Die Baureihe F1 / Vk6 der Suomen Valtion Rautatiet (SVR) (Finnische Staatseisenbahnen) waren acht Dampflokomotiven, die bei der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur in der Schweiz nach dem System Forney bestellt wurden.

Vier Lokomotiven wurden zuerst an Privatbahnen geliefert und erst bei der Verstaatlichung dieser Bahnen in den Bestand der SVR/VR übernommen.

Sie wurden 1885, 1886, 1888, 1897 und 1898 mit den Fabriknummern 409 und 408 (1885), 434–435 (1886), 511 (1888), 1023–1024 (1897) und 1153 (1898) fertiggestellt und erhielten im Nummernsystem ab 1887 die Betriebsnummern 115–116, 132–133 sowie bei Übernahme der beiden Privatbahnen die Nummern 63–64 und 70–71.

Die Lokomotiven der Raumabahn wurden nach der Reform des finnischen Betriebsnummernsystems 1942 durch Valtionrautatiet (VR) beim Erwerb der Gesellschaft in die neu geschaffene Baureihe Vk6 eingereiht.

Geschichte Die Beschaffung dieser Baureihe für den Nahverkehr hat eine umfangreiche Geschichte. Die Lokomotiven der Baureihe F1 wurden zwischen 1885 und 1898 von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur in der Schweiz gefertigt.

Die Finnischen Staatseisenbahnen (SVR) bestellten 1885 zunächst zwei Tenderlokomotiven für den Nahverkehr in den Regionen Helsinki und Turku.

Bei ihrer Ankunft 1885 erhielten die Lokomotiven nach einem 1885/86 gültigen Nummernplan die Nummern 71 und 72, wobei die Nummer 71 noch im selben Jahr in Nummer 62 geändert wurde. Im Zuge der Nummernreform von 1887 erhielten sie die Nummern 115 und 116. Die Lok 115 kam zum Bahnbetriebswerk Helsinki, die 116 nach Turku.

Die nächsten beiden Lokomotiven bestellten die SVR ein Jahr später zur Bedienung der Bahnstrecke Turku–Tampere–Hämeenlinna. Sie erhielten bei Ablieferung nach dem Nummernplan 1886/87 die Nummern 226 und 227, die im folgenden Jahr mit dem neuen Baureihenplan ab 1888 in 132 und 133 geändert wurden.

BJ 3 und 4 mini|links|Die ehemalige BJ 3 als F1 63 etwa 1920/1930 Die Porvoon Rauta, die 34 Kilometer lange zweite in Finnland privat gebaute Bahnstrecke von Porvoo nach Kerava, beschaffte 1888 mit der Baunummer 511 eine gleichartige Lokomotive von SLM, die als BJ 3 nur auf dieser Strecke eingesetzt wurde. 1898 folgte mit der BJ 4 (Baunummer SLM 1153) eine weitere Lokomotive.

Die 1874 eröffnete Strecke war nicht rentabel, die Betreibergesellschaft ging bereits 1878 in Konkurs. Nach Einstellung des Betriebes wurde die Strecke 1887 versteigert, die neue Gesellschaft konnte den Betrieb bis 1917 aufrechterhalten. Als auch diese in Schwierigkeiten geriet, kaufte der Staat die Strecke mit sämtlichem Inventar auf.

Mit der Übernahme erhielten die beiden Maschinen die Nummern 63 und 64 der SVR und wurden im Betriebswerk Pasila beheimatet.

RAUMA 2 und 3 mini|links|RAUMA 2 vor der Übernahme durch die VR Die Raumabahn () führt von Kokemäki nach Rauma. Die 47 Kilometer lange Strecke gehörte der Stadt Rauma und wurde 1897 fertiggestellt und am 1. Juli 1950 von VR übernommen.

