mini|Der Pfarrhof im Winter (Januar 2024), am linken Bildrand das ehemalige Wasch- und Backhaus, am rechten Bildrand die Pfarrscheune Der Evangelische Pfarrhof in Aldingen dient als Pfarrbüro sowie als Wohnsitz des für die Aldinger Margaretenkirche zuständigen Pfarrers der Evangelischen Kirchengemeinde Remseck am Neckar. Das Pfarrhaus wurde im Zuge der Einführung der Reformation in der Margaretenkirche in der zweiten Hälfte der 1560er Jahre errichtet und im Laufe des 18. Jahrhunderts zu einem barocken Pfarrhof ausgebaut.
Geschichte In den 1560er Jahren wurde die Ortsherrschaft in Aldingen von zwei getrennten Linien der Herren von Kaltental gemeinsam ausgeübt. Eine der beiden Linien folgte dem Druck aus Württemberg und trat zum evangelischen Glauben über, die andere Linie verblieb katholisch. Im Jahr 1565 kam es zu einem Kompromiss zwischen den beiden Linien, der eine paritätische Nutzung der Kirche durch beide Konfessionen vorsah. Diese Regelung wurde 1578 in der Aldinger Dorfordnung schriftlich festgehalten. Das bisherige Pfarrhaus, das sogenannte Pfaffenhaus, wurde zum Wohnsitz des katholischen Messpriesters. Daher wurde der Bau eines neuen Pfarrhofes für den evangelischen Gemeindepfarrer notwendig.
Infolgedessen erließ im Jahr 1557 der württembergische Herzog Christoph als Oberhaupt des Stuttgarter Stifts, welchem die Kirche formal gehörte, eine Anordnung zur Errichtung des Pfarrhauses für Wolfgang Regius, den ersten evangelischen Pfarrer Aldingens. Der Bau erfolgte abseits des Kirchhofes in der heutigen Kirchstraße 9. Im Laufe der Zeit, insbesondere im 18. Jahrhundert, kam es zu mehreren barocken Umbauten und Erweiterungen. Die Nutzung als Pfarrhof blieb bis heute ununterbrochen erhalten.
Anlage Die denkmalgeschützte Hofanlage besteht aus folgenden Gebäuden: Pfarrhaus: Im Kern 1568 erbaut, mit grundlegenden barocken Umbauten und Erweiterungen um 1742; zweigeschossiger, verputzter Bau mit Satteldach auf massivem Kellersockel; das Erdgeschoss ist massiv, darüber befindet sich Fachwerk; ein giebelseitiger Anbau mit Satteldach über einem kleineren Gewölbekeller; traufseitig befinden sich breite Rundbogenportale mit profiliertem Kämpfergesims; im Scheitel des Hauptportalbogens ist das württembergische Wappen, zwischen den Portalen eine Rundöffnung; die Eingangshalle weist mächtige hölzerne Pfeiler auf; im Anbau befindet sich eine Studierstube, einschließlich ortsfester Ausstattung wie Stuckelemente. Pfarrscheune: Errichtet 1734 nach Entwurf des Baumeisters Johann Ulrich Heim; Sichtfachwerkbau mit Krüppelwalmdach auf massivem Sockel und abgeschrägter Ostecke. Wasch- und Backhaus (heute Garage): Von 1591, weitgehender Neubau Mitte des 18. Jahrhunderts; eingeschossiger Sichtfachwerkbau mit Walmdach auf massivem Sockel. Ummauerter Pfarrgarten
Der Pfarrhof befindet ist umgeben von weiteren denkmalgeschützten Bauten, welche den historischen Ortskern Aldingens zwischen Margaretenkirche und Schloss Aldingen bilden. So befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft unter anderem das aus den 1550er Jahren stammende Doppelwohnhaus sowie die aus dem 18. Jahrhundert stammende und heute als Wohnhaus genutzte ehemalige Zehntscheuer des Stuttgarter Stifts. Ebenfalls in direkter Nachbarschaft befinden sich der in einer historischen einstigen Scheune untergebrachte evangelische Kindergarten sowie daran anschließend das moderne Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Aldingen.
Einzelnachweise
Kategorie:Bauwerk in Remseck am Neckar Kategorie:Kulturdenkmal in Remseck am Neckar Kategorie:Pfarrhaus in Baden-Württemberg Kategorie:Christentum im Landkreis Ludwigsburg Kategorie:Erbaut in den 1560er Jahren