Operae Libertorum. Untersuchungen zur Dienstpflicht freigelassener Sklaven ist der Titel eines Buches des österreichischen Rechtshistorikers Wolfgang Waldstein. Es beschäftigt sich mit den operae libertorum, Dienstpflichten der im Römischen Reich freigelassenen Sklaven.
Erscheinen und Inhalt Das Buch erschien 1986 im Franz Steiner Verlag als Band 19 in der Reihe Forschungen zur Antiken Sklaverei der Kommission für Geschichte des Altertums der Mainzer Akademie. Der Anlass für das Werk war nach einer Bemerkung Waldsteins, dass die operae vielfach in den Werken der Juristen genannt werden (alleine 197 mal in den Digesten), aber von der rechtsgeschichtlichen Literatur fast komplett vernachlässigt worden seien.T. E. J. Wiedemann: Wolfgang Waldstein: Operae libertorum: Untersuchungen zur Dienstpflicht freigelassener Sklaven. (Forschungen zur antiken Sklaverei, 19.) Pp. 467. Stuttgart: Franz Steiner, 1986. In: The Classical Review. 1989.
Das Werk befasst sich mit einer „umfassende[n] Darstellung der aus Anlaß von Freilassungen auferlegten Dienstleistungen“. Waldstein verzichtet auf die Behandlung sozialhistorischer Betrachtungen mit der Begründung, dass die entsprechende Recherche in den Quellen zu viel Aufwand verursacht hätte.
Zu den Inhalten des Werkes gehören unter anderem eine Herausarbeitung der Unterschiede von operae officiales und operae fabriles. Ebenso untersucht der Autor die These, dass operae Ausdruck einer allgemeinen „mediterranen Gewohnheit“ seien und verwirft sie. Waldstein arbeitet in diesem Zusammenhang die Unterschiede zu der vergleichbaren griechischen Institution der paramone heraus.
In dem Buch wendet sich Waldstein beispielsweise gegen die vor Erscheinen des Buches in der Fachliteratur vertretene These, dass der Libertus (der römische Freigelassene) „einer absoluten Patronatsgewalt unterworfen gewesen“ sei. Waldstein führt, insbesondere in Vergleichen mit modernen Rechtsinstituten, immer wieder Regelungen an, die nach seinem Empfinden einen besonderen Schutzcharakter darstellen sollen. So wendet sich Waldstein mehrfach gegen die im Rahmen der Behandlung der operae von anderen Wissenschaftlern aufgestellte These, dass das römische Recht ein „Instrument der Unterwerfung“ gewesen sei. Dies begründet er vor allem mit einem Edikt des Rutilius Rufus.
Auch seien operae nicht Anzeichen des Patronatsverhältnisses, sondern würden sich erst aus dem Versprechen nach der Freilassung ergeben.
Einordnung Der Althistoriker Wilfried Nippel konstatiert, dass sich das Werk von den bisher veröffentlichten Werken unterscheide. Es sei eine „juristisch-dogmatische Untersuchung“.Wilfried Nippel: Operae libertorum. Untersuchungen zur Dienstpflicht freigelassener Sklaven by Wolfgang Waldstein. Er räumt ein, dass nur ein Spezialist sagen könnte, ob Waldstein „erhebliche Fortschritte gegenüber dem bisherigen Forschungsstand erzielt“ habe. Nichtsdestotrotz kommt er aber zum Ergebnis, dass das Werk „ein Standardwerk der rechtshistorischen Behandlung des Gegenstands“ sei.
In Bezug auf die von Waldstein aufgestellte These, dass eine „von der Stoa ausgehende, ‚humanitär-menschenrechtliche‘ Tendenz der Rechtsentwicklung“ durch die Ergebnisse der Quellenexegese gestützt sei, kritisiert Nippel, dass die Verbindung „zwischen den Einzelregelungen bezüglich der operae und der unterstellten Motivation nur konjektural“ darstellbar sei. Auch sagt Nippel, dass die von Waldstein dargestellte Quellenlage nicht belege, wie die tatsächliche Effektivität der Regelungen gewesen sei.
Auch der Historiker Thomas Wiedemann kritisiert in seiner Rezension des Werkes die Ausführungen Waldsteins zur möglichen stoischen Grundlage vieler Regelungen. Er sagt aber auch, dass viele Ausführungen Waldsteins insbesondere für Sozialhistoriker interessant seien. Als Beispiel nennt er hierfür die These Waldsteins, dass die operae kein Ausdruck einer vollkommen Unterwerfung unter die patria potestas seien.
Ausgabe
Wolfgang Waldstein: Operae libertorum. Untersuchungen zur Dienstpflicht freigelassener Sklaven. Steiner, Stuttgart 1986, ISBN 3-515-04699-2.
Rezensionen T. E. J. Wiedemann: The Duties of Freedman. Wolfgang Waldstein: Operae libertorum: Untersuchungen zur Dienstpflicht freigelassener Sklaven. (Forschungen zur antiken Sklaverei, 19). Pp. 467. Stuttgart: Franz Steiner, 1986. In: The Classical Review. Band 38, Nr. 2, 1988, S. 331–333. Jacques Annequin: Operae libertorum. Untersuchungen zur Dienstpflicht freigelassener Sklaven by Wolfgang Waldstein. In: Latomus. Band 48, Nr. 2, 1989, S. 463–465. Jean A. Straus: Operae libertorum. Untersuchungen zur Dienstpflicht freigelassener Sklaven by Wolfgang Waldstein. In: Revue historique de droit français et étranger. Band 67, Nr. 2, 1989, S. 291. Jean A. Straus: Operae libertorum. Untersuchungen zur Dienstpflicht freigelassener Sklaven by Wolfgang Waldstein. In: L’Antiquité classique. Band 59, 1990, S. 514–515. Wilfried Nippel: Operae libertorum. Untersuchungen zur Dienstpflicht freigelassener Sklaven by Wolfgang Waldstein. In Gnomon. Band 63, Heft 3, 1991, S. 230–233.
Anmerkungen
Kategorie:Geschichtswissenschaftliches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Römisches Recht Kategorie:Juristisches Fachbuch Kategorie:Sklaverei in der Antike