Burnett Hillman Streeter FBAFellow of the British Academy (* 17. November 1874 in Croydon, London; † 10. September 1937 in Waldenburg BL, Schweiz) war ein englischer anglikanischer Theologe, Bibelwissenschaftler und Textkritiker.

Leben und Wirken mini|Grabstein für Burnett Hillman-Streeter (1874–1937), Provost des Queens College Oxford, und seine Ehefrau Irene Hillman-Streeter (1883–1937) auf dem Friedhof Hörnli, Riehen, Basel Streeter kam als einziger Sohn des Rechtsanwalts () John Soper Streeter (1843–1873)Sopers in the Legal Professions. List of Court Cases involving Sopers, auf freepages.rootweb.com Abschnitt: „John Soper Streeter (1843-1873) a solicitor“ und Marion, geborene Walker in Craydon zur Welt; beide hatten am 30. Dezember 1873 geheiratet. Streeter hatte eine jüngere Schwester Ida Mary Streeter (1881–1959)Ida Mary Streeter, auf ancestry.de , die seit 1910 mit Robin Ernest William Flower (1881–1946) liiert war.

Streeter besuchte das King’s College London in London und erhielt 1893 ein Stipendium für Klassische Philologie am Queen’s College in Oxford. Oxford sollte für den Rest seines Lebens der Mittelpunkt seiner Welt bleiben. Im Jahre 1899 wurde Streeter zum Priester geweiht. Von 1899 bis 1905 war er Fellow und Dekan des Pembroke College. Anschließend kehrte er an das Queen’s College zurück, wo er nacheinander die Ämter des Fellow, Dekans, Prälektors, Kaplans und schließlich des Prorektors bekleidete. 1925 wurde er zum Mitglied der „British Academy“ gewählt und erhielt Ehrendoktorwürden (D.D.) der Universitäten Edinburgh, Durham und Manchester.John M. Court: Burnett Hillman Streeter (17 November 1874 - 10 September 1937). In: A Generation of New Testament Scholarship, Kapitel 1, S. 19–34, DOI: https://doi.org/10.1163/9789004397545_004

Von 1922 bis 1937 war er Mitglied der Erzbischöflichen Kommission für Glaubensfragen () der Church of England. 1910 gründete er eine Gruppe von Oxforder Dozenten, die sich regelmäßig zu theologischen Diskussionen traf (bekannt als „The Oxford Group“David C. Belden (1976): The origins and development of the Oxford Group (Moral Re-Armament). [PhD thesis], University of Oxford, auf ora.ox.ac.uk P. B. H. Boobbyer: Streeter and the Oxford Group. The Journal of Ecclesiastical History. 2010;61(3):541-567,. doi:10.1017/S0022046908005939). 1935 nahm er gemeinsam mit Frank Buchman am Reichsparteitag der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, NSDAP in Nürnberg teil. Streeter hatte Berührungspunkte zur „Oxford Group“ um Frank Buchman, deren Mitglieder in den 1930er Jahren auch nach Deutschland reisten und dort mit Vertretern des NS-Regimes zusammentrafen. Über Buchmans persönliche Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus herrscht in der Forschung keine Einigkeit, er verfolgte offenbar religiös-moralische Ziele, doch gibt es Anzeichen dafür, das Buchman Sympathien mit einigen politischen Zielen Adolf Hitlers hegte.William A. H. Birnie: Fascist World Ruled by God, Buchman Idea. Interview mit Frank Buchman in: New York World-Telegram. 26. August 1936. Während Streeter selbst keine Affinität zu nationalsozialistischem Gedankengut zeigte bzw. belegt ist, verdeutlichen diese Verbindungen, wie eng religiöse und moralische Netzwerke gelegentlich an politisch problematische Kontexte anschließen konnten.

Von 1932 bis 1933 war Streeter ein „Dean Ireland's Professor of the Exegesis of Holy Scripture“, also ein Professor für Exegese der Heiligen Schrift an der Universität Oxford, bevor er zum Provost des Queen’s College ernannt wurde.Klaus-Gunther Wesseling: Burnett Hillman Streeter. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL), Bd. 11, Herzberg, 1996, ISBN 3-88309-064-6

Sein bedeutendstes Werk ist The Four Gospels, a Study of Origins treating of the Manuscript Tradition, Sources, Authorship, & Dates. (London 1924), [deutsch: „Die Vier Evangelien. Eine Studie über ihre Ursprünge (…)“ (1924)], in dem er die „Vier-Quellen-Hypothese“ als Lösung des synoptischen Problems vorschlug und die Theorie der „lokalen Texte“ in der handschriftlichen Überlieferung des Neuen Testaments entwickelte.siehe hierzu M-Quelle Vorläufer dieser Theorie war Johann Leonhard Hug. Streeter entdeckte zudem den sogenannten „cäsareanischen Texttypus“ und stellte eine textliche Nähe zwischen dem Codex Sinaiticus und der Vulgata des Kirchenvaters Hieronymus fest.Hardwick, J. C. (1938): Burnett Hillman Streeter (1875–1937). The Expository Times. 49 (6): 249–254., doi:10.1177/001452463804900603, auf journals.sagepub.com

