Das Generalkapitanat der Philippinen umfasste von 1565 bis 1898 den heutigen philippinische Archipel (sowie die Marianen- und Karolineninseln) als Kolonie Spaniens. In dieser Periode stand das Generalkapitanat zunächst unter dem Vizekönigreich Neuspanien (bis 1821) und wurde nach der Unabhängigkeit Mexikos direkt von Madrid verwaltet. Der spanische Gouverneur (Generalgouverneur oder Generalkapitän) übte fast absolute Herrschaft aus und repräsentierte die Krone, während die Real Audiencia von Manila als höchstes Gericht und Kontrollorgan ergänzend wirkte. Kennzeichnend für das Generalkapitanat war die groß angelegte Missionierung der indigenen Bevölkerung durch katholische Orden, die Ausbeutung lokaler Ressourcen und der Fernhandel (etwa über das Manila–Acapulco-Galeonensystem) sowie wiederkehrende Aufstände (z. B. die Cavite-Meuterei 1872 oder die philippinische Revolution 1896) gegen die spanische Herrschaft. Diese endete mit dem Spanisch‑Amerikanischen Krieg 1898, in dessen Folge die Philippinen an die USA fielen.
Geschichte mini|Koloniales Manila (1826) Bereits kurz nach der Landung Magellans (1521) gab es erste christliche Konversionen (erste Messe auf Limasawa, 14. April 1521). Innerhalb von 25 Jahren nach 1521 sollen etwa eine Viertelmillion Filipinos (ca. 50 % der damaligen Gesamtbevölkerung) zum Christentum übergetreten sein. Die spanische Eroberung begann 1565 mit der Expedition von Miguel López de Legazpi, obwohl die Philippinen eigentlich im Vertrag von Saragossa der Einflusssphäre Portugals zugesprochen worden waren. König Philipp II. verfügte umgehend die Einsetzung eines Gouverneurs; 1567 wurde Legazpi zum ersten Generalkapitän bestellt, der mit quasi-monarchischen Vollmachten herrschte. Die Spanier gründeten 1571 in Manila (Luzon) ihren Verwaltungssitz, errichteten Kirchen und Fortifikationen (Intramuros) und begannen, das Archipel sukzessive zu unterwerfen.
Im Jahr 1574 wurde das Generalkapitanat der Philippinen als Untergebiet des Vizekönigreichs Neuspanien eingerichtet. Um die spanische Herrschaft zu festigen, richtete Philipp II. 1583 die Real‑Audiencia von Manila ein – ein oberstes Tribunal mit päpstlichem Präsidenten und Richtern, das nicht nur Recht sprach, sondern auch Verwaltung und Finanzen kontrollierte. Der Generalgouverneur führte militärisch und administrativ die Kolonie, konnte Krieg erklären, Frieden schließen und über Einheimische herrschen. Sein Wirken wurde durch die Audiencia geprüft: Seit ihrer Gründung überwachte sie Ausgaben und legte jährlich Rechenschaft vor.
Die Kolonie war politisch zum größten Teil stabil, litt jedoch unter Perioden heftiger Konflikte. Die spanische Herrschaft über die Philippinen war ständig durch Aufstände der einheimischen Bevölkerung und Invasionen durch die Niederländer, Chinesen, Japaner und Briten bedroht. Spanische Truppen schlugen immer wieder Angriffe nieder – etwa die Landung des chinesischen Piraten Limahong 1574 in der Bucht von Manila – und wehrten niederländische Überfälle (17. Jahrhundert) ab. 1762–1764 eroberten britische Truppen zeitweilig Manila im Siebenjährigen Krieg. Gleichzeitig kam es zu vielen lokalen Erhebungen: So dauerte der Dagohoy-Aufstand auf Bohol (1744–1829) über 50 Jahre. Ein Krieg mit den muslimischen Moro dauerte mehrere hunderte Jahre, bevor die Spanier im 19. Jahrhundert schließlich Teile Mindanaos unterwerfen konnten und das Sultanat von Sulu schließlich 1878 die spanische Oberherrschaft anerkennen musste.
