Der Gräfrather Markt ist der zentrale Platz im historischen Ortskern des Stadtteils Gräfrath der bergischen Großstadt Solingen. Er bildet das kulturelle und gastronomische Zentrum der Gräfrather Altstadt und wird darüber hinaus auch für Feste wie das jährliche Marktfest genutzt.
Lage und Beschreibung Der Gräfrather Markt liegt im Norden Solingens im Zentrum des Stadtteils Gräfrath. Er befindet sich auf rund 203 Metern über NHNHöhenangabe gemäß Deutscher Grundkarte 2015 am Fuße des kleinen Klosterbergs, mit dem sie durch die Kirchtreppe verbunden ist. Der gepflasterte Platz mit zentralem Brunnen (Nachbau von 1957) weist eine Fläche von rund 1500 m² auf. Ihn umgibt eine Bebauung aus verschieferten, meist giebelständigen Fachwerkhäusern des 18. und 19. Jahrhunderts, von denen die meisten ab dem 19. Jahrhundert Ladeneinbauten erhalten haben.Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen I: Rheinland, Deutscher Kunstverlag, München 2005, ISBN 3-422-03093-X Dort befinden sich verschiedene Restaurants, Cafés und Geschäfte. An der Südseite des Platzes, an der Ecke zur Gerberstraße und zur Straße In der Freiheit befindet sich die evangelische Kirche Solingen-Gräfrath.
Geschichte links|mini|Gräfrather Markt um 1900 Die am Fuße des im 12. Jahrhundert gegründeten Klosters Gräfrath entstandene Siedlung Gräfrath erhielt im Jahr 1402 von der Herzogen von Berg das Freiheitsprivileg verliehen. Durch das Freiheitsprivileg durfte in der Stadt drei Mal jährlich ein Markt abgehalten werden.Informationstafel vor Ort Der Marktplatz bildete sich schon im Mittelalter als Zentrum des Ortes heraus, der zum Schutz vor Feinden durch Wälle und Gräben umgeben wurde. Der Platz wurde an den dort verlaufenden Quellbächen der Itter angelegt; über einen Brunnen auf dem Markt wurde die Bevölkerung Gräfraths mit Trinkwasser versorgt.
Bei einem großen Stadtbrand im Jahr 1686 wurden 78 von 100 Häusern in Gräfrath zerstört, darunter auch das Kloster, die Klosterkirche und das evangelische Predigthaus am Marktplatz. Beim Wiederaufbau ab der Wende zum 18. Jahrhundert erhielt der Marktplatz seine bis heute erhaltene Bebauung. Bereits 1688 wurde die evangelische Kirche an der Südwestseite des Platzes errichtet. Die ältesten Kaufmannshäuser an der Westseite des Marktes stammen vom Beginn des 18. Jahrhunderts.Lutz Peters: Gräfrath. Spaziergänge in die Geschichte. Hrsg. vom Bergischen Geschichtsverein Abteilung Solingen e. V., aktualisierte Neuauflage, Solingen 2012. Sie waren ursprünglich in Sichtfachwerk errichtet worden, erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden sie weitgehend verschiefert.
In den Kaufmannshäusern am Markt residierten traditionell vor allem die alteingesessenen Kaufmanns- und Patrizierfamilien Gräfraths, darunter im Haus Gräfrather Markt 3 die Familie von den Steinen und im Haus Gräfrather Markt 4 die Familie Schnitzler. Beide Familien stellten über Jahrzehnte etwa Bürgermeister, Kirchenvorstände, Räte und Schöffen in der Stadt.
Im Jahr 1909 wurde der Platz grundlegend umgestaltet. Durch den Umbau wurden zwei Ebenen geschaffen, die nördlich und östlich angrenzenden Gebäude erhielten vorgebaute Podeste. Dadurch wurde auch die Platzfläche deutlich verkleinert. Die ab 1898/1899 über den Platz geführte Linie 3 der Solinger Kreisbahn wurde ab 1934 aus der Altstadt verbannt und über die neu erbaute Wuppertaler Straße geführt (heute Obus-Linie 683).Ralf Rogge, Armin Schulte, Kerstin Warncke: ''Solingen – Großstadtjahre 1929–2004''. Wartberg Verlag, 2004, ISBN 3-8313-1459-4
Das Rathaus Gräfrath befand sich hingeben nie am Marktplatz, es wurde 1907/1908 außerhalb der Altstadt errichtet.
Bauwerke mini|Evangelische Kirche (2012) mini|Giebelhäuser Gräfrather Markt 1 – 5 an der Westseite des Platzes (2012) Am Gräfrather Markt befinden sich mehrere, größtenteils in die Solinger Denkmalliste eingetragene Gebäude:
Evangelische Kirche, 1688, rechteckiger Saalbau mit Dachreiter Gräfrather Markt 1, 18. Jahrhundert, im 19. und 20. Jahrhundert verändert, drei Giebelhäuser hintereinander Gräfrather Markt 3, 18. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert verändert, Haustür (Mittelpilaster, Merkurstab im Oberlicht) um 1830 Gräfrather Markt 4, Ende 17./Anf. 18. Jahrhundert, rückwärtiger Teil Bruchsteinmauerwerk Gräfrather Markt 5, 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts, Zwerchhaus, Schweifgiebel Gräfrather Markt 6, Giebelhaus um 1700, Anbau 18. Jahrhundert, im 20. Jahrhundert verändert Gräfrather Markt 7, Anfang 18. Jahrhundert, später verändert, Wandgemälde im Obergeschoss Gräfrather Markt 9, 18. Jahrhundert, später verändert Gräfrather Markt 10, 18. Jahrhundert, Ladeneinbau nach 1850 Gräfrather Markt 11, 18. Jahrhundert, Mitte des 19. Jahrhunderts erweitert Gräfrather Markt 11a, Küsterhaus, 18. Jahrhundert, im 20. Jahrhundert verändert, Fachwerk mit Andreaskreuzen Gräfrather Markt 11c, Fachwerkhaus, 18. Jahrhundert, später verändert Gräfrather Markt 11d, Fachwerkhaus, 18. Jahrhundert Brunnen, Nachbildung des Originals von 1730
Die gesamte Gräfrather Altstadt mit den Straßen und Gassen rund um den Marktplatz ist darüber hinaus auch als Denkmalbereich ausgewiesen.
Literatur Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen I: Rheinland. Deutscher Kunstverlag, München 2005, ISBN 3-422-03093-X, S. 1110–1112. Lutz Peters: Gräfrath. Spaziergänge in die Geschichte. Hrsg. vom Bergischen Geschichtsverein Abteilung Solingen e. V., aktualisierte Neuauflage, Solingen 2012.
Weblinks
Altstadt Gräfrath in: die-bergischen-drei.de
Quellen
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