Diese beiden Lokomotiven wurden 1897 mit den SLM-Baunummern 1023 und 1024 gebaut und trugen bei der Raumabahn die Bezeichnungen RAUMA 2 und RAUMA 3. Sie erhielten bei der Übernahme 1950 nach dem Baureihenplan von 1942 die neu geschaffene Baureihenbezeichnung Vk6 und die VR-Betriebsnummern 70 und 71.

VR Vk6

Alle genannten Lokomotiven mit Ausnahme der RAUMA 2 und 3 gehörten zur Baureihe F1 und wurden vor der Baureihenreform von 1942 ausgemustert.

Die Baureihe Vk6 entstand erst im Zuge der Übernahme der Raumabahn am 1. Juli 1950, als deren Lokomotivpark an die VR übertragen wurde.

Technik Die Zweizylinderlokomotiven besaßen einen Nassdampfkessel und Stephenson-Steuerung mit Flachschieber sowie ein Nathan-Schmiergerät. Die Sandbehälter befanden sich auf dem Umlauf über den Radabdeckungen. Die vorderen Behälter sandeten die vordere Treibachse bei Vorwärtsfahrt, die hinteren die hintere bei Rückwärtsfahrt. Die Lokomotiven der Raumabahn hatten einen Sanddom auf dem Kessel.

Die Lokomotiven besaßen eine Dampfbremse, die auf beide Treibachsen wirkte. Eine Westinghouse-Druckluftbremse wurde in den 1920er Jahren eingebaut, ebenso die Dampfheizleitungen zur Beheizung von Reisezügen.

Die Beleuchtungseinrichtung bestand aus Öl- bzw. Petroleumlampen. Die Lokomotiven 63, 64 und 133 erhielten in ihren letzten Betriebsjahren eine AGA-Beleuchtung.

Ursprünglich waren die Lokomotiven 115, 116, 132 und 133 holzbefeuert, während die Lokomotiven 63 und 64 im Jahr 1917 auf Holzfeuerung umgerüstet wurden. Die Lokomotiven wurden zeitweise auch mit Kohle geheizt.

Die Lokomotive 132 wurde 1927 für den Einmannbetrieb ausgerüstet. Dazu wurden Geländer am Übergang angebracht und ein Durchgang von der Rückseite zur Vorderseite der Lokomotive geschaffen. An beiden Enden wurde außerdem ein Übergang für den Lokführer eingebaut, um ihm den Wechsel zwischen Wagen und Lokomotive zu erleichtern. Der Lokführer musste die Beheizung der Lokomotive übernehmen. Der Versuch wurde von 1928 bis 1932 auf dem Streckenabschnitt Inkeroinen–Hamina durchgeführt.

Einsatz und Verbleib Die Lokomotiven wurden zunächst im Nahverkehr, hauptsächlich in Helsinki und Wiborg, sowie in verschiedenen Landesteilen auf kurzen Nebenstrecken und später auch im Rangierdienst eingesetzt.

Um die Jahrhundertwende wurden sie in Helsinki und Wiborg durch die Baureihen I1, I2 und I3 ersetzt. In anderen Landesteilen wurden sie auf den Strecken Kokkola–Ykspihlaja, Pännäinen–Jakobstad, Pori–Mäntyluoto, Kouvola–Kuusankoski, Inkeroinen–Hamina und Suonenjoki–Iisvesi verwendet.

Vom Bahnhof Siuro aus wurden Nahverkehrszüge nach Tampere geführt. Die beiden Lokomotiven 63 und 64, die dafür eingesetzt wurden, beendeten ihren Dienst im Februar bzw. März 1935.

Die beiden von der Raumabahn übernommenen Lokomotiven wurden in den Werkstätten Hyvinkää und Vaasa innerbetrieblich eingesetzt, aber bereits 1953 aufgrund ihres schlechten Zustands außer Dienst gestellt.

Die Lokomotive 132 befindet sich heute im Suomen Rautatiemuseo (Finnisches Eisenbahnmuseum) in Hyvinkää.

Weblinks

F01 Kategorie:Tenderlokomotive Achsfolge B2 Kategorie:Schienenfahrzeug (Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik)