mini|Wolverhampton Art Gallery mini|Eingang Die Wolverhampton Art Gallery ist ein Kunstmuseum in Wolverhampton in den West Midlands in England. Es gehört zu Wolverhampton Arts and Heritage, dem städtischen Verbund für Museen, Galerien und Archive, zu dem unter anderem auch das Bantock House und die Bilston Craft Gallery zählen. Das Museum befindet sich an der Lichfield Street im Stadtzentrum und beherbergt eine bedeutende Sammlung von Kunstwerken aus dem 17. bis 20. Jahrhundert.
Geschichte Die Wolverhampton Art Gallery wurde im Mai 1884 eröffnet. Der Bau und die Finanzierung wurden vom örtlichen Bauunternehmer Philip Horsman (1825–1890) übernommen. Das Grundstück für das Gebäude stellte die Stadtverwaltung zur Verfügung. Anlässlich der Eröffnung fand im Jahr 1884 eine große Ausstellung der Künste und Manufakturen in einem temporären Gebäude auf dem Gelände des späteren Großmarkts statt. Dieses war durch einen überdachten Gang mit der Kunstgalerie verbunden. Die Kunstgalerie war jedoch nicht eigens für diese Ausstellung errichtet worden, sondern als dauerhafte kulturelle Einrichtung für die Stadt konzipiert.
Die Grundlage der Sammlung bildeten Schenkungen, die bei oder kurz nach der Eröffnung des Gebäudes gemacht wurden. Sidney Cartwright, Philip Horsman, Paul Lutz, James Beattie und andere stifteten insgesamt etwa 50 Gemälde. Die Gebrüder Jones gaben zusätzlich 1000 Pfund für Neuerwerbungen. Diese Mäzene sammelten vorwiegend zeitgenössische und britische Kunst des frühen 19. Jahrhunderts. Daher sind die Bestände der Galerie bis heute besonders stark mit Kunstwerken aus der viktorianischen Periode vertreten. Einige Jahre später vermachte Marie Christian Cartwright die Sammlung, die sie und ihr Ehemann Sidney über die Jahre zusammengetragen hatten. Sie umfasste etwa 275 Gemälde und wurde damals auf 17.000 Pfund Sterling geschätzt – weit mehr als die Baukosten des Gebäudes. mini|William J. Pringle (c.1805–1860): High Green, Wolverhampton In den 1920er- bis 1950er-Jahren wurde der Galerie eine große Anzahl von Kunstwerken von dem Waliser Künstler Frank Brangwyn (1867–1956) geschenkt. Diese Werke stammten sowohl vom Künstler selbst als auch von seinem Freund Matthew Biggar Walker (1873–1950), der Mitglied des Ausschusses der Wolverhampton Art Gallery und Public Library war. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche Objekte ostasiatischer angewandter Kunst sowie britische und ostasiatische Keramiken und Gläser von Mitgliedern der einflussreichen Familie Bantock und weiteren Sammlern gestiftet. Im Jahr 1924 wurde zudem eine bedeutende Sammlung ostasiatischer Waffen erworben.
Im Zuge der Umstrukturierung der Museumsdienste in der Region wurden in den 1990er Jahren die Kunst- und Lokalgeschichtssammlungen des Bilston Museum and Art Gallery, das heute Bilston Craft Gallery heißt, nach Wolverhampton überführt. Unter anderem gelangten Kunstwerke des Malers Edwin Butler Bayliss (1874–1950) in das Museum.
Von 2000 bis 2005 war die Wolverhampton Art Gallery Teil eines nationalen Sammlungsprogramms, das durch die Arts Lottery finanziert und von der Contemporary Art Society verwaltet wurde. Im Rahmen dieses Programms konnte die zeitgenössische Sammlung erweitert werden. So wurden Arbeiten zeitgenössischer Künstler wie Richard Billingham, Helen Chadwick, Tom Hunter und Gillian Wearing der Sammlung hinzugefügt.
Architektur Die zweistöckige Wolverhampton Art Gallery wurde vom Birminghamer Architekten Julius Chatwin entworfen. Sie wurde aus Bath Stone, einem Kalkstein aus Bath in Somerset, errichtet. Das Gebäude ist im neoklassizistischen Stil mit dorischen und ionischen Säulen gestaltet. Sechs rote Granitsäulen markieren den Haupteingang. Der dekorative Fries an der Fassade besteht aus 16 Skulpturen, die verschiedene Künste und Handwerke wie Bildhauerei, Malerei, Architektur, Töpferei, Glasbläserei und Schmiedeeisenarbeiten darstellen. Das obere Stockwerk ist mit Tafeln aus Portland-Stein verziert, die von Boulton aus Cheshire gestaltet wurden. Das rote Backsteingebäude, in dem sich früher die Kunstschule befand und das mit der Galerie verbunden ist, wurde zu einem späteren Zeitpunkt hinzugefügt. Das Gebäude ist als „Grade II* listed building“ eingestuft. Die Einstufung erfolgte am 12. Februar 1975.