Der Verlust Mexikos erschwerte schließlich die spanische Kontrolle über die Pazifikinseln, und nach der Unabhängigkeit Mexikos 1821 musste die Verwaltung der Philippinen direkt von Spanien aus organisiert werden. Im 19. Jahrhundert entluden sich wachsende Unzufriedenheit und Nationalismus im Aufstand von Cavite (1872) sowie der Revolution von 1896–1898 gegen die spanische Kolonialherrschaft. Im Spanisch-Amerikanischen Krieg verloren die Spanier schließlich die Kontrolle über die Philippinen, wobei die USA die Philippinische Revolution niederschlugen und das Land in eine amerikanische Kolonie verwandelten.
Verwaltung mini|Generalkapinat mit überseeischen Zugehörigkeiten Eine wichtige Rolle in der Verwaltung des Gebiets spielte der Indienrat (Consejo de Indias) in Spanien. Dieser empfahl neue Gouverneure, die der König ernannte. Der Generalgouverneur (Generalkapitän) war militärischer Oberbefehlshaber und oberster Zivilverwaltungsbeamter. Er verfügte über Exekutiv- und Legislativkompetenz (d. h. er erließ lokale Verordnungen), eingeschränkt durch Instruktionen des Königs oder des Vizekönigs von Neuspanien (bis 1821). Seine Amtsführung konnte durch Residenzen und Besucherprüfungen kontrolliert werden. Die Real‑Audiencia Manila war ab 1584 die wichtigste Kontrollinstanz. Sie bestand aus einem Präsidenten (anfangs zugleich Generalgouverneur), mehreren Richtern („Oidores“) und einem Staatsanwalt („Fiscal“). Gerichtsbarkeit, Finanzaufsicht und Administrative lagen in ihren Händen. Lange Zeit leitete der Gouverneur-General die Audiencia, was Machtmissbrauch begünstigte; ab dem 19. Jahrhundert wurde dieses System reformiert, und die Audiencia gewann mehr Unabhängigkeit. Daneben beaufsichtigte der Erzbischof von Manila als geistlicher Prälat auch gesellschaftliche Belange, was zu Konflikten mit der Kolonialregierung führte.
Die Philippinen wurden von den Spaniern in Provinzen und Gemeinden aufgeteilt. Diese unterstanden teils der Audiencia, teils direkt dem Gouverneur, je nach Größe und Bedeutung der Provinz. Auf lokaler Ebene stand an der Spitze der befriedeten Provinzen (alcaldías) der Provinzgouverneur (alcalde mayor). Die nicht befriedeten Militärzonen (corregimiento) wie Mariveles und Mindoro wurden von den corregidores geleitet. Auch die Stadtverwaltungen (ayuntamientos) wurden von einem alcalde mayor geleitet. Bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es 24 Provinzen, 19 alcaldías mayores und fünf corregimientos.Memorias históricas y estadísticas de Filipinas y particularmente de la grande isla de Luzon. Author: Rafael Díaz Arenas. Publicado por Imprenta del Diario de Manila, 1830
Demografie Die spanische Kolonialverwaltung führte erste Volkszählungen durch, die jedoch nie ganz zuverlässig waren. Vor der Ankunft Spaniens (ca. 1565) wird die Gesamtbevölkerung des Archipels auf etwa 1,5 Millionen geschätzt. Der größte Teil waren indigen philippinische Völker („Indios“ nach spanischer Einteilung), etwa Tagalog, Visayaner, Ilokano, Kapampangan usw. Bereits im 14. Jh. hatte sich durch südostasiatischen Handel der Islam in Teilen Mindanaos und des Sulu-Archipels ausgebreitet; die spanische Missionierung ab 1521 brachte christliche Mehrheiten im intensiver kolonisierten Norden (vor allem in Luzon und den Visayas) hervor. Ähnlich wie in Amerika kam es auch auf den Philippinen zu einem anfänglichen Bevölkerungsrückgang durch die spanische Kolonisierung, der jedoch weniger drastisch war als in Amerika. Nach zwei Jahrhunderten mit stagnierender Bevölkerung setzte ab 1800 ein starkes Wachstum ein und gegen Ende der spanischen Kolonialzeit lebten über sechs Millionen Menschen auf den Inseln.
