mini|hochkant|Carl Stooss Carl Gottfried Philipp Stooss (* 28. Oktober 1814 in Lübeck; † 1. März 1905 ebenda) hat vielfache Verdienste um das lübeckische Gemeinwesen erworben und leitete 40 Jahre lang die dortige Gasanstalt.

Leben Laufbahn Nach Beendigung seiner Schulzeit im Katharineum erwarb Stooss in Werkstätten der Städte Lübeck, Hamburg, Hannover und Berlin praktische Kenntnisse. Seiner Neigung zu mathematischen und naturwissenschaftlichen Studien folgend, besuchte er ab Herbst 1837 das Technische Institut in Wien. Dort erwarb er mannigfache Kenntnisse in der Mechanik, in Mathematik, Physik, Chemie und Maschinenzeichnen.

Als Stooss im Oktober 1839 nach Lübeck zurückkehrte, war er hier zunächst als Privatlehrer in der Mathematik und den technischen Wissenschaften tätig.

mini|hochkant|St.-Annen-Kloster-Brand Auf Veranlassung Stooss' väterlichen Freundes dem Branddirektor, Hauptmann Carl Heinrich Ahrens (später Oberstleutnant), im Einvernehmen mit dem Präses der Brandassekuranzkasse war er als Voluntär bei den lübeckischen Löschanstalten für längere Zeit berufen und am 25. August 1843 als Direktionsgehilfe und unbesoldeter Adjutant des Branddirektors von dem Departement der Brandkasse bestätigt. Das große Feuer, welches am Nachmittag des 19. September 1843 im St. Annen-Armen- und Werkshaus ausbrach, veranlasste ein Eingreifen unter sehr schwierigen Verhältnissen. Als Branddirektor Ahrens vollkommen erschöpft war, musste Stooss die alleinige Leitung übernehmen und mir Unterbrechung von wenigen Ruhestunden am Tag wegen der erforderlichen Nachlöscharbeiten bis zum Abend des 21. September auf der Brandstelle bleiben.

Zu seinem Eintritt in die Bürgergarde 1846 musste Stooss, zu seinem Leidwesen, aus der Feuerlöschkorps ausscheiden. Er stieg 1849 zum Unterleutnant, 1853 zum Oberleutnant und 1854 zum Hauptmann der Bürgergarde auf. Anlässlich seiner amtlichen Stellung als Direktor der Gasanstalt wurde ihm auf sein Ansuchen 1855 der Abschied aus der Bürgergarde bewilligt.

Da Stooss von jeher ein ganz ungewöhnliches Interesse am Feuerlöschwesen besaß, hatte er bis 1855 freiwillig bei verschiedenen Feuersbrünsten mitgewirkt. 1846 nahm im Branddirektor Ahrens bei seinem Austritt aus dem Löschkorps das Versprechen ab, ihn auch weiterhin zu unterstützen und sich, wenn er von Lübeck abwesend wäre, um die Löscharbeit zu kümmern. Dies sollte, als 1849 das Eckhaus Königstraße 75 und Hüxstraße 22 brannte, der Fall sein. Da die Feuerwehr ohne Führer war, übernahm er sofort in Zivilkleidung an der Brandstelle mit der Uhr in der Hand auf das Eintreffen der Spritzen wartend das Kommando. Daraufhin wurde er am 22. Dezember 1849 zum zweiten Beamten (Oberleutnant) des Löschkorps und Stellvertreter des Branddirektors gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis zum Ende des Jahres 1880.

mini|hochkant|Gasanstalt mini|Entwicklung der Lübecker Gasanstalten 1854–1904. Ganz besonders ist seine Tätigkeit als Direktor der Lübecker Gasanstalt, der ersten selbstständigen Unternehmens des Staates, hervorzuheben. Die 1851 begonnenen Verhandlungen über den Bau einer Lichtzentrale führten zur Aufstellung eines Kostenanschlages für den Bau und deren Verwaltung auf Rechnung der Stadt.

Im Sommer 1853 erhielt Stoos den Auftrag auswärtige Gasanstalten zu Besichtigen. Zu diesem Zweck besuchte er die Städte Heidelberg, Mannheim, Frankfurt am Main, Köln, Krefeld, Düsseldorf Bremen und Braunschweig. Abschließend berichtete er der Behörde darüber. Die beauftragte ihn dann mit deren Konstruktion und Bau in Lübeck.

Die Errichtung der Gasanstalt wurde am 20. Februar 1854 vom Senat im Einvernehmen mit der Bürgerschaft beschlossen. Aus kleinen Anfängen erwuchs unter dessen technischen Leiter, Direktor Stooss, seit ihrer Eröffnung am 20. Dezember 1854 ein ausgedehnter Betrieb, der finanziell eine große Bedeutung erlangte. Infolge der in der Innenstadt eröffneten Straßenbeleuchtung mit 320 Laternen wurden kurz danach die ersten privaten Leitungen ihrer Nutzung übergeben. 1863 wurde die Gasbeleuchtung auf die Vorstadt St. Lorenz, 1864 St. Gertrud und 1866 St. Jürgen ausgedehnt. 1890 erbat Stooss seine Versetzung in den RuhestandLocal- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 32. Jahrgang, Nummer 21, Ausgabe vom 12. März 1890, S. 120. und der Senat stimmte, nachdem dieser Hugo Burgmann aus Bautzen zu seinem Nachfolger erwählt hatte, dieser zum 1. April 1891 zu.Local- und vermischte Notizen. In: Lübeckische Blätter, 33. Jahrgang, Nummer 4, Ausgabe vom 14. Januar 1891, S. 120. Stooss zog aus dem Direktorenhaus auf dem Gelände der Gasanstalt in der Moislinger Allee 2 in die Mühlenstraße 36 und zog sich Nach seiner Pensionierung ans der Öffentlichkeit zurück.

