Annie Barnes, geborene Cappuccio (* 6. Dezember 1886 in Limehouse, London; † 22. Februar 1982 in East Ham, London) war eine italienisch-stämmige englisch-britische Sozialistin und Suffragette.
Leben Barnes war das älteste der zwölf Kinder von Lorenzo Cappuccio (ca. 1868–1935) und seiner Ehefrau Antonietta (ca. 1865–1910). Ihre Geburt wurde nicht registriert, ebenso wenig wie die aller ihrer Geschwister bis zu der ihrer jüngsten Schwester im Jahr 1909. Ihr Vater war ein Einwanderer aus Italien, obwohl Barnes in ihren Memoiren nichts von einer italienischen Herkunft erwähnt. Sie erwähnt, dass ihre Mutter aus Süd-London stammte; es gibt keine Aufzeichnungen, dass ihre Eltern in England geheiratet hätten. Der Vater hatte einen Süßwaren-, Obst- und Gemüseladen in Stepney. Barnes konnte die Ben Jonson School in Stepney besuchen, bis sie 1902 aufgrund der Erkrankung ihrer Mutter die Schule verlassen musste. Sie arbeitete zu Hause, bediente im Laden und kümmerte sich um ihre Geschwister und die Mutter, bis diese starb.
Barnes erlebte eine Suffragetten-Demonstration im Juli 1909 vor der Edinburgh Castle Hall in Limehouse, darunter Mary Leigh, Mabel Capper und Sarah Jane Baines, die versuchten, eine Veranstaltung von David Lloyd George zu betreten. Sie beschrieb es als „regelrechten Aufruhr“ (real to-do), einschließlich eines Polizisten, der kopfüber von einem Pferd in einen Wasserbottich fiel, sehr zur Belustigung der Menge, und dann einer Frau im Rollstuhl, möglicherweise Rosa May Billinghurst, die das Pferd angefasst hatte und die mit dem Wagen zu einer Polizeistation abtransportiert wurde. Barnes und ihre Mutter erlebten ebenfalls, wie vier Suffragetten-Rednerinnen gegen die Ausbeutung von Arbeiterinnen sprachen und von Männern aus der Menge mit „wash [your] dirty kids. You women are inferior to men anyway“ beschimpft wurden. Barnes bewunderte die Erwiderung einer Rednerin: „How can an inferior give birth to a superior?“ und fühlte sich dadurch zum Beitritt zur Bewegung hingezogen. Sylvia Pankhurst überzeugte sie 1913, der neben dem Frauenwahlrecht auch auf sozialistische Themen eingehende East London Federation of Suffragettes (ELFS) beizutreten.
Am 8. April 1913 begab Barnes sich zusammen mit Ethel Spark und Gertrude Metcalfe-Shaw auf die Spitze des Monument to the Great Fire of London und warf Flugblätter mit der Aufschrift „Votes for Women“ hinab. The Times und Daily Mirror druckten am folgenden Tag Fotos einer großen Menschenmenge, die sich versammelt hatte, um zuzusehen, darunter auch Männer vom nahegelegenen Billingsgate Fish Market. Barnes kehrte dann um und überzeugte die wartenden Polizisten, dass sie die 311 Stufen im Inneren nicht hinaufgestiegen sein konnte und nur ein Stück hochgegangen und dann zurückgekehrt sei. Spark und Metcalfe-Shaw hängten noch eine violett‑weiß‑grüne Fahne sowie ein schwarzes Banner mit der Aufschrift „Death or Victory“ von der Spitze herab und wurden verhaftet, später jedoch wieder freigelassen.
Barnes war eine begeisterte Unterstützerin des Frauenwahlrechts, aber sie vermied es, sich an irgendeinem Protest zu beteiligen, der zu einer Haftstrafe führen konnte. Barnes genoss die vielen Wahlrechtsversammlungen, und sie bewunderte Pankhursts Führungsstärke. Sie weigerte sich, in die Houses of Parliament geschmuggelt zu werden, um Mehl auf den Kopf des Premierministers fallen zu lassen, aber später ließ sie Flugblätter von der London Bridge fliegen. Sie wurde von der Polizei aufgehalten, konnte aber erneut eine Festnahme abwenden.
Sie heiratete Albert Barnes im Jahr 1919. Sie hatten keine eigenen Kinder, kümmerten sich jedoch um Annies jüngere Geschwister, nachdem der Vater erneut geheiratet hatte. Sie war später schockiert über Pankhursts Missachtung der Ehe. Pankhurst wurde Kommunistin, aber Barnes schloss sich dem Sozialismus an, der durch Labour vertreten wurde. Sie blieb aber weiterhin mit Pankhurst in Kontakt, bis diese 1955 nach Äthiopien emigrierte.
Barnes wurde als Labour Party-Mitglied des Stepney Metropolitan Borough Council von 1934 bis 1937, und erneut von 1941 bis 1949. 1938 trat sie der Charity Organization Society bei, die sich um die Armen kümmerte, aber einen schlechten Ruf hatte. Auf ihren Rat hin änderte die Organisation ihren Namen, um das Wort „Charity“ zu entfernen, das den unterstützten Armen unrecht tat.
Sie und ihr Ehemann wurden während des Zweiten Weltkriegs ausgebombt und lebten eine Zeit lang in Toynbee Hall.
Der Historiker Brian Harrison führte zwei Oral-History-Interview mit Barnes im Rahmen des Suffrage-Interviews-Projekts Oral evidence on the suffragette and suffragist movements: the Brian Harrison interviews. Sie wurden im November und Dezember 1974 aufgenommen. Barnes berichtet ausführlich über Sylvia Pankhurst und ihre Arbeit für die Labour Party.
Barnes starb am 1982 in East Ham, London.
Ihre Zeugnisse zu ihrem Leben dienten teilweise als Inspiration für den Film Suffragette – Taten statt Worte von Sarah Gavron aus dem Jahr 2015.
Einzelnachweise
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