Im Jahre 1910 heiratete er Irene Louisa Rawlinson (1883–1937).John M. Court: Burnett Hillman Streeter (17 November 1874 - 10 September 1937). (= Band 3, Reihe: History of Biblical Interpretation Series), A Generation of New Testament Scholarship, Brill, Leiden 2012, ISBN 978-9-004-39754-5, S. 19–34 Burnett Hillman Streeter und seine Frau Irene kamen bei einem Flugzeugabsturz am 10. September 1937 auf dem Flug von Bern nach Basel ums Leben. Das Flugzeug vom Typ Koolhoven FK.50 (Kennzeichen HB-AMO) prallte bei Nebel gegen den KelleköpfliAlpar Luftverkehrs Ag, Koolhoven FK.50. Flugzeuge Aviation History Switzerland, auf swissair00.ch in der Nähe von Waldenburg.Band XI (1996) Spalten 46–48 Autor: Klaus-Gunther Wesseling: STREETER, Burnett Hillman, liberaler englischer Theologe und Religionsphilosoph, * 17. 11. 1874 in Croydon bei London, † 10. 9. 1937 durch einen Flugzeugabsturz bei Basel. Der Pilot Walter Eberschweiler starb ebenso wie die Passagiere, nur der Funker und Navigator Hans Huggler überlebte schwer verletzt. Streeter wurde auf dem Friedhof am Hörnli in Riehen, Basel, bestattet.Burnett Hillman Streeter. British theologian. Encyclopaedia Britannica, auf britannica.com

Vier-Dokumenten-Hypothese mini|500px|Die Four Sources Hypothesis von Burnett Hillman Streeter (1924). Nach der „Vier-Quellen-Hypothese“ verfassten Matthäus und Lukas ihre Evangelien unabhängig voneinander, jeweils auf Grundlage des Markus-Evangeliums, der gemeinsamen Logienquelle Q und je eigenen Materialien (M bzw. L). Markus (dunkelrot) – das älteste Evangelium, als Grundlage für Matthäus und Lukas. Q („Quelle“) (dunkelgrün) – eine hypothetische Sammlung von logienartigen Jesusworten, die Matthäus und Lukas gemeinsam nutzen, aber nicht in Markus vorkommen. M (blau) – eigene Materialsammlung, die nur in Matthäus vorkommt. L (lindgrün) – eigene Materialsammlung, die nur in Lukas vorkommt. Ferner ein antiochenisches Dokument (grau; Einfluss auf das Matthäusevangelium fraglich) und ein Kindheitsbericht (grau), Bezeichnungen in englischer Sprache.

Die „Vier-Dokumenten-Hypothese“ nach Streeter (1924) besagte, dass die Evangelien nach Matthäus und Lukas neben Markus und der gemeinsamen „Q-Quelle“ jeweils eigene Quellen nutzten, die „M-Quelle“ (nur in Matthäus) und die „L-Quelle“ (nur in Lukas), vermutlich auf frühere mündliche Überlieferungen zurückgehend, wobei Kritiker einwendeten, dass „M“ und „L“ rein hypothetisch seien und die Theorie die Komplexität der Evangelienentstehung zu stark vereinfachte.Uta Poplutz: »M-Quelle« oder Konglomerat? Forschungsüberblick zum sogenannten matthäischen »Sondergut« ZNT 36 (18. Jg. 2015), S. 2–11, auf publikationen.uni-tuebingen.deMatthias Berghorn: Zwischen Q und matthäischem Sondergut. Von Nutzen und Bedeutung der Traditio duplex im Diskurs der „Zwei-Quellen-Theorie“. auf kath-theologie.uni-wuppertal.de

Die „M-Quelle“ ist dabei keinesfalls identisch mit dem sogenannten „Matthäus-Sondergut“. Die „M-Quelle“ ist nicht mit dem sogenannten „Matthäus-Sondergut“ gleichzusetzen. Letzteres beschreibt lediglich die Beobachtung, dass bestimmte Traditionen ausschließlich im Matthäusevangelium überliefert sind. Die „M-Quelle“ hingegen bezeichnet die Hypothese, dieses Sondergut gehe auf eine eigenständige schriftliche Vorlage zurück. Der zentrale Unterschied zwischen dem „Matthäus-Sondergut“ und der von Burnett Hillman Streeter vertretenen „M-Quelle“ besteht somit in ihrem erkenntnistheoretischen Status.

