mini|Bauernhaus in Tokamachi Karl Bengs (* 1942 in BerlinKarl Bengs: Keeping Memories Alive nippon.com, abgerufen am 16. Februar 2026) ist ein deutscher Architekt, der durch die Wiederbelebung alter traditioneller japanischer Bauernhäuser (jap. Kominka, deutsch: altes Landhaus) Bekanntheit in Japan erlangte und dafür mit dem großen Preis der Auszeichnungen des Premierministers für Stadtentwicklung geehrt wurde.

Werk Landflucht und die schnell alternden GesellschaftJapanische Häuser werden immer beliebter, Artikel aus der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 19. November 2023, abgerufen am 2. Februar 2026 sorgen für viele leerstehende alte japanische Häuser. Die Häuser erinnern auf den ersten Blick an deutsche Fachwerkhäuser.Deutscher Architekt renoviert Minkas, Artikel auf deutschland.de vom 26. März 2014, abgerufen am 9. Februar 2026 In der Bevölkerung haben sie kein hohes Ansehen, gelten als Schrott, ärmlich, unbequem und unzivilisiert, obwohl sie meist sehr stabil gebaut sind. Karl Bengs sieht großes Potential in alten Häusern, bedauert aber, dass Architekturstudenten des Landes die alte Baukunst nicht studieren können.Japaner entdecken ihre alten Landhäuser, Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 25. Juli 2022, abgerufen am 9. Februar 2026 Das Wissen über die alte Architektur und den Wiederaufbau alter Landhäuser ging in der japanischen Gesellschaft verloren. Im Retten und Wiederbeleben der alten Gebäude sieht Bengs einen wertvoller Aspekt für die Gesellschaft.Karl Bengs Webseite (englisch), abgerufen am 9. Februar 2026 Über die Jahre wurde Karl Bengs so zur führenden Instanz beim Fortschritt in der Rettung traditioneller japanischer Häuser und hat nebenbei dafür gesorgt, dass fast ausgestorbene Bergdörfer vor der Auslöschung bewahrt wurden.“Cool Traditions” Stay in Tune with Modern Life (englisch), aus dem Japanischen Original von Kawakatsu Miki, veröffentlicht in nippon.com am 10. November 2017.

Architekturstil von Karl Bengs Karl Bengs wählt Häuser aus, die noch eine intakte und stabile Balkenstruktur im Inneren haben. Das Haus wird zunächst bis auf die tragenden Balken abgetragen. Dazu braucht es Wissen und Können der Handwerker für die alten Zimmermannstechniken. Häuser werden auf ein deutlich höheres Fundament gesetzt und die tragenden Balken fest verbunden; damit ist das neue Fundament deutlich widerstandsfähiger gegen Erdbeben und Feuchtigkeit und die Häuser können so weitere 100-200 Jahre halten.Webseite von Karl Bengs über die Häuser der Stadt Shimomaki (englisch), abgerufen am 11. Februar 2026. Die stabilen Balkenstrukturen sind modernen Stahlkonstruktionen ebenbürtig, was Erdbeben oder Schneelast angeht, weil die Häuser in Niigata genau darauf ausgelegt sind und die ineinandergesteckten Balken flexibel auf Bewegungen reagieren können.Deutscher Architekt gibt verlassenen Landhäusern ein neues Leben, Artikel in Japan-Kominka-Rescue, abgerufen am 10. Februar 2026 Das Rahmenwerk aus Holz bleibt erhalten, ebenfalls Steckverbindungen und Materialien, jedoch fließen moderne Elemente ein, wie Isolation, Heizung und moderne Küchen und Bäder. Japanische und westliche Elemente verschmelzen. Die Fenster und Rahmen lässt Bengs aus Deutschland kommen. Einige Häuser haben eine Fußbodenheizung. Aber er möchte den Charakter der Häuser und die ursprüngliche Architektur bewahren und damit gezielt ländliche Gebiete in entvölkerten Dörfern wieder zum Leben erwecken. „Städte ohne alte Häuser sind wie Menschen ohne Gedächtnis“, das Zitat von Higashiyama Kaii ist Bengs’ Motto.Über die Häuser von Karl Bengs, Young Germany, Juli 2017, abgerufen am 10. Februar 2026 Bengs sagt selbst, dass ihm diese alten Häuser leid tun und es ihm vor allem um den Erhalt der alten Strukturen geht. mini| Bauernhaus in Tokamachi

Taketokoro Die restaurierten Häuser haben dem Dorf zu einem unerwarteten Zustrom an Interessenten verholfen. Karl Bengs hat den kulturellen Wert dieser Häuser erkannt und im Dorf Takedokoro bereits jedes vierte Haus mit deutschen Materialien und Techniken renoviert. Seit dem ersten Haus sind in Taketokoro elf weitere Häuser hinzugekommen, die von seiner Firma renoviert wurden. Doch nur Menschen, die dauerhaft in dem Ort leben möchten, bekommen den Zuschlag. Ferienhäuser lehnt er ab. Seit seinem Engagement haben sich die Einwohnerzahlen nahezu verdoppelt: von 19 Personen in 9 Haushalten auf 34 Personen in 11 Haushalten. Bengs wurde sogar zwischenzeitlich zum Bürgermeister (, Kuchō) des Ortes gewählt.

