Christine Chivallon (* 17. März 1961) ist eine französische Anthropologin und Geografin sowie Forschungsleiterin am CNRS. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Gesellschaften der Karibik, in Erinnerung und Materialität sowie in Migrations- und Diasporastudien. Sie ist Gastwissenschaftlerin am Kellogg College der University of Oxford. Zu ihren vielbeachteten Büchern zählen La diaspora noire des Amériques (‚Die schwarze Diaspora des amerikanischen Kontinents‘, 2016) und L’esclavage, du souvenir à la mémoire (‚Sklaverei: Vom Erinnern zur Erinnerung‘, 2012).
Leben Chivallon promovierte 1992 an der Universität Bordeaux III in Geografie und erwarb 2012 an der EHESS eine Habilitation in Anthropologie. 1993 trat sie in das CNRS ein, wurde 2007 zur Forschungsleiterin ernannt und 2014 zur Forschungsleiterin erster Klasse befördert. Sie war in mehreren Forschungseinheiten tätig (darunter CEAN/LAM und Passages) und ist seit 2021 dem Laboratoire Caribéen de Sciences Sociales (LC2S, UMR 8053) der Université des Antilles zugeordnet. Seit 2013 ist sie als Gastwissenschaftlerin dem Kellogg College der University of Oxford verbunden. An Sciences Po Bordeaux gründete sie die Studien- und Lehrfilière Filière Intégrée France–Caraïbe (FIFCA). Für ihre wissenschaftlichen Leistungen erhielt sie 2000 die Bronzemedaille des CNRS.
Wirken Chivallon nimmt zur Betrachtung von Materialität, Raum und Identität in karibischen Gesellschaften sowie in karibischen Diasporas in Europa anthropologische und geografische Blickwinkel ein. Ein zentraler Schwerpunkt ist die Erinnerung an die Sklaverei und deren Wirkung auf soziale Imaginationen und Machtverhältnisse. Mit La diaspora noire des Amériques legte sie eine theoretisch fundierte Synthese zur Forschung über die schwarze Diaspora im amerikanischen Doppelkontinent vor. In L’esclavage, du souvenir à la mémoire entwickelt sie auf Basis langjähriger Feldforschung eine Anthropologie des Erinnerns in der Karibik. In L’humain-l’inhumain. L’impensé des nouveaux matérialismes thematisiert sie blinde Flecken neuer Materialismen und die ontologische Wende mit Blick auf koloniale Fragen. Der Band erschien 2022 in der Reihe Matérialité/ontologie/plantationocène des LAM. Ihre Arbeiten finden in den öffentlichen Debatten zur Erinnerung an die Sklaverei in Frankreich Anklang. Zuletzt befasste sie sich mit dem Einsatz zeitgenössischer Kunst auf ehemaligen Plantagenmuseen in Martinique als Mittel zur (Re-)Produktion sozial-rassistischer Hierarchien.
Einzelnachweise
Kategorie:Anthropologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Geograph (21. Jahrhundert) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1961 Kategorie:Frau