Dorothy Jinarajadasa, geborene Dorothy May Graham, Vorname auch Dorothea (* 19. März 1881; † 13. Januar 1963 in London), war eine englisch-britische Frauenrechtlerin und Autorin, die in Indien tätig war.

Zusammen mit Margaret Cousins und Annie Besant gründete sie 1917 die Women’s Indian Association und engagierte sich aktiv für die Abschaffung der Kinderehe sowie für die Bekämpfung des Analphabetismus von Frauen in Indien. Sie war Friedensrichterin (Justice of the Peace) in Madras und eine aktive Theosophin. Sie zählt zu den frühesten Mitgliedern der Suffragettenbewegung in Indien und ist bekannt für ihre Bemühungen um den Aufbau transnationaler Netzwerke zwischen den Frauenwahlrechtsbewegungen.

Leben Jinarajadasa wurde als Dorothy May Graham im Vereinigten Königreich geboren und heiratete am 11. November 1916 den sri-lankischen Theosophen Curuppumullage Jinarajadasa. Sie hatten sich in Adyar, bei Treffen der Theosophische Gesellschaft Adyar, kennengelernt und waren nach London zurückgereist, um dort zu heiraten. Die Eheleute waren ihr ganzes Leben lang aktive Theosophen.

Jinarajadasa war aktiv in Bemühungen zur Etablierung des Frauenwahlrechts im Vereinigten Königreich ebenso wie in Indien und wurde wegen ihrer Teilnahme an Protesten der britischen Frauenwahlrechtsbewegung verhaftet, jedoch nicht angeklagt.

Im Jahr 1917 gründete sie gemeinsam mit Margaret Cousins und Annie Besant die Women’s Indian Association (WIA). Die Organisation wurde von ihr und Cousins konzipiert, die sich ebenfalls in der Theosophischen Gesellschaft Adyar kennengelernt hattenr. Der ursprüngliche Zweck der WIA bestand darin, Frauensport zu fördern sowie Frauenbildung und Handwerk voranzubringen. Nach der Gründung wandte sich Jinarajadasa an die Theosophische Gesellschaft, um sie einzuladen, Zweigstellen derWIA in ganz Indien zu gründen. Durch ihre Bemühungen wurden im folgenden Jahr 43 weitere Zweigstellen gegründet. Jinarajadasa fungierte als erste Sekretärin der Organisation. Die WIA war politisch sehr aktiv, trat gegen Kinderehen ein, engagierte sich philanthropisch und unterstützte suffragistische Bestrebungen. Im Jahr 1918 gründeten Jinarajadasa und Cousins Stri Dharma, eine Frauenzeitschrift, die sie herausgaben und die Artikel zur Frauenwohlfahrt enthielt. Jinarajadasa trug in großem Umfang zur Zeitschrift bei und redigierte sie ebenfalls.

Zusammen mit Hannah Sen setzte sich Jinarajadasa für die Beteiligung indischer Frauen an der Frauenwahlrechtsbewegung ein und protestierte gegen westliche Fehlrepräsentationen indischer religiöser und kultureller Praktiken.

Im Jahr 1917 war Jinarajadasa Teil einer Delegation von Frauen, darunter Cousins, Besant, Sarojini Naidu und Herabai Tata, um Edwin Samuel Montagu, dem Staatssekretär für Indien, mit einem Vorschlag zur Ausweitung des Wahlrechts auf Frauen anzusprechen. Obwohl ihre Bemühungen zu diesem Zeitpunkt nicht erfolgreich waren, erhielten sie große Aufmerksamkeit in der indischen und englischen Presse und wurden bald durch Forderungen nach Frauenwahlrecht von anderen Organisationen unterstützt, darunter der Indian National Congress (INC). Im Jahr 1918 brachte Jinarajadasa auf der Malabar District Conference des INC erfolgreich eine Resolution zur Unterstützung des Frauenwahlrechts ein, die einstimmig angenommen wurde. Während des gesamten Jahres 1918 stand sie in regelmäßigem Briefwechsel mit Constance Villiers-Stuart, die sich in England für die Einbeziehung von Frauen in die indische Wählerschaft einsetzte.

Im April 1921, als das Wahlrecht für Frauen in der Madras Presidency ausgeweitet wurde, war Jinarajadasa eine von mehreren Frauen, die an den Debatten teilnahmen. In Stri Dharma schrieb sie über einen Vergleich der indischen Erfahrung des Frauenwahlrechts mit ihren Erfahrungen in Großbritannien, wo der Frauenwahlrechtsbewegung mit Gewalt und Verhaftungen begegnet worden war.

Im Rahmen ihrer Bemühungen zur Förderung des Frauenwahlrechts arbeitete Jinarajadasa daran, Verbindungen zwischen Frauenorganisationen weltweit herzustellen. Während sie mit ihrem Ehemann von Wien nach Madras reiste, besuchte sie unterwegs eine Reihe solcher Organisationen und sprach insbesondere bei Frauentreffen in Basra, Irak. In den 1920er Jahren bereiste sie außerdem Australien, trat mit australischen Suffragistinnen in Kontakt und sprach auf mehreren öffentlichen Versammlungen, darunter dem National Council of Women in Brisbane im September 1919 und in Melbourne im Oktober 1919 sowie der Australian Women’s National League im Oktober 1919. Ihren Bemühungen entsprachen Initiativen anderer suffragistischer Frauenorganisationen, die versuchten, Verbindungen nach Indien aufzubauen; so wandten sich im Jahr 1921 Mitglieder der Women’s International League for Peace and Freedom an sie, um indische Mitglieder einzubinden. Im Jahr 1921 veröffentlichte Jinarajadasa gemeinsam mit der WIA eine Broschüre mit dem Titel Why Women Want the Vote, in der sie für den Aufbau von Netzwerken zwischen Frauenwahlrechtsbewegungen im Commonwealth of Nations eintrat. Im Jahr 1923 war sie Delegierte für Indien auf der Konferenz der International Alliance of Women und sprach dort in einer viel beachteten Rede über die indische Frauenwahlrechtsfrage.

Im Jahr 1934 leitete Jinarajadasa frühe Bemühungen, das Heirats- und Einwilligungsalter für Frauen in der Madras Presidency auf 16 Jahre anzuheben. Sie verfasste ein Unterstützungsschreiben für einen Gesetzentwurf zur Anhebung des Alters und verbreitete es unter politischen Führungspersönlichkeiten in Indien, wodurch sie weitere Unterstützungsschreiben erhielt, darunter eines von Mahatma Gandhi.

Jinarajadasa starb im Alter von 81 Jahren in London.Eintrag für „Jinarajadasa, May Dorothea“ in England & Wales, National Probate Calendar (Index of Wills and Administrations), 1858-1995 (1963).

Veröffentlichungen (Auswahl)

Einzelnachweise

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