Kokuhō – Meister des Kabuki () ist ein japanischer Film von Lee Sang-il mit Ryō Yoshizawa aus dem Jahr 2025. Der Film wurde 2026 von Japan für den Oscar für den besten internationalen Film vorgeschlagen und für den Oscar für bestes Make-up und Frisuren nominiert. Ins deutsche Kino kam er am 26. März 2026.Eintrag in der Filmstart-Datenbank Allscreens.de
Handlung
Die Handlung reicht von 1964 bis 2014. Sie beginnt damit, dass der Vater des aus einer Yakuza-Familie stammenden vierzehnjährigen Kikuo vor seinen Augen in Nagasaki von konkurrierenden Yakuza ermordet wird. Nach einem fehlgeschlagenen Vergeltungsversuch begibt er sich nach Osaka in die Obhut des Kabuki-Meisters Hanjiro und schließt dort Freundschaft mit dessen Sohn Shunsuke. Hanjiro unterrichtet beide in der Kunst des traditionellen Kabuki-Theaters, wodurch die Freunde auch Rivalen werden. Shunsuke erweist sich dabei als der weniger ehrgeizige und weniger talentierte Schüler, während der die Rolle der Onnagata annehmende Kikuo Vorbehalte überwinden muss, da er nicht aus einer Kabuki-Dynastie stammt. Er muss deshalb auch auf zweifelhafte Mittel zurückgreifen, um sich in seiner Kunst zu behaupten.
Obwohl Kikuo der offizielle Nachfolger Hanjiros wird, als dieser sterbenskrank sein Erbe auf ihn und nicht auf seinen leiblichen Sohn überträgt, kann Kikuo sich nicht in der Welt des Kabuki-Theaters behaupten. Geerbte Schulden seines Meisters, ein Skandal mit einer unehelichen Tochter und seine Herkunft bewirken, dass er nur noch bei kleinen, privaten Veranstaltungen auftreten kann und dabei langsam verzweifelt, bis ihn der Sprecher eines alten, sterbenden Kabuki-Schauspielers zum erneuten Auftritt ins Theater einlädt. Mehrere Jahre arbeitet er an der Seite Shunsukes und die beiden finden zu ihrer alten Kameradschaft zurück. Jedoch setzt die starke Diabetes-Erkrankung Shunsukes ihren gemeinsamen Auftritten ein Ende, als sein einer Unterschenkel amputiert werden muss. Auf seine Bitte treten die Freunde noch ein letztes Mal in einem Stück zusammen auf, Shunsuke als Onnagata, Kikuo als sein Geliebter. Während der Vorführung realisiert Kikuo, dass die Krankheit seinen Freund bald das Leben kosten wird, denn er kann kaum seine Rolle zu Ende spielen.
Nach Shunsukes Tod wird Kikuo der unangefochtene Star des Kabuki-Theaters. Zeichen seines Könnens ist, dass er zum lebenden Nationalschatz (Kokuhō) erklärt wird. Auch seine uneheliche Tochter, die er bei einem Interviewtermin wiedertrifft, weil sie ihn fotografieren soll, erkennt trotz ihrer Vorbehalte ihm gegenüber seine Kunst an. Zu Ehren seines Freundes führt Kikuo in der letzten Filmszene die anspruchsvolle Rolle des Reihermädchens ( Sagi musume) auf.
