Der Wischberg ist ein Berg im östlichen Jura im Schweizer Kanton Basel-Landschaft. Er steht als isolierter Tafelberg im Nordwesten des Landschaftsschutzgebiets Baselbieter und Fricktaler Tafeljura, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung beschrieben ist.
Geographie Auf dem Wischberg treffen sich die Grenzen der drei Baselbieter Gemeinden Ormalingen, Hemmiken und Rothenfluh. Der höchste Punkt () und der nordwestliche Berghang liegen in der Gemeinde Hemmiken, der südwestliche Teil mit dem Südgrat in Ormalingen und fast der ganze Osthang im Gebiet von Rothenfluh.
Im Süden fällt der Berghang steil, fast 200 Meter zum Tal der Ergolz ab, im Westen fliesst der Hemmikerbach von Hemmiken nach Ormalingen, wo er in die Ergolz mündet, und das Tal östlich des Bergs wird vom Lähnenbächli entwässert, das ebenfalls ein Nebenbach der Ergolz ist. Im Nordosten ist der Wischberg über den Sattel beim Asphof () mit dem benachbarten und etwas höheren Tafelberg Kai verbunden. Bis zu dessen Westhang erstreckt sich die Dominanz des Wischbergs. Nordöstlich von Wischberg und Kai liegt das Tal der Aargauer Ortschaft Wegenstetten, aus welchem der Möhlinbach, der unter dem Aspsattel entspringt, gegen Norden zum Hochrhein fliesst. Der Kai und der Wischberg liegen auf der Wasserscheide zwischen der Ergolz und dem Möhlinbach. Die Möhlinbachquelle befindet sich am Nordhang des Wischbergs noch im Gebiet von Hemmiken, der Bach überquert dann sofort die Grenze vom Baselbiet zum Kanton Aargau.
Rings um den Berg verlaufen Durchgangsstrassen. Im Egolztal verbindet die Hauptstrasse 309 die Ortschaften von Sissach bis nach Anwil, über Asphof verläuft die Hauptstrasse (Kantonsstrasse 3005) nach Wegenstetten und von Ormalingen durch Hemmiken führt die Kantonsstrasse 3004 zur Kreuzung mit der Hauptstrasse in der Galgenmatt.
Das längliche, in Nord-Süd-Richtung gestreckte Gipfelplateau des Wischbergs, der lange Südgrat und die sehr steilen seitlichen Flanken sind bewaldet und mit zahlreichen Forststrassen erschlossen. Auf den weniger steilen Abhängen darunter wurde der Bergwald in den meisten Bereichen vor langer Zeit gerodet, um Kulturland zu schaffen, das heute von mehreren Landwirtschaftsbetrieben vorwiegend als Grünland und mit Obstbau genutzt wird. Nur bei Ormalingen zieht sich der Wald bis zum Bergfuss hinunter, weil die Abhänge dort bis zu unterst besonders steil sind.
Geologie Der Wischberg ist eine typische Formation des Tafeljuras und bezeugt zusammen mit den benachbarten Tafelbergen die Entstehung dieser Gebirgszone. Die Gesteinsschichten seines Hauptkamms, also die jüngsten noch vorhandenen Sedimentreste, bestehen aus Hauptrogenstein des Braunen Juras. An den Bergflanken und auch im Talboden am Hemmikerbach sind die darunter anstehenden Kalksteine der Passwang-Formation aufgeschlossen, auf dem Sattel beim Asphof und an den Hängen besteht der Untergrund aus Opalinuston aus der geologischen Zeit des Mittleren Juras, der durch eine weiträumige Überschiebung während der Gebirgsbildung freigelegt wurde. Klüfte, die von einer Rutschung von Gesteinsschichten zeugen, wurden in der Grube im Südwesten des Wischbergs beobachtet.Urs Pfirter (u. a.): Geologischer Atlas der Schweiz 1.25'000 Blatt 1068 Sissach mit Südteil von 1048 Rheinfelden. Erläuterungen. Wabern 2019. S. 127. Unterhalb dieser Bereiche liegen in Hemmiken Gesteine der Staffelegg-Formation und der Klettgau-Formation. Fast der ganze Osthang des Berges ist mit Ablagerungen einer mächtigen Rutschung und eine grosse Flächen am westlichen Abhang von Hangschutt und von Verwitterungslehm bedeckt. An zahlreichen Stellen rund um den Berg wurden die verschiedenen mineralischen Rohstoffe früher in kleinen Steinbrüchen ausgebeutet.Urs Pfirter (u. a.): Geologischer Atlas der Schweiz 1.25'000 Blatt 1068 Sissach mit Südteil von 1048 Rheinfelden. Erläuterungen. Wabern 2019.
Geschichte Während des Zweiten Weltkriegs bauten Truppen der 4. Division der Schweizer Armee am Nordhang des Wischbergs von 1939 bis 1940 ein langes Geländepanzerhindernis mit Waffenstellungen. Als Teil der Armeestellung für den Fall Nord sollten die Anlagen, die bis zum nächstgelegenen Tafelberg im Nordwesten reichten, einen Angriff durch das Tal von Hemmiken verhindern.
Eine ehemalige, seit dem 19. Jahrhundert ausgebeutete Mergelgrube am Wischberg bei Hemmiken wurde seit 1977 mit Bauschutt wieder aufgefüllt; weil dabei auch viel unerlaubtes Material auf einer zu grossen Fläche entsorgt wurde und danach Sickerwasser Schäden an einem Landwirtschaftsbetrieb verursachte, entstand zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine Kontroverse, die bis vor das Bundesgericht getragen und über welche oft in den Medien berichtet wurde.Pfirter+Nyffeler Büro für Geologie, Geotechnik und Spezialtiefbau: 4465 Hemmiken, Maiberg. Wischberg, Parzellen 1279 und 1300. Abklärungen zur verfüllten Grube. Sondierbohrungen 2016. Baggerschlitze 2017 und Feldmessungen. Schlussbericht zur geologisch-geotechnischen Situation. 2017.
Naturschutz Nach der Armeereform am Ende des 20. Jahrhunderts benötigte das Militär die Stellungen bei Hemmiken nicht mehr, und der mit Gehölz bewachsene Landstreifen am Wischberg ist heute ein von der Naturschutzorganisation Pro Natura betreutes Schutzgebiet.
Der Kanton Basel-Landschaft wies 2001 eine Bergzone bei Ormalingen und Rothenfluh im Umfang von 37,64 Hektaren als Naturwaldreservat «Wischberg» aus.WDPA-Schutzgebiet Nr. 555693668.
Literatur Paul Menz: Tafeljurareste zwischen Rothenfluh und Gelterkinden. Exkursion Kanton Basel-Landschaft.
Weblinks
Wischberg. Ausschnitt aus der Geologischen Karte 1.25'000 (Swisstopo) Wischberg 679 m auf hikr.org
Einzelnachweise
Kategorie:Berg im Jura Kategorie:Bezirk Sissach