Rudolf Zimmermann (* 16. April 1906 in Wilschdorf, Sachsen; † 20. Juli 1940 in Berlin-Plötzensee) war ein deutscher Serienmörder, der im Sommer 1940 vier Mädchen ermordete.
Leben Frühes Leben Rudolf Zimmermann wurde im April 1906 in Wilschdorf, einem kleinen Dorf nahe Dresden geboren; er wuchs als Sohn eines Schlossers in einfachen Verhältnissen heran. Nachdem er die Grundschule positiv abgeschlossen hatte, begann Zimmermann eine Lehre als Gärtner, doch er brach diese nach kurzer Zeit wieder ab.
Über die frühen Jahre im Leben von Rudolf Zimmermann wurde nur wenig bekannt. Bereits früh beging er erste kleinere Straftaten und wurde wegen schweren Diebstahls erstmals zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Zwischen 1923 und 1937 fand er sich mehrmals vor Gericht wieder, unter anderem wegen Diebstahls und Urkundenfälschung. Insgesamt saß er sieben Jahre seines Lebens als Erwachsener in Gefängnissen und Zuchthäusern. Ende der 1930er Jahre verhalf ihm sein Vater wieder einmal zu einer Arbeitsstelle. Auf einem Rittergut in Schlesien sollte Zimmermann eine Lehre als Melker absolvieren, doch erneut brach er die Ausbildung nach kurzer Zeit ab. Die Schwere der Arbeit, aber auch die strenge Disziplin wären nichts für ihn. In den kommenden beiden Jahren hielt er sich als Hilfs- und Landarbeiter überall im nationalsozialistischen Deutschen Reich finanziell über Wasser, überwiegend jedoch in Norddeutschland, wo er auch durch Einbrüche und Diebstähle seinen Lebensunterhalt aufbesserte.
Im Januar 1939 kam er nach Stralsund. Hier stahl er einem Mann namens Johannes Weser eine Invalidenkarte und fälschte sie, so dass er künftig als Johannes Weserberg auftrat. Mit der Karte suchte er das Arbeitsamt in Helmstedt auf und erhielt unter dem falschen Namen ein Arbeitsbuch. Mit diesem Dokument erhielt er eine Stelle als Obermelker auf einem Hof in Boostedt. Doch am 12. Mai 1940 brach er auch dieses Arbeitsverhältnis ab und fuhr nach Hamburg. Doch auch hier hielt er es nicht lange aus. Über einen kurzen Aufenthalt in Magdeburg erreichte er schließlich die Kleinstadt Aken. Unter dem Einfluss von Alkohol – er habe Bier, Wein und Schnaps in Unmengen genossen, so seine spätere Aussage – sei sein Sexualtrieb verstärkt worden. Dabei habe er jedoch bevorzugt Mädchen im Grundschulalter sexuell attraktiv gefunden, die er dank seiner freundlichen gewinnenden Art ansprechen und leicht beeinflussen konnte.
Erste Straftat Am 24. Mai 1940 spielte die neunjährige Annie Hellwig auf dem Marktplatz von Aken, als sie ein Mann ansprach. Er bat sie, seinen schweren Koffer zu tragen, und bot ihr eine Reichsmark als Gegenleistung an. Da der Mann gepflegt war und ein freundliches Auftreten hatte, willigte Annie Hellwig ein. Als Annie gegen 22:00 Uhr noch immer nicht nach Hause gekommen war, ging ihre Mutter zur Polizei und tätigte eine Vermisstenanzeige. Mit der Suche nach dem Kind wurde die Kriminalpolizeileitstelle in Magdeburg betraut. Die Suche durch Felder, Wiesen und Wälder wurde unterstützt durch Soldaten der Wehrmacht aus dem nahen Wehrmachtsstandort Dessau. Zusätzlich beteiligten sich Angehörige der Hitlerjugend, der SA sowie Freiwillige an der Suche nach dem Mädchen.
Erst am späten Nachmittag des 25. Mai 1940 meldeten sich Flößer eines Bootes, welches auf der Elbe fuhr, bei der Polizei. Auf der Höhe der Ortschaft Steckby hätten sie ein Mädchen am anderen Ufer gesehen. Die Suchmannschaften fuhren zur besagten Stelle und so konnte Annie Hellwig rasch lebend gefunden werden. Diese erzählte den Polizisten, sie habe einen Mann namens Hannes kennengelernt, der behauptet habe, er stamme aus Hannover, und mit dem sie mitgegangen sei. Er habe sie in eine kleine Höhle in einem Waldstück gebracht. Er habe danach mit ihr komische Dinge gemacht und die Nacht bei ihr verbracht. Am nächsten Tag hätte er sie allein in der Höhle zurückgelassen. Obwohl die Polizei intensiv nach dem Mann namens Hannes fahndete, blieb dieser verschwunden. Die Ermittler konnten lediglich herausfinden, dass Annie Hellwig von dem Fremden sexuell missbraucht worden war.