Shimomaki Das Dorf Shimomaki liegt im Akizaki-Bezirk der Stadt Jōetsu in der Präfektur Niigata direkt am Fuß des Berges Yoneyama und lockt jedes Jahr etwa 20.000 Bergsteiger an.Über das Haus Kubo (englisch), abgerufen am 10. Februar 2026 Die Balken dieser Häuser wurden abgebaut und angeflammt. Hinzu kommen deutsche Holzfenster mit Schiebeflügeln und eine Fußbodenheizung. Hier entstand zuerst das Haus Inaba und 2025 dann das Haus Kubo.

Matsudai Die Büroräume der Firma Karl Bengs & Associates, Ltd. befinden sich in Matsudai in einem renovierten traditionellen japanischen Hotel (jap. Ryokan) aus dem Jahr 1905, in dem sich außerdem ein Café im Erdgeschoss befindet, das für Kunstausstellungen und musikalische Aufführungen genutzt wird.

Privatleben und Werdegang mini|Nō-Bühne im Samurai Museum Berlin Karl Bengs wuchs ohne seinen Vater auf, der einen Monat vor der Geburt im Zweiten Weltkrieg verstarb. Karl Bengs Vater hatte an der Restaurierung von Fresken und Möbeln gearbeitet. Karl Bengs las in den Büchern, die sein Vater ihm hinterlassen hatte, und begeisterte sich fortan für die japanische Kultur. Vor allem das Buch des Architekten Bruno Taut über die Baukunst alter Häuser hatte es ihm angetan. Während seiner Tätigkeit in einem Architekturbüro in Berlin und Paris studierte er die Restaurierung von Gebäuden und Möbeln.Kinokuniya (japanisch) über den Autoren Karl Bengs, abgerufen am 10. Februar 2026

1966 reiste er mit dem Boot nach Japan, um Judo und Karate an der Nihon-Universität zu studieren. Er blieb dort 7 Jahre. Er begann alte japanische Häuser in Teilen nach Deutschland zu importieren, um sie dort wiederzubeleben. So entstand für die Japaner in Düsseldorf auch das religiös-kulturelle Zentrum EKŌ-Haus in Düsseldorf aus importierten Gebäudeteilen eines tokioter Wohnhauses von 1932, das von Bengs importiert worden war.Am Anfang gab es nur einen Haufen Holz, Artikel aus der Neue Rhein Zeitung vom 2. Juli 2015, abgerufen am 13. Februar 2026 1988 wurde der Grundstein gelegt. Bengs arbeitete als Architekturberater im tokioter Designbüro von Antonin Raymond und half dabei, ein traditionelles, reetgedecktes Teehaus auf dem Gelände eines Golfplatzes in der Kantō-Region zu errichten.

Bengs kam im Auftrag eines Kunden 1993 auf der Suche nach einem Kominka-Haus in die Region Tōkamachi und fand das passende Haus. Er kaufte sich dort ein verfallene Landhaus aus der Edo-Zeit, das er novierte und seitdem bewohnt.Zu Besuch bei Architekturdesigner Karl Bengs, in Bambusblätter Dezember 2023, aufgerufen am 9. Februar 2026 Er hat sich in die Gemeinschaft vor Ort eingelebt und wurde schließlich gefragt, ob er ein altes Haus in Niigata wiederbeleben könne, dass neben einer katholischen Kirche liegt, die von Antonin Raymond entworfen worden war. Bald darauf folgten weitere entsprechende Anfragen aus Tokio, Nagano, Saitama, Tochigi und Yamanashi. Inzwischen war er bei der Restaurierung von rund 50 Kominkas beteiligt.

2022 half Bengs eine Nō-Theaterbühne aus Japan ins Samuraimuseum Berlin zu importieren.Pressemappe von der Wiedereröffnung des Samuraimuseums Berlin am 5. Mai 2022, abgerufen am 13. Februar 2026

Auszeichnungen Karl Bengs und seine Frau wurden 2017 ausgezeichnet mit dem „Grand Prize of the Prime Minister’s Awards for Hometown Development“ (großer Preis der Auszeichnungen des Premierministers für Stadtentwicklung) wegen ihrer Bemühungen alte japanische Häuser und das „Satoyama-Lebensgefühl“ in ein besseres Licht zu rücken und damit zur Revitalisierung leerer Bergdörfer beizutragen.

Bengs als Buchautor ‘‘Kominka no Shiki‘‘ (deutsch: Die vier Jahreszeiten der Kominka), Karl Bengs und Yoshihiro Kataoka, Japanisch, ISBN 978-4-86132400-0 (deutsch: Karls und Tinas Dorf alter Bauernhäuser) Coverage Team; Bengs, Carl; Bengs, Christina (Autor), 2022

Weblinks Karl Bengs beantwortet Fragen von Studenten (japanisch mit englischen Untertiteln), Kanal des Karl Bengs Kominka Fanclub, YouTube

Einzelnachweise

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