mini|Das Schlachtdenkmal von Bad Ragaz (2026) Das Schlachtdenkmal von Bad Ragaz ist eine von Paul Walter Adam geschaffene Kunststeinplastik in Bad Ragaz im Schweizer Kanton St. Gallen, die an die Schlacht bei Ragaz von 1446 erinnert. Es wurde am 1. August 1939, einen Monat vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, eingeweiht und ist ein Zeugnis der Geistigen Landesverteidigung.

Geschichte Am 6. März 1446 besiegte ein eidgenössisches Heer im Rahmen des Alten Zürichkriegs bei Ragaz ein zahlenmässig angeblich weit überlegenes Kontingent der Habsburger. Die Schlacht hatte jedoch weder militärisch noch politisch oder territorial entscheidende Folgen und spielte in der Schweizer Erinnerungskultur lange kaum eine Rolle. Die zum Gedenken daran errichtete kleine Schlachtkapelle an der heutigen Sarganserstrasse verfiel über die Jahrhunderte und wurde 1844 abgebrochen.Kanton St. Gallen, Amt für Kultur: SAF_36_08: Bad Ragaz, Schlachtkapelle. 21. Januar 2020 (PDF; 1,2 MB).

Erst zur Zeit der Geistigen Landesverteidigung wurde der Schlachtort – wenn auch nur kurzzeitig – zu einem «Gedächtnisort mit Bedeutung und Beachtung über Ragaz hinaus». Der Verkehrs- und Kurverein Ragaz plante in den 1930er Jahren, historische Stätten der Gemeinde mit Gedenktafeln zu versehen, und sein Präsident Wilhelm Frey regte in diesem Zusammenhang an, ein Schlachtdenkmal bei der abgegangenen Kapelle zu errichten. Mit der Ausführung wurde der einheimische Bildhauer Paul Walter Adam betraut.Eine Gedenktafel für die Schlacht bei Ragaz 1446. In: Schweizer Veteran. Band 10, Nr. 8, 1. August 1939, S. 181 (online). Die Einweihung fand am Bundesfeiertag, dem 1. August 1939, einen Monat vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, statt. Die Festrede hielt Oberstdivisionär Eugen Bircher.Denkmaleinweihung. In: Neue Zürcher Nachrichten. 2. Blatt. Nr. 179, 3. August 1939, S. 4 (online).

Am 6. März 1940 legte die Gebirgsgrenzfüsilierkompanie I/282 bei heftigem Schneefall einen Kranz vor dem Schlachtdenkmal nieder. mini|Das 1941 errichtete Bruder-Klaus-Denkmal bei der Pfarrkirche Als «Pendant» zum Schlachtdenkmal wurde 1941 bei der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt ein Denkmal für Bruder Klaus errichtet, zumal dieser als Rottenführer an der Schlacht teilgenommen habe. Die etwa 2,50 Meter hohe Figur stammt ebenfalls von Paul Walter Adam.Erstellung eines Bruder-Klausen-Denkmals in Ragaz. In: Neue Zürcher Nachrichten. 1. Blatt. Band 37, Nr. 164, 17. Juli 1941, S. 1 (online) mini|Das 1945/46 im Vorraum der Kapelle St. Leonhard angebrachte Fresko mit dem Schlachtbericht Einen letzten Höhepunkt erreichte der Kult um die Schlacht bei Ragaz anlässlich des 500-jährigen Jubiläums im Jahr 1946. Im Vorfeld restaurierte man den Innenraum der Kapelle St. Leonhard und legte dabei spätgotische Fresken frei. Obschon der Sakralbau keinerlei Bezug zum Gefecht hatte, erklärte man ihn zur «Schlachtkapelle» und malte seine Vorhalle mit dem vollständigen Schlachtbericht von Aegidius Tschudi aus.Linus Birchler: St. Leonhard bei Ragaz. In: Neue Zürcher Nachrichten. 2. Blatt. Nr. 298, 22. Dezember 1945, S. 1 (online). Das Schlachtdenkmal wurde einstweilen in die Nähe der Kapelle transloziert und mit einem neuen Sockel versehen. Die ursprüngliche Inschrift wurde dabei leicht modifiziert: Die Schlusszeile «Schweizer, gedenke deiner tapfern Väter» wurde eliminiert und die Ortsangabe «an dieser Stätte» zu «in dieser Gegend» angepasst. Bei der Schlachtfeier am 10. März 1946 hielt der reformierte Gemeindepfarrer, Feldprediger Hauptmann Meyer, vor dem Denkmal eine Rede, in der er betonte, das Fest solle «nicht Krieg- und Waffentaten verherrlichen, sondern an den Opfermut und die Gottesfurcht der Vorfahren gemahnen» und die Kriegerskulptur «heute und in Zukunft ein Beispiel sein». Er legte einen Lorbeerkranz nieder, und die Gemeinde sang Rufst du, mein Vaterland.Ragazer Schlachtfeier. In: Neue Zürcher Zeitung. Blatt 2. Nr. 425, 12. März 1946, S. 1 (online).