Mordserie Rudolf Zimmermann schlug rund zwei Wochen später, am 10. Juni 1940, erneut zu. Er war nach Prenzlau in der Uckermark gekommen. Hier spielte die sieben Jahre alte Inge Winkler auf dem Marktplatz der Kleinstadt, als sie ein Mann ansprach und mit der Aussicht auf Süßigkeiten lockte, mitzukommen. Obwohl ihr andere Kinder davon abrieten, folgte Inge Winkler dem Fremden. Vier Tage später, am 14. Juni 1940, machte ein Landarbeiter auf einem Roggenfeld in Blindow eine furchtbare Entdeckung. Vor ihm lag die entkleidete Leiche eines Mädchens, das als Inge Winkler identifiziert werden konnte. Sie war brutal gewürgt und postmortal sexuell missbraucht worden. Zeugen meldeten sich kurz darauf bei der Polizei, die angaben, am Tag von Inge Winklers Verschwinden einen Mann in Begleitung eines Mädchens gesehen zu haben. Dieser wurde als 30-jähriger Mann beschrieben, von kräftiger Statur, mit dunklem Gesicht. Bekleidet war er mit einem grünen Lodenanzug, hohen Schaftstiefeln und einem grünen Hut mit Gamsbart. Eine solche Kopfbedeckung war nur in Süddeutschland üblich. Zeugen gegenüber soll sich der Mann als Hans oder Hannes vorgestellt haben, der in der Landwirtschaft arbeiten solle.
Die Ermittlungen waren noch längst nicht abgeschlossen, als Zimmermann am 22. Juni 1940 in Rostock erneut ein Mädchen tötete. Die achtjährige Ingrid Karzek hatte um die Mittagszeit das Elternhaus verlassen, um in einem nahen Waldstück Kiefernzapfen zu sammeln. Sie wurde von Zeugen in Begleitung eines Mannes gesehen, doch schenkten diese der Beobachtung keine Bedeutung. Einen Tag später, am 23. Juni 1940, wurde Ingrids Leichnam in einem Wassergraben gefunden, nur einen Kilometer von ihrem Elternhaus entfernt. Sie war ebenfalls sexuell missbraucht worden. Da Wasser in ihrer Lunge gefunden werden konnte, gingen die Ermittler davon aus, sie sei mit dem Gesicht unter Wasser gedrückt worden und auf diese Weise ertrunken.
Erneut wurde der mögliche Täter als Mann mit gebräuntem Gesicht beschrieben, der mit einer zu großen blauen Jacke und dem markanten Hut mit Gamsbart unterwegs war. Die Polizeidienststellen von Prenzlau und Potsdam bündelten in Folge ihre Kräfte; Eltern minderjähriger Kinder wurden ersucht, diese nicht unbeaufsichtigt spielen zu lassen. Doch da die Medienberichte im Sommer 1940 propagandistisch von den Erfolgen der Wehrmacht an den verschiedenen Fronten dominiert waren, blieben solche Berichte meist nur Randnotiz.
Der nächste Schauplatz eines Verbrechens wurde Magdeburg-Friedrichstadt. Hier verschwand am 3. Juli 1940 die sechs Jahre alte Hildegard Michaelis, die zu Freundinnen spielen gehen wollte. Da die Polizei rasch verständigt wurde, konnten die Behörden rasch reagieren. Innerhalb kurzer Zeit wurde die bis dahin größte Suchaktion in der Geschichte Magdeburgs ins Leben gerufen, an der über 2500 Angehörige der Hitlerjugend und des Jungvolks sowie rund 500 Soldaten der Wehrmacht beteiligt waren. Die Stadtteile östlich der Elbe wurden dabei systematisch durchsucht. Augenzeugen konnten dabei unabhängig voneinander beobachten, wie gegen 15:15 Uhr ein Mann mit einem Mädchen in der Nähe der Mudra-Kaserne gesehen wurde. Gegen 18:30 Uhr wurden beide erneut gesehen, dieses Mal auf einem Feldweg bei Randau, im südöstlichen Teil von Magdeburg. Obwohl sämtlichen Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen wurde, blieben sowohl der Mann als auch Hildegard Michaelis verschwunden. Sie war das einzige Opfer der Mordserie, dessen Leichnam man nie finden konnte.
