abschluss arbeitete er acht Jahre lang im Hafen von Odessa als Kranmechaniker, unter anderem gemeinsam mit seinem späteren Bühnenpartner Wiktor Iltschenko.
Künstlerische Karriere
Während seiner Zeit am Odessaer Institut für Ingenieure der Marineflotte war Schwanezki nicht nur literarisch, sondern auch sportlich aktiv; er betrieb Gerätturnen und erlangte den zweiten Leistungsgrad. Nach seinem Abschluss 1956 arbeitete er acht Jahre lang im Hafen von Odessa als Kranmechaniker, während sein enger Freund und späterer Bühnenpartner Wiktor Iltschenko dort als Mechaniker für Gabelstapler tätig war. Diese Zeit im Hafen prägte Schwanezkis Verständnis für die Absurditäten des sowjetischen Arbeitsalltags, die später zentrales Thema seiner Satiren wurden.
In den 1960er Jahren begann Schwanezki, Miniaturen und Monologe für das von ihm mitbegründete Studententheater „Parnas-2“ zu schreiben. Arkadi Raikin entdeckte sein Talent, er holte ihn 1964 als literarischen Leiter an sein Leningrader Theater für Miniaturen. In dieser Zeit entstanden Klassiker der sowjetischen Satire wie „Awas“ und „Defizit“.
1970 machte sich Schwanezki selbstständig und gründete zusammen mit Roman Karzew und Wiktor Iltschenko das Theater der Miniaturen in Odessa. Ab 1979 trat er vermehrt in Moskau auf, unter anderem am Eremitage-Theater. Sein Markenzeichen bei Auftritten war eine alte, abgewetzte Aktentasche, die einst seinem Vater für Patientenakten gedient hatte und aus der er seine Texte vorlas.
Von 2002 bis 2019 moderierte er die monatliche Sendung Deschurny po strane (, „Diensthabender für das Land“) Rossija 1. In diesem Format kommentierte er mit dem Journalisten Andrei Maximow (später Alexei Begak) das aktuelle Weltgeschehen. Die Sendung wurde im Dezember 2019 eingestellt, nachdem sich Schwanezkis Gesundheitszustand verschlechtert hatte. Er starb im November 2020 und wurde mit militärischen Ehren auf dem Nowodewitschi-Friedhof beigesetzt, in unmittelbarer Nähe zu anderen Größen der russischen Kultur wie Galina Woltschek und Mark Sacharow.
Stil und Markenzeichen
Schwanezkis Markenzeichen bei seinen Auftritten war eine alte, abgewetzte Aktentasche aus Leder. Diese stammte ursprünglich von seinem Vater, der sie für Patientenakten genutzt hatte. Schwanezki trat fast ausschließlich mit dieser Tasche auf, entnahm ihr seine handbeschriebenen Blätter und las seine Monologe vor. Dieser Stil verlieh seinen Auftritten eine intellektuelle, fast private Atmosphäre, als würde er dem Publikum gerade erst fertiggestellte Gedanken anvertrauen. In Jalta wurde dieser Tasche sogar ein Denkmal aus Bronze errichtet, das mit seinen bekanntesten Aphorismen verziert ist.
Tod Im Oktober 2020 gab Schwanezki das Ende seiner Bühnenlaufbahn aus gesundheitlichen Gründen bekannt. Er verstarb kurz darauf am 6. November 2020 in einer Moskauer Klinik. Er wurde mit militärischen Ehren auf dem Nowodewitschi-Friedhof beigesetzt. Ein Jahr nach seinem Tod wurde dort ein vom Bildhauer Wladimir Soskijew geschaffenes Denkmal enthüllt.
Auszeichnungen (Auswahl) 1994: Orden der Völkerfreundschaft 1994: Ehrenbürger der Stadt Odessa 1999: Volkskünstler der Ukraine 2009: Verdienstorden für das Vaterland IV. Klasse 2012: Volkskünstler Russlands
Weblinks
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Einzelnachweise
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