In den Jahren 2006 bis 2007 wurde es von der Architekturfirma Purcell saniert, teilweise modernisiert und um zusätzliche Ausstellungsräume erweitert. Der entsprechende Entwurf stammte von Niall Phillips und wurde 2007 umgesetzt. Das Projekt kostete 10,6 Millionen Pfund und verdoppelte die Ausstellungsfläche. Die dreistöckige, dreieckige Erweiterung entstand auf einem Gelände zwischen zwei bestehenden Gebäuden unterschiedlichen Typs. Der neue Flügel beherbergt zwei große Kunstgalerien, eine Skulpturengalerie sowie ein Lern- und Medienzentrum. Das Erdgeschoss ist der Pop-Art gewidmet, das Obergeschoss dient Wanderausstellungen. Die Erweiterung bildet das Herzstück der beiden denkmalgeschützten Gebäude und schafft einen neuen Eingang mit Blick auf den gegenüberliegenden Universitätscampus. Die moderne Galerie verbindet die ursprünglichen Gebäude mit der zeitgenössischen Erweiterung aus Glas, Stahl und Terrakotta.
Sammlung Der Sammlungsbestand der Galerie umfasste bis 2009 etwa 12.000 Objekte, darunter Ölgemälde und Arbeiten auf Papier aus dem 17. bis 20. Jahrhundert, eine Sammlung ostasiatischer Objekte angewandter Kunst – darunter Japanwaren, Emaillen, Keramiken und Glas –, Puppen, Spielzeug sowie lokalgeschichtliche Objekte. Auch die geologische Spezialsammlung von John Fraser wurde in der Galerie aufbewahrt. Diese Sammlungen repräsentieren Gewerbe und Manufakturen, für die Wolverhampton im 18. und 19. Jahrhundert berühmt war. Wolverhampton und Bilston waren wichtige Zentren für die Herstellung von Japanwaren. In Handelsverzeichnissen aus dem Jahr 1818 sind 20 Lackierfirmen in Wolverhampton und 15 in Bilston aufgeführt. In Wolverhampton erstreckte sich die Produktion von Japanwaren von den 1760er Jahren, in denen eine Fabrik im Old Hall Works gegründet wurde, bis in die 1920er Jahre, in denen Henry Loveridges Merridale-Werk die Produktion einstellte. Die Galerie besitzt eine der besten Sammlungen englischer bemalter Emaillen, von denen die Mehrheit lokal hergestellt wurde. Zwischen 1929 und 1934 schenkte Kate Bantock fast hundert Emaillen der Sammlung. 1937 unterstützte Gerald Mander den Kauf der Egan-Mew-Collection finanziell. Mew war einer der ersten ernsthaften Sammler englischer Emaillen.
Die Sammlungspolitik der 1970er Jahre erweiterte den Bestand um eine Reihe hochwertiger Kunstwerke führender britischer Künstler der georgianischen Epoche des 18. Jahrhunderts. Zu den Gemälden aus dem 18. Jahrhundert in der Sammlung zählen das Porträt der Familie Lee von Joseph Highmore, Die provozierte Ehefrau von Johann Zoffany, das 1792 entstandene Porträt Erasmus Darwins von Joseph Wright of Derby, die Apotheose der Penelope Boothby von Henry Fuseli sowie Ankunft Ludwigs XVIII. in Calais des in Wolverhampton geborenen Edward Bird. Außerdem sind Porträtminiaturen, Bilston-Emaillen mit Darstellungen berühmter Schauspieler der Epoche sowie einige Beispiele ostasiatischer und britischer Keramiken ausgestellt.
In den beiden viktorianischen Sälen wird britische Kunst des 19. Jahrhunderts präsentiert. Zu sehen sind unter anderem Landschaften von Henry Mark Anthony, David Cox, James Baker Pyne und David Roberts, Gemälde von Künstlern der Cranbrook Colony sowie religiöse Gemälde des Präraffaeliten Frederic Shields. Die Galerie verfügt zudem über umfangreiche Bestände an Kunstwerken lokaler Künstler wie John Fullwood (1854–1931), Joseph Vickers de Ville (1856–1925), George Phoenix (1863–1935) und Alfred Egerton Cooper (1883–1974).