Peninsulares (spanische Kolonialbeamte und Siedler), Insulares (in den Philippinen geborene Spanier) und Mestizen (Kinder von spanischen Vätern und einheimischen Müttern) bildeten während der Kolonialzeit eine privilegierte Oberschicht. Ein signifikanter Teil der Bevölkerung in den Städten waren chinesische Migranten („Sangley“), die seit dem 16. Jahrhundert als Kaufleute nach Manila kamen. Diese kamen zunächst fast ausschließlich männlich und vermischten sich in den Kolonien vielfach mit Einheimischen, so dass sich bis zum 19. Jahrhundert eine große Gruppe chinesisch-filipinischer Mestizen bildete. Im späten 19. Jahrhundert waren viele der wirtschaftlich erfolgreichen Handels- und Plantagenbesitzer chinesischer Abstammung.
Im Lauf der Kolonialzeit wurden die Bevölkerungsgruppen rechtlich strikt getrennt: Die „Gente de razón“ (Spanier und Mestizen) genossen Privilegien, die „Indios“ mussten Abgaben zahlen. 1884 schaffte man in einem Reformgesetz jedoch das alte System ab: Fortan erhielt jede erwachsene Person – Spanier wie Filipinos oder Ausländer – eine nummerierte Personenkarte mit Steuerklasse, ungeachtet von ethnischer Kategorie. Damit verloren die früheren kastenartige Unterscheidungen „Peninsulares“, „Insulares“, „Mestizos“ oder „Indios“ ihre amtliche Bedeutung.
Wirtschaft mini|Spanische Galeone Die Wirtschaft des Generalkapitanats basierte lange Zeit auf dem Manila‑Acapulco‑Galeonensystem (1565–1815). Jährlich verkehrende spanische Galeonenflotten transportierten asiatische Luxusgüter (vor allem chinesische Seide, Porzellan, Gewürze) von Manila nach Acapulco und brachten im Gegenzug große Mengen mexikanisches Silber in die Kolonie. Manila wurde dadurch zu einem der wichtigsten Häfen im Fernhandel Asiens. Der Galeonentransport gilt als wirtschaftliche Lebensader der Kolonie: die Gewinne (manche Chargen brachten 100–300 % Profit) kamen weitgehend der Kolonialverwaltung und der Kirche zugute. Die Abhängigkeit vom Seehandel machte die Wirtschaft zudem anfällig für die negativen Auswirkungen der Piraterie.
Lokale Wirtschaftszweige entstanden vor allem in der Landwirtschaft. Anbauprodukte wie Tabak, Zuckerrohr, Reis, Indigo und der berühmte Manila-Hanf (Abacá) wurden kultiviert und exportiert. Die Spanier führten ein feudales Agrarsystem rund um große Landgüter ein. Im Rahmen des bis ins 18. Jahrhundert praktizierten Encomienda-Systems mussten alle einheimischen Männer neben der Entrichtung von Abgaben 40 Tage Zwangsarbeit leisten, was später auf 15 Tage reduziert wurde. Während die Spanier neue Kulturpflanzen aus Amerika einführten, blieben die bergbauliche Errungenschaften dagegen gering: Es gab nur wenige Gold- oder Kupfervorkommen, auch der Silberreichtum hielt sich in Grenzen. Infolgedessen investierten die Spanier kaum in eine industrielle Entwicklung oder die Infrastruktur; viele Ressourcen flossen stattdessen in den kontinuierlichen Güterimport für das Galeonensystem.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts änderte sich die Handelslage: Direktverbindungen von anderen Kolonialmächten nach China reduzierten die Bedeutung des Galeonensystems. 1784 wurde die königliche Handelskompanie aufgelöst, 1834 unter Karl III. der Handel liberalisiert – die Häfen wurden für andere Nationen geöffnet. Diese Reformen führten zu einer Stimulierung der Außenwirtschaft und verhinderten zwar ein abruptes ökonomisches Vakuum nach dem Ende der Galeonen, beseitigten aber nicht die strukturelle Abhängigkeit der Kolonie von Rohstoff- und Agrarexporten. Insgesamt blieb die philippinische Wirtschaft im 19. Jahrhundert durch Plantagenwirtschaft und Handelsmonopole (etwa das königliche Tabakmonopol) geprägt.
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Einzelnachweise
Kategorie:Geschichte der Philippinen Philippinen Kategorie:Staatsgründung in den 1560er Jahren Kategorie:Aufgelöst 1898