Beschreibung Auf der Vorderseite des Postaments ist eine Tafel mit folgender Inschrift eingelassen:

Die darauf platzierte Statue aus Kunststeinbasalt zeigt einen knienden eidgenössischen Krieger in mittelalterlicher Rüstung mit Brustpanzer und Helm. Er stützt sich auf einen massiven Morgenstern und hat die Hände zum Gebet gefaltet. Der Ragazer Bürger Oberst Ewald Locher stand dafür Modell.Matthias Weishaupt: Regionales Schlachtgedenken: Heldenmut und Heldenblut bei Ragaz. In: Sankt-Galler Geschichte 2003. Band 8: Die Zeit des Kantons 1945–2000. St. Gallen 2003, S. 241.

Deutung Wie das zwei Jahre zuvor eingeweihte Schlachtdenkmal von Giornico muss auch das Schlachtdenkmal in Bad Ragaz primär im Kontext der Geistigen Landesverteidigung und des sich abzeichnenden Weltkriegs verstanden werden. Es diente als Symbol des Schweizer Wehrwillens in Zeiten der Bedrohung durch fremde Mächte. Die Neue Berner Zeitung schrieb beispielsweise im Dezember 1939, der dargestellte Eidgenosse ermahne «zur Besinnung und Bereitschaft».Ein sinnvolles Schlachtdenkmal. In: Neue Berner Zeitung. Band 21, Nr. 301, 23. Dezember 1939, S. 12 (online).

Matthias Weishaupt sah in der Denkmalerrichtung und der Schlachtfeier auch den Versuch, einen politischen Mythos für den gesamten Kanton St. Gallen zu begründen, was unter anderem daran gescheitert sei, dass im Narrativ der Ragazer Schlacht eine konkrete Heldenfigur wie Arnold Winkelried (Unterwalden) oder Ueli Rotach (Appenzell) fehle.Matthias Weishaupt: Regionales Schlachtgedenken: Heldenmut und Heldenblut bei Ragaz. In: Sankt-Galler Geschichte 2003. Band 8: Die Zeit des Kantons 1945–2000. St. Gallen 2003, S. 242. Ferner seien gar keine «Sankt-Gallischen» Krieger in die Kampfhandlungen involviert gewesen.Matthias Weishaupt: Regionales Schlachtgedenken: Heldenmut und Heldenblut bei Ragaz. In: Sankt-Galler Geschichte 2003. Band 8: Die Zeit des Kantons 1945–2000. St. Gallen 2003, S. 240.

Als gesamtschweizerisch identitätsstiftende Erzählung eigneten sich weder die Schlacht bei Ragaz im Besonderen noch der Alte Zürichkrieg im Allgemeinen, da hier Schweizer gegen Schweizer gekämpft hatten. Das mag dazu beigetragen haben, dass auch das Schlachtdenkmal kaum ins kollektive Bewusstsein Eingang fand. Die Bundesfeiermarken von 1940, die Schweizer Schlachtdenkmälern gewidmet waren, nahmen es nicht auf und zeigten stattdessen das Winkelrieddenkmal in Stans (Schlacht bei Sempach 1386), das Schlachtdenkmal in Giornico (Schlacht bei Giornico 1478), das Fontana-Denkmal in Chur (Schlacht an der Calven 1499) und die Sentinelle des Rangiers im Kanton Jura (Erster Weltkrieg).Ausgabe von Bundesfeiermarken. In: Neue Berner Zeitung. Band 22, Nr. 63, 14. März 1940, S. 3 (online).

Siehe auch Liste von Denkmälern im Kanton St. Gallen

Literatur Matthias Weishaupt: Regionales Schlachtgedenken: Heldenmut und Heldenblut bei Ragaz. In: Sankt-Galler Geschichte 2003. Band 8: Die Zeit des Kantons 1945–2000. St. Gallen 2003, S. 240–242.

Weblinks

Schlachtdenkmal auf Ragaziana.ch (Bilder)

Einzelnachweise

Kategorie:Denkmal in der Schweiz Kategorie:Skulptur (1939) Kategorie:Kriegerdenkmal in der Schweiz Kategorie:Bad Ragaz