Heinrich Johannes Boruttau (geboren am 15. August 1869 in Leipzig; gestorben am 15. Mai 1923 in Berlin) war ein deutscher Arzt (Physiologe) und Hochschullehrer.

Leben Boruttau war ein Sohn des Arztes und Sozialdemokraten Carl Boruttau (1837 – 15. Juni 1873) in Leipzig. Er besuchte zunächst eine Schule in Dresden und anschließend bis Ostern 1888 ein Gymnasium in Frankfurt am Main. Er immatrikulierte sich im April 1888 für ein Studium der Medizin an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. Dort legte er am 20. Februar 1890 die medizinische Vorprüfung ab. Ab April 1890 besuchte er die Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin, wo er im März 1892 das Tentamen medicum ablegte und das Examen rigorosum bestand.Lebenslauf. In: Über das Verhalten der Di- und Trihydroxyl-benzole im Tierkörper. 12. März 1892, S. 32 (Dissertation Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin). 1892 wurde seine Dissertation Über das Verhalten der Di- und Trihydroxyl-benzole im Tierkörper und seine Abhandlung Zur Frage der spezifischen Erregungszeit der motorischen Nervenendigungen veröffentlicht.Martin Gildemeister: Heinrich Boruttau †. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift. Band 49, Nr. 30, 27. Juli 1923, S. 993–994, doi:10.1055/s-0028-1132309 (thieme-connect.com PDF).

Er habilitierte sich 1894 in Göttingen und war dort als Privatdozent und erster Assistent bei Georg Meissner und dessen Nachfolger Max Verworn am physiologischen Institut der Universität Göttingen tätig. Am 27. Dezember 1900 wurde er dort zum Professor ernannt. Über seinen ehemaligen Professor Georg Meissner verfasste er anlässlich dessen Todes 1905 eine ausführliche Denkschrift.Heinrich Boruttau: Zum Andenken an Georg Meissner. In: Archiv für die gesamte Physiologie des Menschen und der Tiere. Band 110, Heft 7–8, Hager, Bonn 6. Dezember 1905, S. 351–399 ( – mit Bildnis). Im Oktober 1906 wurde Boruttau zum physiologisch-chemischen Assistenten an das Krankenhaus Friedrichshain in Berlin berufen, wo er unter anderem Abteilungsvorsteher wurde. Er wurde zudem außerordentlicher Professor der Physiologie an der Friedrich-Wilhelms-Universität und erhielt im August 1909 ein „Paderstein-Stipendium“ der medizinischen Fakultät. Boruttau verfasste zahlreiche medizinische Schriften und Beiträge, so unter anderem für die Zeitschrift Archiv für Geschichte der Medizin. Zu seinen letzten Werken gehörte die 1922 erschienene Lebensbeschreibung des Emil du Bois-Reymond. Er beschäftigte sich insbesondere mit der Elektrophysiologie und der Anwendung von Elektrizität in der medizinischen Behandlung und zu durch die zunehmende Elektrifizierung verursachte Haushalts- und Todesfälle. Ein weiteres Forschungsgebiet war die Lehre vom Stoffwechsel, der inneren Sekretion und die Nervenleitung. Er war zudem als Sachverständiger für den Verband Deutscher Elektrotechniker aktiv, um Unfallursachen zu untersuchen und Präventionsmaßnahmen zu erarbeiten und die Arbeiter zu schulen. Hierzu hielt er auch Vorträge, unter anderem am 19. Juli 1916 bei der Berliner medizinischen Gesellschaft, die in Zeitschriften wie der Berliner Klinische Wochenschrift abgedruckt wurden.Der Tod durch Elektrizität, Verhütung der Unfälle durch Starkstrom und Wiederbelebung durch elektrischen Strom Verunglückter. In: Berliner klinische Wochenschrift. Nr. 53, Teil 2, 1916, S. 912–916 (). 1921 wurde er zum Ehrenmitglied der spanischen Akademie der Wissenschaften ernannt.

Werke (Auswahl) Kurzes Lehrbuch der Physiologie für Mediciner. Franz Deuticke, Leipzig / Wien 1898 (). Die Elektrizität in der Medizin und Biologie : eine zusammenfassende Darstellung für Mediziner, Naturforscher und Techniker J. F. Bergmann, Wiesbaden 1906 (). Medizinische Physik. 1908. Taschenbuch der Physiologie. Werner Klinkhardt, Leipzig 1908. Leib und Seele. Grundzüge der Physiologie des Nervensystems und der physiologischen Psychologie. 1911. Die Arbeitsleistungen des Menschen. Einführung in die Arbeitsphysiologie. B. G. Teubner, Leipzig / Berlin 1916. Geschlechtsunterschiede und Fortpflanzung des Menschen. Teubner, Leipzig 1916. Leitfaden der klinischen Elektrokardiographie. Thieme, Leipzig 1917. Emil du Bois-Reymond (= Max Neuburger (Hrsg.): Meister der Heilkunde. Band 3). Rikola Verlag, Wien 1922 (). Als Mitherausgeber Mit Ludwig Mann, Max Levy-Dorn, Paul Krause: Handbuch der gesamten medizinischen Anwendungen der Elektrizität einschließlich der Röntgenlehre. Werner Klinkhardt, Leipzig 1909–1924.

Literatur

Einzelnachweise

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