Richard Ian Jobson (* 9. Mai 1963 in Kingston upon Hull) ist ein ehemaliger englischer Fußballspieler. Als Innenverteidiger, der auch auf anderen Positionen im Mittelfeld oder Abwehr eingesetzt werden konnte, war er vor allem bekannt als langjähriger Spieler von Hull City und Oldham Athletic in seiner sportlichen Hochzeit zwischen 1985 und 1995. Nach dem Ende der aktiven Karriere begann er sich für die Spielergewerkschaft PFA hauptamtlich zu engagieren.
Sportlicher Werdegang Als Student in die erste Liga Jobson wuchs in der Gegend um Burton upon Trent auf und entwickelte dort seine Leidenschaft für den Fußball. Als Junge war er Fan von Derby County und besuchte in den 1970er-Jahren bei dem damals sehr erfolgreichen Erstligisten regelmäßig Spiele auf der Tribüne. In den Schulmannschaften agierte er zumeist im rechten Mittelfeld und er wurde dort von einem Trainer betreut, der später auch für den damaligen Amateurklub Burton Albion verantwortlich war. Jobson war auch ein talentierter Badmintonspieler und sein Fokus lag zunächst nicht auf einer Profisportkarriere. Vielmehr studierte er Bauingenieurwesen an der Universität Nottingham, spielte dort gleichzeitig Fußball für die Universität (nunmehr als Innenverteidiger) und gelangte dort in englische Universitätsauswahl. Auf Teilzeitbasis agierte er dann ab der Saison 1981/82 für den von Neil Warnock in der fünftklassigen Northern Premier League trainierten Heimatklub Burton Albion – nunmehr wieder im rechten Mittelfeld. Warnock sollte ein früher Förderer für ihn sein und empfahl ihn seinem Trainerkollegen Graham Taylor. Taylor war damals für den aufstrebenden Erstligaaufsteiger FC Watford tätig und verpflichtete Jobson im Oktober 1982 für 15.000 Pfund. Jobson galt dabei als vielseitiger Ergänzungsspieler, der sich beidfüßig und antrittschnell zeigte und mit seiner Größe von 1 Meter 85 auch als wuchtiger Innenverteidiger fungieren konnte.
Jobosn brach sein Studium ab, um sich vollständig dem Profifußball zu widmen. In Watford angekommen, musste er sich schnell an die Anforderungen des Profifußballs anpassen und da er nach seiner Zeit bei Burton nicht fit genug für das Vollzeittraining war, absolvierte er ein intensives Konditionstraining, das Spiele in der Reservemannschaft und ein bis zehn Tage harte Trainingseinheiten umfasste, um seine Ausdauer zu verbessern und sich so an das Tempo der Vorbereitung auf die erste Liga zu gewöhnen. In Grahams Mannschaft mit „Stars“ wie Luther Blissett und John Barnes wurde Jobson in den Kader integriert, um die Abwehr mit seiner körperlichen Präsenz und seinen Zweikampffähigkeiten zu verstärken. Jobson absolvierte in der Saison 1982/83 13 Erstliga-Spiele, darunter sein erstes Tor beim 5:2-Sieg gegen Luton Town und trug zu Watfords historischer Vizemeisterschaft sowie der damit verbundenen Qualifikation für den UEFA-Pokal bei. Dort kam er in allen sechs Europapokalpartien zum Einsatz, darunter das Ausscheiden in der dritten Runde gegen Sparta Prag. Im Februar 1985 verkaufte Watford Jobson für 40.000 Pfund an den Drittligisten Hull City. Zuvor hatte er mit Watford in der Saison 1983/84 das Endspiel im FA Cup erreicht. Bei der 0:2-Finalniederlage gegen den FC Everton fehlte er jedoch und für die Rolle des einzigen Ersatzspielers hatte sich Taylor für Paul Atkinson entschieden.Richard Jobson (Watford Legends)Richard JOBSON - Leeds United - League appearances for Leeds United. (Sporting Heroes)
