Bernhard Perger von Stainz (* um 1445; † um 1501) war Professor, Dekan und Rektor an der Universität Wien. Er wurde von Friedrich III. zum Superintendenten dieser Universität und zum Kanzler der österreichischen Kanzlei dieses Kaisers bestellt.Franz von Krones: Artikel „Perger von Stanz, Bernhard“. In: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 374–375.Johannes Seidl: Bernhard Perger von Stainz (ca. 1445–1501). Professor in Wien, Frühhumanist und landesfürstlicher Rat. In: Wochenzeitung Weststeirische Rundschau, Simadruck Aigner und Weisi, Deutschlandsberg, Nr. 5, 30. Jänner 2026, 99. Jahrgang 2026, S. 18.
Leben Als Heimatort von Bernhard Perger werden neben Stainz in der Weststeiermark auch Stanz im Mürztal, Stanz bei Mureck oder der Ort Stans in der Schweiz genannt. Über Kindheit und Jugend gibt es keine Informationen.
Seine Immatrikulation an der Wiener Universität reihte ihn an 19. Stelle der „Australes“, der Angehörigen der österreichischen Universitätsnation. Am 17. Juli 1462 erlangte er den Grad eines Bakkalars der Artes, am 25. Februar 1464 wurde er zum Lizentiaten promoviert. Sein finanzielles Vermögen war beschränkt, was durch Ersuchen um Dispens von der Promotionstaxe und andere Zahlungen belegt ist. Am 1. September 1464 scheint er erstmals als „Magister artium Perger de Stanz“ auf. Bald nach dem Magisterium begann er medizinische Studen, die aber ohne Graduierung endeten, ab 1476 betrieb er auch juristische Studien. 1478 erhielt er den Grad eines Bakkalars an der juridischen Fakultät, 1481 jenen eines Lizentiaten des Kirchenrechts („licentiatus decretorum“).
Ob er in Italien humanistische Studien absolvierte, ist nicht erwiesen. Eine Italienreise für das Jahr 1474 wird vermutet. Sie wird durch seine spätere wissenschaftliche Beschäftigung mit der lateinischen Grammatik und den Klassikern (insbesondere Vergil und Sallust) als wahrscheinlich angenommen.
Das genaue Todesdatum und die Grabstätte sind unbekannt.
Tätigkeiten Zentrum seiner Tätigkeiten war Wien und seine Universität.
Seine Vorlesungen behandelten damals mathematische Themen, 1464, 1466 und 1467 Euklid, 1465 die Perspektive. Er wurde als Prüfer (Examinator) für das Bakkalauriat gewählt, was er von 1466 bis 1480 insgesamt fünfmal ausübte. Am 31. Mai 1466 wurde ihm die Regenz verliehen, die ihm Vorrang einräumte gegenüber anderen Professoren, die über den gleichen Stoff lesen wollten. Als Magister regens scheint er auch 1467, 1468 und 1475 auf. Am 5. Mai 1475 wurde er in das consilium facultatis, den engsten Rat der Artistenfakultät aufgenommen.
Im Sommersemester 1478 wurde er zum Dekan (der Artistenfakultät) gewählt, am 13. Oktober 1479 wurde er Rektor der Universität Wien. Er trug damals auch die Titel eines Baccalaureus des „päpstlichen“ (canonischen) Rechtes und von 1475 bis 1481 des Rektors der Stadtschule zu Sankt Stephan, die als Vorstufe zur UniversitätsausbildungAnton Mayer: Die Wiener Stefansschule. In: Blätter des Vereines für Landeskunde für das Land Niederösterreich, Jahrgang 1880, S. 379. angesehen wurde.
Ab 1485/86 war Bernhard Perger Mitglied der österreichischen Kanzlei Kaiser Friedrich III. 1491 war er Protonotar und 1493 österreichischer Kanzler. 1490 (1492) bestellte ihn Kaiser Friedrich III. zum Superintendenten der Universität. Diese Funktion gab ihm zentrale organisatorische Bedeutung. Der Nachfolger Friedrichs III., Kaiser Maximilian I., wies die Hochschule an, ihre Begehren ihm oder dem „Magister Bernhard v. Stanz“ schriftlich einzureichen. Der hohe Rang Bernhard Pergers in der Universitätsverwaltung machte es ihm auch möglich, Humanisten an die Universität zu berufen, wenn er sich zunächst auch gegen die Berufung von Conrad Celtis wendete.