1894 wurde eine zweite Gasanstalt eröffnet. Mit der lübeckischen Erschaffung einer Ferngasleitung 1903 und der Ausdehnung des Rohrnetzes nach Travemünde und Schwartau 1913 sollte Lübecks Leistungsfähigkeit mit dem Versuch einer Fernversorgung weit über die Staatsgrenzen hinaus selbst im Ausland bekannt werden. Fünfzig Jahre Entwicklung. In: Lübeckische Blätter; 46. Jg., Nummer 51, Ausgabe vom 18. Dezember 1904, S. 752.

Familie Als Stooss am Vormittag des 1. März 1905 entschlief, hinterließ er neben seiner gleichfalls hochbetagten Gattin mehrere Söhne. Zwei von ihnen waren auswärts tätig und einer, Alfred Stooß,Alfred schrieb sich zu jener Zeit noch mit ss. In einigen der ab dem 15. Jahrhundert entstehenden Antiquaschriften ist es eine Ligatur von langem ſ und rundem s. Für das deutsche Eszett der gebrochenen Schriften wurde erst im 19. Jahrhundert ein Antiqua-Gegenstück entworfen. Dagegen gibt es für eine ſs-Ligatur viel ältere Belegstellen. Die genaue Beziehung des Antiqua-ß zu Eszett und ſs-Ligatur ist umstritten. gehörte seit 1897 dem Lübecker Senat an.

Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit Zudem brachte er Anregungen über 14 populäre Vorträge über Mechanik erläutert durch Experimente mit heraus. Diese Vorträge hielt er vom 6. Januar 1840 bis 13. April 1841. Sein Besuch war ein so unerwartet großer Erfolg, dass schon am ersten Abend das dazu benutzte Zimmer zu eng war und fortan ein größerer Raum benutzt werden musste.

Außerdem hielt er ab dem 15. Oktober 1840 eine Reihe von Vorträgen begleitet von Experimenten über Physik. Auch diese waren hervorragend gut besucht. Auch die Damen zeigten, wie es hieß, hierfür ein großes Interesse.

Stooss hatte einen großen Anteil an der Gründung der zu Ostern 1841 eröffneten lübeckischen Gewerbeschule.Die Gewerbeschule gibt es noch heute. Sie ist die Emil-Possehl-Schule.EPS Erste Verhandlungen hierüber begannen in den ersten Monaten des Jahres 1840 und führten nach Aufstellung seines Planes über die Errichtung der Schule im Dezember gleichen Jahres zu einer Verständigung mit der Vorsteherschaft Die Vorsteherschaft der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit. Die bis dahin zur Förderung des lübeckischen Gewerbewesens bestehenden Lehranstalten, namentlich die Zeichenschule und die mathematisch-naturwissenschaftlichen Klassen der Sonntags- und Abendschulen, wurden aufgehoben. An ihre Stelle wurde eine „Gewerbeschule“ mit umfassendem Lehrplan gegründet und Stooss mit ihrer Leitung, die er bis 1854 behalten sollte, betraut.

Schon als Lehrer hatte Stoos es verstanden die Lehrgabe mit der Schulzucht zu vereinigen und eine sehr große Zahl von Schülern verdankte ihm ihre naturwissenschaftliche Bildung. Außer an der Gewerbeschule erteilte er auch lange Jahre an den stark besuchten Realschulen von Petri und v. Großheim, sowie im Reyschen Institut den naturwissenschaftlichen und mathematischen Unterricht.

Seit dem 4. Januar 1841 war Stooss Mitglied der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit und in verschiedenen ihrer Institute tätig. Deren Gewerbeausschuss sollte er 42 Jahre lang angehören.

Seit dem 1. März 1863 hat Stooss als Mitbegründer und Mitglied der Gewerbegesellschaft als ihr langjähriger Vorsitzender durch häufige Vorträge viel bewirkt. Sie ernannte ihn 1888 zu ihrem Ehrenmitglied.

Seiner mathematisch-technischen Neigung und Befähigung verdankte auch seine vom Gewerbeausschuss der Gemeinnützigen herausgegebene, mit vielen Tafeln ausgestattete große Schrift über die „Konstruktion der Maßwerke“ ihre Entstehung. Das Werk bildete über Jahrzehnte in der Gewerbeschule die Grundlage für den Unterricht im Maßwerkzeichnen. Von 1846 bis 1880 gehörte er deren Kommission zur Untersuchung von Dampfkesseln an.

Werke Konstruktion der Maßwerke

Literatur 1062.: Direktor a. D. C. G. Ph. Stooss †. In: Lübeckische Blätter; 47. Jg., Nummer 11, Ausgabe vom 12. März 1905, S. 146–147. Direktor a. D. Carl Stooss †. In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1905, Nr. 10, 5. März 1905, S. 39. Das 50jährige Bestehen der alten Gasanstalt. In: Vaterstädtische Blätter, Jg. 1905, Nr. 1, 1. Januar 1905, S. 1–4. 1054.: Fünfzig Jahre Entwicklung. In: Lübeckische Blätter; 46. Jg., Nummer 51, Ausgabe vom 18. Dezember 1904, S. 751–752.

Weblinks

Referenzen

Kategorie:Person (Lübecker Geschichte) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1814 Kategorie:Gestorben 1905 Kategorie:Mann