mini|Karte des Zentrums für die Koordination von Notfallmaßnahmen (ERCC) vom 26. April 2024 zur Dürre und Ernährungssituation im südlichen Afrika mini|Karte des ERCC vom 14. Juni 2024 zur Dürre und humanitären Situation im südlichen Afrika mini|Dürresituation in Afrika (2024–2025)
Die Dürre in Namibia 2024–2025 war eine landesweite Trockenperiode in Namibia, die nach einer deutlich unterdurchschnittlichen Regenzeit 2023–2024 in weiten Teilen des südlichen Afrikas zu gravierenden humanitären, ökologischen und wirtschaftlichen Folgen führte. Am 22. Mai 2024 erklärte Präsident Nangolo Mbumba den landesweiten Ausnahmezustand wegen der anhaltenden Dürre. Hilfsorganisationen berichteten 2024–2025 von außergewöhnlich hoher Ernährungsunsicherheit infolge ausgeprägter Niederschlagsdefizite und Hitze.
Klimatologischer Hintergrund Die Dürre folgte auf deutliche Niederschlagsdefizite im Südsommer 2023–2024. Zuordnungsforscher konnten zeigen, dass El Niño die Wahrscheinlichkeit eines solchen Dürreereignisses während des meteorologischen Südsommers, also im Dezember, Januar und Februar (DJF), etwa verdoppelte und dass sich für den betrachteten DJF-Niederschlag kein signifikanter Erwärmungseinfluss nachweisen ließ, während höhere Temperaturen die Verdunstung erhöhen und Dürrefolgen verschärfen können. Im Kontext der weltweiten Klimakrise war 2025 laut Copernicus-Daten das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, das Dreijahresmittel 2023–2025 lag erstmals über 1,5 °C gegenüber vorindustriellen Temperaturen, was die Grundbelastung durch Hitze und Trockenstress weiter erhöht.
Verlauf Mit Wirkung zum 22. Mai 2024 setzte die Regierung den Ausnahmezustand in Kraft, um rasch auf Versorgungsengpässe reagieren zu können. Zugleich legte die Regierung ein landesweites Dürrehilfeprogramm auf und weitete Unterstützungsmaßnahmen auf alle 14 Regionen aus, darunter Nahrungsmittel- und Wasserversorgung sowie Unterstützung für besonders Betroffene. ACAPS schätzte, dass die Zahl der Menschen in IPC-Phase 3+ von rund 390.000 (2022–2023) über etwa 695.000 (2023–2024) auf bis zu 1,26 Mio. in der Zeit 2024–2025 anstieg, was die Verschärfung der Krise aufzeigt. Die IFRC passte ihre Hilfe über 2025 hinweg an die anhaltende Notlage und die saisonalen Aussichten an.
Auswirkungen auf Bevölkerung, Landwirtschaft und Ökosysteme Die Dürre führte zu Ernteausfällen, Futter- und Wasserknappheit für Vieh sowie stark steigenden Lebensmittelpreisen, was die Ernährungsunsicherheit besonders in ländlichen und armen Haushalten verschärfte. Zur Überbrückung von Proteinmangel beschloss die Regierung 2024 die kontrollierte Entnahme von Wildtieren (darunter Elefanten, Flusspferde, Büffel, Zebras) zur Verteilung von Fleisch an bedürftige Haushalte, was im In- und Ausland kontrovers diskutiert wurde. Im Jahr 2025 meldete die Regierung die Verteilung von rund 142.000 kg Elefantenfleisch an Haushalte in mehreren Regionen im Rahmen des Dürrehilfeprogramms. Ökologisch wurden großflächige Ausfälle sukkulenter Pflanzen in Namibia und Südafrika dokumentiert, die mit fortschreitender Wüstenbildung, häufiger Hitze und Degradationsprozessen in Verbindung gebracht werden.
Reaktionen und Hilfe Die Regierung koordinierte Nahrungsmittelhilfe, Wasserbereitstellung und soziale Unterstützung, während internationale Partner logistische, finanzielle und technische Hilfe leisteten. Die IFRC startete 2024 einen Emergency Appeal und veröffentlichte 2025 mehrere Lage- und Durchführungsberichte mit Anpassungen der Maßnahmen an die sich ändernde Lage und die saisonalen Aussichten. Die besondere Vulnerabilität von Haushalten, die von Regenfeldbau und Subsistenzwirtschaft abhängen, sowie die Zunahme von prekären Bewältigungsstrategien und Mangelernährung standen dabei im Vordergrund.
Wissenschaftlicher Kontext Für das regionale Dürreereignis 2023–2024 zeigten Zuordnungsstudien, dass El Niño der Schlüsselfaktor für die beobachteten DJF-Niederschlagsdefizite war, während ein signifikanter Erwärmungseinfluss auf die Niederschlagswahrscheinlichkeit nicht nachweisbar war. Zugleich verstärkt die globale Erwärmung über höhere Verdunstung und Hitzeextreme die Auswirkungen bestehender Niederschlagsdefizite. Vor diesem Hintergrund steigt die Bedeutung von Klimaanpassung innerhalb der bekannten Grenzen der Anpassungsfähigkeit in einer sich erhitzenden Welt. Die Copernicus-Daten zur globalen Erwärmung belegen einen dauerhaft erhöhten thermischen Hintergrund, der Dürrefolgen verschärft, selbst wenn einzelne regionale Niederschlagsanomalien primär durch natürliche Variabilität wie El Niño getrieben sind.
Literatur
Einzelnachweise
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