Das Gemälde Bildnis einer jungen Frau (Laura) ist eines der wenigen Werke, das sicher Giorgione zugeschriebenen werden kann. Es zeigt eine junge Frau in einem roten, pelzgefüttertem Mantel vor einem Lorbeerzweig. Das Portrait stammt aus dem Jahre 1506 und ist in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums Wien (Inventarnummer 31) ausgestellt.

Beschreibung Das Gemälde Giorgiones (voller Name Giorgio da Castelfranco) zeigt das Portrait einer jungen Frau vor einem Lorbeerzweig. Sie trägt einen roten, pelzverbrämten oder pelzgefütterten Mantel der ihre Brust nur halb bedeckt. Die Wirkung der für Giorgione charakteristischen gedämpften Farbgebung wird durch die fließenden Übergängen der Farben und den sinnlichen Reiz des Pelzes auf der nackten Haut weiter gesteigert.

Jonathan Jones vom The Guardian beschreibt das Portrait wie folgt: „Aber Lauras erotische Selbstenthüllung ist ruhig, fast streng. Sie schaut uns nicht an, sondern weg, zur Seite; sie interessiert sich nicht für unseren Blick – es geht um etwas anderes. Ihr Haar ist zurückgebunden, eine Strähne hängt lose herunter, und ein weißer Schleier, der wie eine luftige Schlange um sie herumflattert, verleiht diesem Gemälde eine sagenumwobene Schönheit und Eleganz, wie eine Illustration in einem Wappenbuch, das eine Tugend oder eine Begabung darstellt.“

Interpretation Der Lorbeerzweig und die halbentblößte Brust führten zu unterschiedlichen, sich zum Teil widersprechenden Deutungen:

Eine Deutung, die im 17. Jahrhundert aufkam, sieht in der Frauengestalt Francesco Petrarcas Geliebte und Muse Laura de Noves. Das Bildnis wird dann als eine Art Wettbewerb zwischen der Malerei und der Poesie interpretiert und als eine „stumme“ Huldigung der weiblichen Schönheit schlechthin. Gegen diese Interpretation spricht, dass Petracas Laura blond und blauäugig war. Sie galt auch als Inbegriff der Tugend, was der entblößten Brust widerspricht. Lorbeer wurde in venezianischen Bildnissen von Liebes- oder Ehepaaren häufig als Zeichen der Keuschheit und/oder Treue verwendet. Somit könnte die dargestellte Person das Pendant zu dem auf der Rückseite des Bildes genannten Auftraggeber gewesen sein. Vielleicht handelt es sich bei der dargestellten Person aber „nur“ um eine Kurtisane.

Letztendlich bleibt unklar, wen das Gemälde darstellt und welche Aussage es mitteilt.

Namensgebung, Autorenschaft und Bedeutung mini|Giorgione: Die alte Frau Der Name Laura leitet sich von dem Lorbeerzweig im Hintergrund des Portraits ab. Lorbeer wird im Italienischen mit Lauro bezeichnet. Giorgione hat neben der Laura nur noch ein weiteres Frauenportrait gemalt, die alte Frau. Das Gemälde befindet sich in der Gemäldegalerie Accademia in Venedig.

Das Portrait der Laura trägt auf der Rückseite eine Beschriftung: „1506. adj. primo zugno fo fatto questo da ma de maistro zorzi da chastel fra(nch)cholega de maistro vinzenzo chaena ad istanzia de mis giacmo“. Hieraus ist einerseits das Entstehungsdatum 1506 ersichtlich sowie die Urheberschaft des Giorgio da Castelfranco (chastel fra(nch)cholega). Weiter ist ein Herr Giacomo genannt, wahrscheinlich der Auftraggeber. Es sei noch angemerkt, dass das Gemälde erst zu einem Oval umgearbeitet und später wieder zum Rechteck ergänzt wurde.

Mit dem Bildnis der Laura begann die Suche nach der Darstellung weiblicher Schönheit. Giorgione schuf mit seinem Portrait der Laura den Prototyp für spätere Kurtisanendarstellungen von Tizian, Jacopo Palma oder Paris Bordone.

Provenienz 1636 Sammlung Bartolomeo della Nave, Venedig; 1636–1649 Sammlung James Hamilton, 1. Duke of Hamilton und danach Sammlung Leopold Wilhelm von Österreich, Brüssel; seit 1735 im Kunsthistorischen Museum Wien (bzw. dessen Vorgängerinstitutionen).

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Einzelbelege

Kategorie:Gemälde (16. Jahrhundert) Kategorie:Museumsbestand (Kunsthistorisches Museum) Kategorie:Frauenporträt Kategorie:Gemälde von Giorgione