Das Urban Nation Museum for Urban Contemporary Art ist ein Museum für Street Art, Graffiti und urbane zeitgenössische Kunst im Berliner Ortsteil Schöneberg. Es besteht seit 2017 und gilt als erstes Urban-Art-Museum Berlins.

Geschichte Der Gründung vorausgegangen ist die Initiative Urban Nation der gemeinnützigen Stiftung Berliner Leben, die von der Gewobag AG gegründet wurde. Seit 2013 lud sie Künstler nach Berlin ein, um an verschiedenen Orten Murals (große Wandbilder) zu gestalten – damals ohne einen festen Ausstellungsraum. Dieser entstand mit dem Urban Nations Museum. Ziel war es, einen Ausstellungsort und eine Plattform für urbane Kunst zu schaffen, die auch international wahrgenommen würde. Kunstwerke, die im Stadtraum meist nur temporär erlebbar sind, sollten einen dauerhaften Ort erhalten. Gleichzeitig sollte die Geschichte dieser weltweiten künstlerischen Bewegung sichtbar werden. alternativtext=Auf dem Bild ist ein mehrstöckiges Wohngebäude aus der Gründerzeit zu sehen. Große Teile der Fassade sind mit Kunstwerken in schwarz-weiß gestaltet.|mini|Urban Nation Museum mit seiner Wechselfassade Das Haus an der Kreuzung Bülowstraße/Zietenstraße will vor allem einen Überblick über die Geschichte der Kunstart geben sowie über verschiedene Stile, Traditionen, Techniken und neue Trends. Der Eröffnung im September 2017 gingen laut Museum rund ein Jahr Umbauzeit und drei Jahre Planung voraus. Zur Eröffnung des Hauses kamen 13.000 Besucher zum Museum und feierten. An der Eröffnungsausstellung UNique. UNited. UNstoppable. beteiligten sich 145 Künstler aus 28 Ländern.

Von Anfang an sollte auch die Nachbarschaft einbezogen werden. Inzwischen zeigt nicht nur die Fassade des Museums selbst, sondern zeigen auch weitere Häuser in der Bülowstraße sogenannte Murals.

Die deutsch-amerikanische Galeristin und Kuratorin Yasha Young konzipierte das Museum und war von 2013 bis 2019 Gründungsdirektorin. Auf sie folgte Jan Sauerwald.

Gebäude und Architektur Der viergeschossige Gründerzeitbau an der Berliner Bülowstraße wurde nach Plänen des Architekturbüros Graft zwischen 2016 und 2017 entsprechend den Erfordernissen eines Ausstellungshauses umgebaut. Auf 550 m² entstanden zwei Geschosse, die über eine Deckenhöhe von bis zu sieben Metern verfügen. Eine begehbare Trasse zieht sich quer durch den Ausstellungsbereich und ermöglicht verschiedene Perspektiven auf die Kunstwerke. Sie ist von der High Line, einer ehemaligen Bahntrasse im New Yorker Stadtbezirk Manhattan inspiriert, die inzwischen als Park genutzt wird. alternativtext=In weißen Ausstellungsräumen sind Kunstwerke zu sehen, darunter eine grüne menschliche Figur|mini|Innenräume des Museums, 2023 Die amorphe Techniken der Urban Art sollen sich in der Innengestaltung widerspiegeln. Wichtig war den Planern, die modulare Fassade, die wechselnde Street Art zeigen kann.

Ebenfalls im Haus befinden sich elf Atelierwohnungen für Gastkünstler, die für Residence-Programme reserviert sind.

Rund die Hälfte der Baukosten von 4,5 Millionen Euro übernahm die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag, die Stiftung Berliner Leben 650.000 Euro, 1,4 Millionen übernahm die Lottostiftung.

Sammlung und Ausstellungskonzept Den thematischen Fokus der Sammlung und temporären Ausstellungen bildet die Urban Contemporary Art, also Kunst, die ihre Wurzeln im städtischen Raum hat. Das Museum bildet dabei Beispiele aus allen Epochen und Stilrichtungen ab.

Teil des Museums ist die Martha Cooper Library: eine Bibliothek mit dem Schwerpunkt Street Art und Graffiti. Sie ist nach der US-amerikanischen Fotojournalistin Martha Cooper benannt, die dem Haus einen Teil ihrer Sammlung überließ. Sie dokumentiert seit den 1970er-Jahren Urban Art.

Eine Besonderheit des Urban Nation Museums ist, dass die eigene Hausfassade sowie die Wände umliegender Häuser in der Bülowstraße Teil des Gesamtkonzeptes einer Open-Air-Galerie sind.

Bildung und Vermittlung Zusätzlich zu den wechselnden Ausstellungen bietet das Museum Workshops, digitale Angebote, Performances, Diskussionen, Führungen und Nachbarschaftsarbeit an. Der Eintritt ist kostenfrei. Hinzu kommen Projektreihen sowie Vermittlungsprogramme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Trägerschaft Trägerin des Museums ist die gemeinnützige Stiftung Berliner Leben, gegründet 2013 von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag. Die Stiftung fördert neben Kunst und Kultur auch soziale Quartiersentwicklung. Der Betrieb finanziert sich größtenteils aus Spenden.

Rezeption Das Interesse am Museum war unmittelbar nach der Eröffnung besonders groß. Rund 800 Menschen kamen täglich in die Räume an der Bülowstraße.

Internationale Medien berichteten positiv über die Eröffnung des Hauses. Die britische BBC berichtete, dass das Haus als „the first of its kind in the world“ gelte. Lonely Planet lobte „the beautiful space designed by Graft architects introduces key players and styles“.

Kritik am Museum kam aus der Berliner Graffitiszene. So befürchtete Martin Gegenheimer vom Graffitiarchiv des Archivs der Jugendkulturen eine „Musealisierung“ von Graffiti und vermutete, dass eine Aufwertung der Nachbarschaft und die Positionierung Berlins als künstlerischer Hotspot beabsichtigt werde. Die Gewobag nahm zu dem Vorwurf der „Kunstgentrifizierung“ Stellung und ließ verlauten, dass man der stark belasteten Nachbarschaft etwas Positives entgegensetzen wolle.

Ein weiterer Vorwurf bezieht sich auf die mangelnde Verwurzelung in der Nachbarschaft und der lokalen Graffitiszene. Yasha Young, damalige Museumsdirektorin, verwies auf die positiven Effekte auf die umliegenden Gewerbetreibenden und die vielen Aktivitäten, die auf Menschen aus der Nachbarschaft zielen, sowie auf die Förderung von Künstlern.

Weblinks

Offizielle Website Träger / Projektseite

Einzelnachweise

Kategorie:Kunstmuseum in Berlin Kategorie:Museumsgründung 2017 Kategorie:Berlin-Schöneberg Kategorie:Kunstmuseum (zeitgenössisch)