Darüber hinaus verfügt das Museum über eine Sammlung von 114 historischen Tsuba aus Japan. Die Objekte reichen von der Momoyama-Periode im 16. Jahrhundert bis zum Ende der Edo-Periode im 19. Jahrhundert. Die Tsuba waren Teil einer größeren Sammlung von Waffen und Schwertscheiden, die im Oktober 1924 von Stadtrat Davis Green gestiftet wurde.
Die Wolverhampton Art Gallery sammelt seit den späten 1960er-Jahren Pop Art. Die Präsentationen der Pop Art Sammlung wechselt etwa alle sechs Monate, um verschiedene Themen der Pop-Art-Bewegung zu zeigen. Ausgestellt werden Werke einflussreicher Pop-Art-Künstler wie Andy Warhol, Peter Blake, Roy Lichtenstein, David Hockney, Clive Barker, Eduardo Paolozzi und Derek Boshier. Die Pop-Art-Bestände gehören zu den besten im Vereinigten Königreich und umfassen auch ein seltenes Werk von Ian Drury. Der Punk-New-Wave-Sänger war Schüler von Peter Blake am Royal College of Art.
Die Contemporary Art Society bereicherte die Sammlung moderner britischer Kunst mit Werken von Tom Monnington sowie mit einem surrealistischen Bild von Thomas Lowinsky aus der Sir Kenneth Clark-Schenkung von 1946.
Ein besonderes Merkmal der Galerie ist ihre Sammlung von Kunstwerken, die die Zeit der „The Troubles“ in Nordirland dokumentieren und analysieren. Seit den 1980er Jahren konzentriert sich die Wolverhampton Art Gallery darauf, Werke nordirischer Künstler zu sammeln, die sich mit der politischen Situation des Landes auseinandersetzen. Die permanente Ausstellung der Nordirland-Sammlung beleuchtet die Rolle visueller Künstler bei der Darstellung und Präsentation der umstrittenen Vergangenheit und Zukunft des Landes. Zu sehen sind unter anderem Werke von Willie Doherty, Jock McFadyen, Rita Duffy, John Keane, Siobhán Hapaska, Robert Priseman, Paul Graham und Anthony Davies.
Besondere Kunstwerke mini|Abraham Janssens: Peace and plenty (1614) Ein bedeutendes Kunstwerk in der Sammlung ist das großformatige Gemälde Peace and plenty (Frieden und Wohlstand fesseln die Pfeile des Krieges) des flämischen Barockmalers Abraham Janssens van Nuyssen. Das Gemälde wurde von der Antwerpener Gilde Oude Voetboog in Janssens’ Heimatstadt Antwerpen, in Auftrag gegeben. Ursprünglich hing es über einem Kaminsims im Versammlungsraum der Gilde in einem Gebäude, auf dem Grote Markt im Zentrum der Altstadt. Es wurde im Jahr 1614 gemalt, im selben Jahr wie das Gemälde Die Krönung des Siegers von Peter Paul Rubens, das ursprünglich gegenüber hing und sich heute in der Gemäldegalerie in Kassel befindet. Im 19. Jahrhundert wurden die Gilden der Stadt aufgelöst und ihre Schätze zerstreut. Janssens Bild gelangte schließlich zu einer Mrs. Thornley aus Birmingham. Im Jahr 1885 verkaufte diese es an die Wolverhampton Art Gallery. Es ist das einzige Gemälde Abraham Janssens in einer britischen öffentlichen Sammlung und ist eines der bedeutendsten Barockgemälde Großbritanniens. mini|Marianne Stokes (1855–1927): Madonna and Child Ein weiteres bemerkenswertes Werk ist die Madonna and Child von Marianne Stokes, die 2005 von der Royal Mail als Briefmarke verwendet wurde. Literatur
Yvonne M. Jones: Georgian and Victorian Japanned Wares of the West Midlands. Wolverhampton Art Gallery and Museums, 1982. Mary S. Morris: A catalogue of English painted enamels, 18th and 19th century, in the Wolverhampton & Bilston collections. 1973.
Weblinks
Website der Institution ArtUK Madonna and Child, Marianne Stokes (1855–1927) City of Wolverhampton Council Historic West Midlands Guide: Wolverhampton Art Gallery Contemporary Art Society: Wolverhampton Art Gallery Andrew Graham-Dixon: Peace and Plenty Binding the Arrows of War by Abraham Janssen. Wolverhampton Arts & Culture: Pop Art Wolverhampton Arts & Culture: The Permanent Displays at Wolverhampton Art Gallery
Einzelnachweise
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