mini|hochkant|Epitaph des Johann Michael Kriener an der Friedhofskirche St. Patricius in Wettenhausen Johann Michael Kriener, ursprünglich Nicolaus Kriener (* 5. Dezember 1759 in Rommelsried; † 15. Mai 1818 in Wettenhausen), war ein deutscher, römisch-katholischer Stiftherr, Pfarrer und Komponist.

Leben Kriener war der Sohn des zu einem kleinen Wohlstand gekommenen Krämers Johann Michael Kriener und dessen Ehefrau Anna, geborene Mayr. Er wuchs in Rommelsried und Agawang auf und besuchte die Schule in Augsburg. Die Profess legte er 1780 im Reichsstift der Augustiner-Chorherren ab und wurde am 21. Mai 1785 zum Priester geweiht. Ab 1787 wurde er als Pfarrvikar der weltlich und geistlich dem Chorherrenstift unterstehenden Pfarrei Ebersbach, dann ab 1790 der Pfarrei Wettenhausen tätig. Nachdem im Rahmen der Säkularisation das Chorherrenstift aufgelöst worden war, erfüllte Kriener seine seelsorgerischen Aufgaben weiter. Seiten unpaginiert, lfd. Nr. 42 des Textes Erst am 28. Januar 1805 wurde er offiziell zum Pfarrer der Pfarrei Wettenhausen mit der Filiale Hammerstetten bestellt. Dort machte er sich einen Namen als Organist, Sänger und Dirigent des Kirchenchores. Überregional erlangte er Bedeutung als Komponist sakraler Musik.

Musik Sakrale Musik Krieners Schaffen ist stark von der schwäbisch-bayerischen Kirchenmusiktradition geprägt, die zeitlich mit der Wiener Klassik korrespondiert. Seine sakralen Werke waren im 19. Jahrhundert sehr beliebt, wie die Vielzahl der Abschriften deutlich machen, die sich noch heute in ganz Bayern und dem angrenzenden Österreich nachweisen lassen. Seine Autographen sind hingegen verschollen. Die ursprüngliche Musiksprache und genaue Instrumentierung sind daher heute nur schwer zu rekonstruieren. Sein Werk wurde über Jahrzehnte nicht als klassische Komponistenliteratur wahrgenommen, sondern eher als Notenmaterial für den praktischen Kirchengebrauch. Profane Musik Auch als Komponist von Unterhaltungsmusik versuchte sich Kriener. Anlässlich der Eröffnung des neuen Bürgertheaters in Günzburg am 12. Oktober schrieb er die Musik zu einem Prolog und ein musikalisches Vorspiel zu dem am selben Tag aufgeführten Schauspiel Johanna von Montfaucon.StadtA GZ 313/01StadtA GZ 313/02

Epitaph An der Außenwand der römisch-katholischen Friedhofskirche St. Patricius in Wettenhausen erinnert ein rechts des Haupteingangs angebrachtes Epitaph mit Kelchsymbol in einer Vignette an Kriener.

Werke (Auswahl) Missa in C-Dur Missa in C-Moll Missa in D-Moll Missa in Es-Dur Missa in F-Dur Missa in G-Dur Missa solemnis in B-Dur Missa solemnis in D-Dur Requiem in Es-Dur Vesper in B-Dur Vesper in D-Dur

Veröffentlichungen Johann Michael Kriener (Komp.), Friedrich Kempter (Bearb.): Sechs Messen. Augsburg Johann Michael Kriener (Komp.) / Friedrich Kempter (Bearb.): Deutsche Messen. No. 1, 2. In: Siona. Auswahl einstimmiger Gesänge (lateinischer u. deutscher Texte) für den Gottesdienst in den katholischen Kirchen mit leichter Orgelbegleitung von anerkannt guten Komponisten der Neuzeit. Augsburg Johann Michael Kriener (Komp.), Friedrich Kempter (Bearb.): Deutsche Messen. No. 3, 4. In: Siona. Auswahl einstimmiger Gesänge (lateinischer u. deutscher Texte) für den Gottesdienst in den katholischen Kirchen mit leichter Orgelbegleitung von anerkannt guten Komponisten der Neuzeit. Augsburg Johann Michael Kriener (Komp.), Friedrich Kempter (Bearb.): Deutsche Messen. No. 5, 6. In: Siona. Auswahl einstimmiger Gesänge (lateinischer u. deutscher Texte) für den Gottesdienst in den katholischen Kirchen mit leichter Orgelbegleitung von anerkannt guten Komponisten der Neuzeit. Augsburg

Literatur Pius Gams, Otto Rieder: Die in den ständigen Klöstern des Kreises Schwaben und Neuburg und ein paar anderen bei ihrer Aufhebung (in den Jahren 1803 und 1806) vorhandenen Mönche. In: Kollektaneen-Blatt für die Geschichte Bayerns. Neuburg 1882. 46. Jg., S. 102 Pius Gams, Otto Rieder: Die 45 s. g. ständigen schwäbischen Klöster in den heutigen Ländern Bayern, Württemberg und Baden bis 1802. Kloster-Nekrologien. In: Diözesan-Archiv von Schwaben. Blätter für kirchengeschichtliche Mittheilungen und Studien aus Schwaben. Regelmäßige Beilage zum Pastoralblatt der Diözese Rottenburg. Stuttgart 1885. 2. Jg., S. 80 Franz Seraphin Mayer: Die letzten Augustiner in Wettenhausen. In: Schwäbische Heimat. Zwanglos erscheinende Blätter aus der Geschichte des Donau-, Günz- und Mindel-Gaues. Günzburg 1926. Nr. 25, unpaginiert, lfd. Nr. 42 innerhalb des Artikels Nicole Schwindt-Gross: Die Musikhandschriften der Stiftskirche Altötting, des Kollegiatstifts Landshut und der Pfarrkirchen Beuerberg, Schnaitsee, St. Mang in Füssen. Thematischer Katalog. Kataloge Bayerischer Musiksammlungen Bd. 18. München 1993, ISBN 3-87328-071-X, S. XXIX und XXXVI.

Weblinks Nikolaus Michael Grüner in Oberdeutsche Personendatenbank Johann Michael Kriener in Bayerisches Musiker-Lexikon, hrsg. von Josef Focht Johann Michael Kriener in Deutsche Biographie Johann Michael Kriener in Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek Johann Michael Kriener in WorlCat Johann Michael Kriener im Katalog der Universitätsbibliothek der Eberhard Karls Universität Tübingen Musikhandschriften der Werke von Johann Michael Kriener in RISM Catalog

Einzelnachweise

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