Schriften (Auswahl) Foundations: A Statement of Christian Belief in Terms of Modern Thought. Macmillan and Co., London 1912 Restatement and Reunion: A Study in First Principles. Macmillan and Co., London 1914 War: This war (1914–1918) and the Sermon on the Mount. Oxford University Press, London 1915 Immortality: an Essay in Discovery Coordinating Scientific Psychical and Biblical Research. Macmillan Company, New York 1917 Woman and the Church. T. Fisher Unwin, London 1917 God and the Struggle for Existence. Association Press, New York 1919 The Message of Sadhu Sundar Singh: A Study in Mysticism and Practical Religion Macmillan Company, New York 1921 The Spirit: the Relation of God and Man, Considered from the Standpoint of Recent Philosophy and Science. Macmillan Company, New York 1922 The Four Gospels, a Study of Origins treating of the Manuscript Tradition, Sources, Authorship, & Dates. (1924), 4th Revised Edition, Macmillan and Co., London 1930 Reality: A New Correlation of Science and Religion. Macmillan and Co., London 1926, auf archive.org Primitive Church Studied with Special Reference to the Origins of the Christian Ministry. Macmillan Company, New York 1929 The Chained Library. Burt Franklin, New York 1931 The Buddha and the Christ. Bampton Lectures, Oxford / New York 1932 The God who speaks. Macmillan Company, New York 1936

Literatur Pierson Parker: The Gospel Before Mark. University of Chicago Press, 1953 Hans Klein: Bewährung im Glauben. Neukirchener Verlag, Neukirchen‑Vluyn 1996, ISBN 978-3-7887-1408-6. Robert Van Voorst: Jesus Outside the New Testament. William B. Eerdmans Publishing Company, Grand Rapids, Michigan 2000, ISBN 978-0-8028-4368-5. Folker Siegert: Synopse der vorkanonischen Jesusüberlieferungen Zeichenquelle und Passionsbericht, die Logienquelle und der Grundbestand des Markusevangeliums in deutscher Übersetzung gegenübergestellt. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010, ISBN 978-3-525-54207-1. Paul Foster: The M-source: Its history and demise in biblical scholarship. In: Paul Foster, Andrew Gregory, John S. Kloppenborg: New Studies in the Synoptic Problem: Oxford Conference, April 2008. (=Band CCXXXIX, Bibliotheca Ephemeridum Theologicarum Lovaniensium), Uitgeverij Peeters, Leuven; Walpole, MA 2011, ISBN 978-90-429-2401-7, S. 591–616. Stanley E. Porter, Bryan R. Dyer (Hrsg.): The Synoptic Problem: Four Views. Baker Academic, Grand Rapids, Michigan 2016, ISBN 978-0-8010-4950-7 David R. Catchpole: The Quest for Q. T. & T. Clark, Edinburgh, UK 1993, ISBN 978-0-567-09616-6. D. R. W. Wood, Alan Ralph Millard, James Innell Parker, Donald J. Wiseman, I. Howard Marshall (Hrsg.): New Bible Dictionary. (3rd edition), Inter-Varsity Press, Leicester, England; Downers Grove, Illinois, USA 1996, ISBN 978-0-8308-1439-8, S. 739. Uta Poplutz: »M-Quelle« oder Konglomerat? Forschungsüberblick zum sogenannten matthäischen »Sondergut« ZNT 36 (18. Jg. 2015), S. 2–11, auf publikationen.uni-tuebingen.de Matthias Berghorn: Zwischen Q und matthäischem Sondergut. Von Nutzen und Bedeutung der Traditio duplex im Diskurs der „Zwei-Quellen-Theorie“. auf kath-theologie.uni-wuppertal.de Weblinks An Extract from B.H. Streeter, The Four Gospels. A Study of Origins Treating the Manuscript Tradition, Sources, Authorship, & Dates, 4th impression, revised. MacMillian and Co., London 1930, S. 436–442, auf earlychurch.org.uk The Synoptic Problem by Felix Just, S.J., Ph.D., auf catholic-resources.org Peter R. Rodgers: B. H. Streeter’s Four Gospels at One Hundred. How does the Oxford don’s influential argument for ‘local texts’ of the Gospels hold up after 100 years? Text & Canon Institute, December 10, 2024, auf textandcanon.org Bart Ehrman: The Q Source Used by Matthew and Luke. The Bart Ehrman Blog, February 11, 2025, auf ehrmanblog.org Burnett Hillman Streeter* (17th November 1874-10th September 1937) John M. CourtView all authors and affiliations, Volume 118, Issue 1 Portraitphoto

Anmerkungen