Als landesfürstlicher Verweser der Universität hatte Bernhard Perger von Stainz die Gebarung mit der Dotation der Universität zu überwachen und zweckmäßige Neuerungen anzubahnen. Er versuchte, die scholastische Behandlungsweise der bis dahin nur von Emendatoren und Glossatoren bearbeiteten Klassiker wie Aristoteles, Euklid, Hippokrates, Galen auf Grundlage ihres (wenngleich lateinischen) Textes durchzusetzen. Seine Vorlesungen beschäftigten sich mit Vergils Aeneis (1475/76), Sallusts De bello Iugurthino (1479/80) und Horaz’ Oden (1481/82).
Nach dem Herrschaftsantritt Kaiser Maximilian I. förderte Bernhard Perger von Stainz Neuerungen nach dem Vorbild italienischer Universitäten. Es wurden öffentliche Colloquien und Disputationen vor der Aula an Sommerabenden abgehalten. Diese „conversationes plateales“ wurden jedoch in Folge nächtlicher Studentenunruhen („disturbationes scholarium“) nur 1493 versucht, 1494 wieder abgestellt. Sein Nachfolger in der Stellung eines Superintendenten der Universität wurde 1501 Johannes Cuspinian.
Werke Als Hauptwerk von Bernhard Perger gilt sein „Artis grammaticae introductorium“. Dies war die erste lateinische Grammatik eines Humanisten aus dem deutschen Sprachraum und schuf neue Grundlagen für die Erlernung der lateinischen Sprache. Sie erschien erstmals 1480 in Venedig in Druck. Artis grammaticae introductorium in octo partes orationis, in constructiones, in epistolas conficiendas fere ex Nicolai Perotti grammatici eruditissimi traditionibus a magistro Perger translatum. Auf Grundlage der Rudimenta grammaticae des Erzbischofs Niklas Perotti von Siponto (1430–1486). Venedig 1480, Vierte Auflage Wien 1500 bei Johann Winterburger oder Winterburg. Obitus et exequiae – Kayszer Friederichs begencknus, Trauerrede auf den Tod Kaiser Friedrichs III., gehalten am 7. Dezember 1493. Kalender für Kaiser Friedrich III., Widmungsgedichte.
Literatur Michael Denis: Wiens Buchdruckergeschicht: bis M.D.LX. Wien 1782. Joseph Aschbach: Geschichte der Wiener Universität im ersten Jahrhundert ihres Bestehens. Festschrift zu ihrer fünfhundertjährigen Gründungsfeier Wien 1865. Anton Mayer: Geschichte der geistigen Cultur in Niederösterreich. Ein Beitrag zu einer Geschichte der geistigen Cultur im Südosten Deutschlands: Erster Band: Der Cultus–Unterricht und Erziehung - Die Wissenschaften 1. Bd. Wien, Seidel, 1878. Karl Partisch: Verzeichnis der Wiener Universitätsprofessoren für die Zeit von 1275 bis 1520. Dissertation Universität Wien 1999. Anton Mayer: Die Wiener Stefansschule. Blätter des Vereines für Landeskunde für das Land Niederösterreich, 1880 II, S. 341–382. Johannes Seidl: Bernhard Perger von Stainz (ca. 1445–1501). Professor in Wien, Frühhumanist und landesfürstlicher Rat. In: Wochenzeitung Weststeirische Rundschau, , Simadruck Aigner und Weisi, Deutschlandsberg, Nr. 5, 30. Jänner 2026, 99. Jahrgang 2026, S. 18.
Artikel „Perger von Stanz, Bernhard“ von Franz von Krones in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 374–375, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Perger,_Bernhard&oldid=- (Version vom 30. Januar 2026, 20:44 Uhr UTC).
Einzelnachweise
Kategorie:Absolvent der Universität Wien Kategorie:Renaissance-Humanist Kategorie:Hochschullehrer (Universität Wien) Kategorie:Rektor (Universität Wien) Kategorie:Kanzler (Hofamt) Kategorie:Österreicher Kategorie:Person (Stainz) Kategorie:Geboren im 15. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 15. oder 16. Jahrhundert Kategorie:Mann