Hull City & Oldham Athletic In den verbliebenen Spielen der Saison 1984/85 steuerte Jobson noch acht Ligaeinsätze bei und verhalf dem Klub unter Trainer Brian Horton zum Aufstieg in die zweite Liga über den dritten Abschlusstabellenplatz. In der Zweitliga-Saison 1985/86 etablierte sich Jobson als Stammspieler und verhalf Hull als robuster Zweikämpfer und mit seiner Kopfballstärke zu einem beachtlichen sechsten Platz. Nach Ablauf der Spielzeit 1986/87 wurde er von den eigenen Anhängern zum „Spieler des Jahres“ gewählt und festigte seinen Status als nunmehriger Schlüsselspieler des Klubs. Insgesamt absolvierte Jobson 221 Ligaspiele für die „Tigers“ und überzeugte meist aufgrund seiner Athletik und Führungsqualitäten in der Viererkette (entweder innen oder als rechter Verteidiger). Seine Zeit endete im August 1990 mit dem Wechsel zum Zweitligakonkurrenten Oldham Athletic für die damalige Rekordablösesumme von 460.000 Pfund. Dieser Wechsel fiel mit den Kaderveränderungen und finanziellen Schwierigkeiten Hulls zusammen, die schließlich zum Abstieg in der Saison 1990/91 führten.618 Richard Jobson (On Cloud Seven)
Bei Oldham Athletic knüpfte Jobson problemlos an seine gute Leistungen an und verpasste keines der restlichen 44 Zweitligaspiele. Dabei gelang als Zweitligameister der Aufstieg in die höchste englische Spielklasse und Jobson sicherte mit einem Elfmetertor in letzter Minute gegen Sheffield Wednesday (3:2) die Spitzenreiter-Position. Im Jahr darauf gelang mit dem Klassenerhalt die Qualifikation für die neu gegründete Premier League, in der Jobson mit seinen Mannen nach einem Tabellenplatz am Tabellenende im Februar noch die Abstiegsränge hinter sich ließen. Maßgeblich dafür war eine Serie von drei Siegen zum Saisonende im Mai 1993 auswärts gegen Aston Villa (1:0) sowie daheim gegen den FC Liverpool (3:2) und den FC Southampton (4:3), womit sich die Mannschaft dank der besseren Tordifferenz vor Crystal Palace den Klassenerhalt sicherte. Im darauf folgenden Jahr gelang Jobson mit Oldham der Einzug ins Halbfinale des FA Cup, das im Wiederholungsspiel gegen Manchester United verloren ging. Kurz darauf musste der Verein den Abstieg aus der Premier League verkraften und in der anschließenden Zweitligasaison 1994/95 blieb Jobson dem Klub erhalten, wenngleich ihn zunehmend Verletzungen belasteten. Im Oktober 1995 erhielt er dann die Gelegenheit zur Rückkehr in die Premier League, nachdem er sich für eine Ablösesumme von einer Million Pfund Leeds United angeschlossen hatte.
Letzte Karrierestationen Unter Trainer Howard Wilkinson, der drei Jahre zuvor mit Leeds englischer Meister geworden war, sollte Jobson seine Erfahrung als Innenverteidger einbringen und dem Kader mehr Tiefe und Stabilität verleihen. Trotz anfänglicher vielversprechender Leistungen wurde Jobsons Zeit bei Leeds weiter stark von wiederkehrenden Verletzungen beeinträchtigt und in seiner Debütsaison 1995/96 kam er nur auf zwölf Ligaeinsätze. Diese Rückschläge hielten auch in den folgenden Jahren an und verhinderten, dass er sich als Stammspieler etablieren konnte. Trotz gelegentlich solider Defensivleistungen blieben seine Gesamtbeiträge begrenzt. Im Januar 1998 wurde er für anderthalb Monate an den Drittligisten Southend United ausgeliehen, wo er acht Einsätze absolvierte und ein Tor erzielte. Unmittelbar danach ließ Leeds Jobson im März 1998 ablösefrei zum Zweitligisten Manchester City ziehen, wo dieser wieder auf Trainer Joe Royle traf, mit dem er schon in Oldham gearbeitet hatte.Richard Ian Jobson (OzWhite's Leeds United F.C. History)
Nach Verletzungssorgen zu Beginn seiner Zeit in Manchester feierte Jobson in der Saison 1999/2000 im Alter von nun bereits 36 Jahren ein gelungenes Comeback. Er absolvierte 49 Pflichtspiele und trug mit drei Toren – darunter Siegtreffer gegen Crystal Palace (2:1) und Birmingham City (1:0) – maßgeblich zum Aufstieg von Manchester City als Zweitliga-Vizemeister in die Premier League bei. Dort traute man ihm jedoch Höchstleistungen auf oberster Ebene nicht mehr zu und gekoppelt mit weiteren Verletzungssorgen verabschiedete er sich nach gerade einmal zwei Einsätze im Ligapokal zunächst im November 2000 zu seinem Ex-Klub aus Watford.Richard Jobson (StatCity) Einen Monat später zog es ihn zum Zweitligakonkurrenten Tranmere Rovers und wechselte im März 2001 fix zu dem Klub. Für Tranmere sollte er eine dringend benötigte Abwehr-Verstärkung im Abstiegskampf sein; er konnte den Abstieg als Tabellenletzter aber nicht verhindern.