Am 5. Juli 1940, zwei Tage nach dem Verschwinden von Hildegard Michaelis, wurde in Matzelbach, einer kleinen Gemeinde im damaligen Reichsgau Sudetenland, 240 Kilometer von Magdeburg entfernt, wieder die Leiche eines Mädchens gefunden. Die achtjährige Marie Blatski lag nur mit einem Herrenhemd bekleidet in einem Gerstenfeld. Auch sie war sexuell missbraucht worden; danach wurde ihr der Hals mit einem Messer durchgeschnitten. Auch sie wurde in Begleitung eines Mannes gesehen, der mit einem dunklen Anzug, einem leichten Sommermantel und dem charakteristischen Hut mit Gamsbart bekleidet gewesen war. Er soll eine Aktentasche bei sich getragen haben und als Accessoire an der linken Hand zwei Ringe getragen haben. Zeugen und Einheimischen habe er sich als Vertreter einer Landmaschinenfabrik aus Hamburg vorgestellt. Auch erwähnte er, einige Zeit in Hannover gelebt zu haben.
Nach dem Mord an Marie Blatski wurde der Fall vom Reichssicherheitshauptamt übernommen; dessen Chef, Reinhard Heydrich, ordnete eine reichsweite Fahndung nach dem Triebtäter und vierfachen Mädchenmörder an.
Ergreifung und Prozess Rudolf Zimmermann beging Fehler, die seine Festnahme begünstigten. In der Nacht auf den 8. Juli 1940 brach er in Salzwedel in ein Bekleidungsgeschäft ein. Am kommenden Tag erschien er auf dem Gelände des Volkswagenwerks im Landkreis Gifhorn. Hier begann er die gestohlenen Kleider und Textilien zu verkaufen, ohne Entgegennahme der Reichskleiderkarte. Die Fabrikarbeiter wurden misstrauisch und verständigten daraufhin die Polizei. Wilhelm Wenzel, so sein Name im gefälschten Ausweis, den er bei sich trug, besaß keinen Gewerbeschein, um Kleidung verkaufen zu dürfen. Bei der Überprüfung der Textilien fand man heraus, dass es sich um die Diebesbeute aus dem Geschäft aus Salzwedel handelte. Im Besitz des Mannes wurde zudem ein Gepäckschein für einen Koffer gefunden, den der Mann am Bahnhof in Salzwedel gelagert hatte. Am nächsten Tag, so der Plan der Polizei, wollte man den Koffer holen, um mehr über den Dieb herauszufinden.
In der Nacht auf den 9. Juli 1940 gelang Zimmermann eine spektakuläre Flucht aus seiner Zelle. Mit einem Metallstück, welches er aus dem Schornsteinschacht reißen konnte, gelang es ihm, einen Gang unter der Schwelle der Zellentür zu graben und vorerst zu entkommen. Doch nur wenige Stunden später, als er am Bahnhof in Salzwedel zunächst eine Fahrkarte nach Magdeburg kaufen und den Koffer abholen wollte, wurde er von auf der Lauer liegenden Polizisten erneut verhaftet. Der Inhalt des Koffers war es, der Zimmermann zu Fall brachte. So wurden neben einem Arbeitsbuch mehrere Kleidungsstücke sichergestellt, die jenen ähnelten, die der Täter der Mordserie getragen hatte, darunter der markante Hut mit Gamsbart. Zudem befand sich ein blutgetränkter Rucksack im Inneren des Koffers.
Nach mehreren Stunden intensiven Verhörs auf der Polizeidienststelle in Magdeburg brach Rudolf Zimmermann zusammen und gestand jeden der vier Morde. So habe er die Mädchen mit Süßigkeiten angelockt; im Fall von Hildegard Michaelis verwendete er sogar einen Strauß roter Blumen, um ihre Zuneigung zu gewinnen. Ihren Leichnam, den man nie finden konnte, habe er in die Elbe geworfen. Die neunjährige Annie Hellwig habe nur deshalb überlebt, so seine Aussage, weil sie sich nicht gewehrt habe, als er sie sexuell missbrauchte.
Rudolf Zimmermann wurde kurz danach nach Berlin ins dortige Polizeipräsidium Alexanderplatz überstellt. Hier wurden in intensiven Verhören die Verbrechen und Morde rekonstruiert. Dabei wurde den Beamten rasch klar, dass Zimmermann keinen moralischen Kompass besaß und er aus einer Laune heraus Mädchen vergewaltigt und getötet hatte. Die Ermittler konnten zudem herausfinden, dass es ihm von Mal zu Mal leichter gefallen sei, seine Verbrechen zu begehen, und er weiter gemordet hätte, wenn sie ihn nicht gefangen hätten.