Hintergrund
Kokuhō – Meister des Kabuki basiert auf einem Roman von Shūichi Yoshida.Ryan Swen: ‘Kokuho’ Review: A Hit in Its Home Country, Three-Hour Japanese Epic Illuminates the Highs and Lows of Kabuki Theater, Variety vom 22. September 2025 Nach Villain (2010) und Rage (2016) ist es Lee Sang-ils dritte Adaption von einem Werk dieses Autors.Elizabeth Kerr: ‘Kokuho’ review: Lee Sang-il’s propulsive, lavish drama is a window into the Japanese art of kabuki theatre, Screen Daily vom 15. Oktober 2025
Der Titel bezieht sich auf die offiziellen Nationalschätze Japans, einschließlich der lebenden Nationalschätze (ningen kokuhō), Künstler, die die Spitze ihrer Kunst darstellen.Matt Schley: 'Kokuho' illuminates the high price of becoming a national treasure, Japan Times vom 6. Juni 2025
Kokuhō – Meister des Kabuki feierte bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 2025 Premiere. In Japan, wo er im Juni 2025 in den Kinos anlief, war der Film ein Erfolg und spielte umgerechnet etwa 100 Millionen Dollar an den Kinokassen ein. Es war dort der kommerziell zweiterfolgreichste Film des Jahres.
Rezension
Für Ryan Swen in Variety nahm sich der fast dreistündige Film Zeit, um die fünfzig Jahre der Handlung darzustellen. Er sei dabei nicht zum geringsten Teil durch die ambivalente Sicht auf die Hauptfigur spannend. Kikuo sei bewusst etwas wie eine Chiffre. Einerseits ein Mann, der große Sorgfalt und Stolz auf seine Kunst habe, andererseits seien sein Selbstbewusstsein und sein Umgang mit Mitmenschen problematisch. Dies bekomme eine große Bedeutung für das Kernmysterium des Films, sobald Ryō Yoshizawa nach etwa vierzig Minuten die Rolle des Kikuo übernehme. Wenn nicht die starke Schminke die Identitäten von Kikuo und Shunsuke verwische umgebe ihn eine leichte Kühle. Der einunddreißigjährige Schauspieler erscheine mit zunehmendem Alter seltsam fremd in der vorgegebenen Welt seiner Kunstform, auch wenn er erfolgreich sei. Kikuo sei dabei in vielerlei Hinsicht eine Verkörperung seiner Artform im Nachkriegsjapan. Änderungen der Zeiten werden subtil mit Änderungen der Kostüme und des Bühnenbildes angedeutet. Um dies zum Leben zu erwecken, stütze sich Lee Sang-il auf ein Tandem von Totalen und Großaufnahmen. Die leuchtenden Farben von Sofian El Fanis Kamera bringe Yōhei Tanedas künstlerische Leitung und Kumiko Ogawas Kostüme zum Leben.
Für Sheri Linden im Hollywood Reporter vermische der Film durch die Doppelgeschichte zweier aufstrebender Schauspieler, einer hineingeboren in die Kabuki-Tradition, der andere ein Außenseiter, dazu entschlossen emporzusteigen, Backstage-Melodrama, Thronfolge-Saga mit Künstlererschaffungs-Dynamik. Sheri Linden: ‘Kokuho’ Review: Japan’s Oscar Submission Is a Stunning Tale of Art, Ambition and Bloodlines Set in the World of Kabuki, The Hollywood Reporter vom 29. Oktober 2025
Ehrungen Kyoko Toyokawa, Naomi Hibino und Tadashi Nishimatsu erhielten für ihre Arbeit an Kokuho eine Oscar-Nominierung 2026 in der Kategorie Make-up und Frisuren.Clare Lombardo/Beth Novey: See the full list of 2026 Oscar nominations, National Public Radio vom 22. Januar 2026
Kokuho – Meister des Kabuki wurde als japanischer Kandidat 2026 für den Oscar für den besten internationalen Film ausgewählt und wurde in die engere Auswahl (Short List) aufgenommen.Clayton Davis: Oscars Shortlists Announced in 12 Categories: ‘Sinners’ and ‘Wicked: For Good’ Lead, ‘Sirât’ Gets Strong Showing, Variety vom 16. Dezember 2025
Weblinks
Kokuho – Meister des Kabuki beim deutschen Verleih 24 Bilder
Einzelnachweise
Kategorie:Japanischer Film Kategorie:Filmtitel 2025 Kategorie:Historienfilm Kategorie:Filmdrama Kategorie:Literaturverfilmung