Ab September 2001 ließ Jobson beim Viertligisten AFC Rochdale seine aktive Karriere ausklingen, war gelegentlicher Kapitän des Teams und scheiterte in seinem ersten Jahr knapp im Halbfinale des Aufstiegs-Playoffs an Rushden & Diamonds. Sein letztes Profispiel bestritt er am 3. Mai 2003 gegen Macclesfield Town (2:3), sechs Tage vor seinem 40. Geburtstag.
Nach der aktiven Karriere Funktionär bei der Spielergewerkschaft PFA Ab 2003 arbeitete Jobson als hauptamtlicher Funktionär für die Spielergewerkschaft Professional Footballers’ Association (PFA) und stieg später zum stellvertretenden Geschäftsführer auf. Hauptsächlich bearbeitete Jobson Anträge auf Zuschüsse für medizinische Behandlungen aus dem Unfall- undVersicherungsfonds der PFA und kümmerte sich um Versicherungsansprüche im Zusammenhang mit dauerhaften Behinderungen. Im Vordergrund stand sein Engagement für verbesserte Maßnahmen zum Schutz der Spieler ein, darunter ein stärkerer Schutz der Gewerkschaft vor ausbeuterischen Verträgen und verbesserte Unterstützungsmechanismen für Spieler im Übergang in den Profisport. Dabei brachte er seine Erfahrungen mit wiederkehrenden Verletzungen während seiner Karriere, wie beispielsweise chronischen Knieproblemen, ein und sollte dabei helfen, dass die PFA die langfristige Gesundheit und finanzielle Sicherheit ihrer Mitglieder gewährleistete. Dazu zählte der Aufbau eines Rentensystems zu seinen Interessen.Richard Jobson - Assistant Chief Executive (PFA) (LawInSport)
Weitere Tätigkeiten und Interessen Als Vertreter der Spielergewerkschaft PFA nahm Jobson im Jahr 2017 an Diskussionen im International Football Association Board (IFAB) teil und trug zu Debatten über vorgeschlagene Regeländerungen bei. Dazu war er Teil einer Delegation der Premier League für die Bewertung von Schiedsrichterleistungen; er vertrat insbesondere die PFA beim 2021 neu aufgelegten Programm „Vom Spieler zum Schiedsrichter“, das ehemaligen Profis den Weg zum Schiedsrichterberuf ebnet.FA Referee Department And PGMOL Relaunch Player to Referee Pathway Course (League Football Education)
Im Jahr 2019 nahm Jobson als ehemaliger Profifußballer, der aufgrund seiner aktiven Karriere mutmaßlich einem erhöhten Demenzrisiko ausgesetzt war, an einer Studie der „International Concussion and Head Injury Research Foundation“ (ICHIRF) teil. Diese Studie untersuchte die neurologischen Auswirkungen von Kontaktsportarten auf Sportler im Vergleich zu Nicht-Sportlern. Über die Studie hinaus erklärte sich Jobson dazu bereit, sein Gehirn nach seinem Tod für die Forschung zur Chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE), einer degenerativen Erkrankung, die mit wiederholten Kopfverletzungen in Verbindung gebracht wird, zu spenden, um zum Verständnis der Langzeitfolgen bei Fußballspielern beizutragen. Jobsons Karriere als Innenverteidiger war von häufigem Kopfballspiel und mehreren Gehirnerschütterungen geprägt, was die Besorgnis über die kumulativen Risiken für die Hirngesundheit aus seinen zwei Jahrzehnten im Profifußball verstärkte. In seiner Funktion bei der PFA setzte sich Jobson für ein stärkeres Bewusstsein für die Gehirngesundheit im Fußball ein und unter seiner Leitung finanzierte die PFA zahlreiche Studien und unterstützte betroffene Spieler und ihre Familien.Dementia Research: Richard Jobson (PFA)
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