Marcus Favonius (* ca. 90; † 42 v. Chr.) war ein römischer Politiker der späten Republik, der vor allem als enger Anhänger und bewundernder Nacheiferer Catos des Jüngeren, das heißt als Parteigänger der Optimaten im Bürgerkrieg, bekannt wurde.
Leben Rhetorische Ausbildung und frühe politische Auftritte
Favonius stammte vermutlich aus Tarracina. Die in Tarracina gefundene Statue mit der Inschrift M. Favonio M. f. leg(ato) popul(us) Agrigent(inus). wurde lange ihm selbst zugeschrieben, der damit als Quästor oder Legat auf Sizilien gewirkt haben soll. F. X. Ryan zeigte jedoch überzeugend, dass dies unwahrscheinlich ist – weder vor noch nach 49 v. Chr. passt eine sizilische Legatur in seine Biografie –, und identifiziert den Geehrten stattdessen als dessen Vater (Legatur wohl 100–75 v. Chr.). Dadurch war Favonius kein reiner homo novus, sondern stammte aus einer bereits senatorischen Familie.F. X. Ryan: Der bei den Agrigentinern beliebte Legat M. Favonius M. f. In: Faventia. Band 24/2, 2002, S. 33–36 (online). Geboren um 90 v. Chr., war er nur wenige Jahre jünger als Cato, aber deutlich älter als Marcus Iunius Brutus.Plutarch, Brutus 34,3.
Seine rhetorische Ausbildung absolvierte er in Rhodos bei Apollonios Molon, allerdings ohne großen Erfolg: Nach seinem ersten Prozess spottete der gegnerische Anwalt, Favonius habe eher molis (Lasten) als Moloni (bei Molon) studiert.Cicero, Ad Atticum 2,1,9. Eine erhaltene Probe seiner Beredsamkeit ist vermutlich der leidenschaftliche Angriff gegen Tafelluxus bei Aulus Gellius;Gellius, Noctes Atticae 15,8. die Rede richtete sich gegen die Abschaffung oder eine spätere Erneuerung eines sumptuarischen Gesetzes („Luxusgesetz“, nicht der lex Licinia von 97 v. Chr.).Im überlieferten Text des Gellius steht Favorinus, wohl eine Verwechslung eines Skribenten mit dem auch sonst bei Gellius erwähnten Redner Favorinus von Arelate. Die übliche Konjektur zu Favonius und den Bezug auf Marcus Favonius verteidigt F. X. Ryan: Favorinus, Favonius – and Sarmentus. In: Maia. Rivista di Letterature Classiche. Band 46, Nr. 2, 1994, S. 189–196.
Politisch trat er erstmals 61 v. Chr. hervor, als er gemeinsam mit Cato den Konsul Marcus Pupius Piso scharf angriff, weil dieser Publius Clodius Pulcher schützte.Cicero, Ad Atticum 1,14,5. Bei der Volkstribunenwahl 60 v. Chr. unterlag er, klagte dann den erfolgreichen Mitbewerber Quintus Caecilius Metellus Pius Scipio wegen Wahlbestechung (ambitus) an und bewarb sich erneut vergeblich.Cicero, Ad Atticum 2,1,9.
Opposition gegen die Triumvirn, Ämter und innere Konflikte In den folgenden Jahren richtete sich seine Opposition vor allem gegen die Triumvirn. Er verspottete Pompeius’ weiße Beinbinde wegen eines Geschwürs als „Königsbinde“,Valerius Maximus 6,2,7. leistete 59 v. Chr. als letzter Senator den Eid auf Caesars Ackergesetz – nach CatoPlutarch, Cato minor 32,3; Cassius Dio, Historia Romana 38,7,1f. –, wandte sich 57 v. Chr. gegen Pompeius’ cura annonae,Cicero, Ad Atticum 4,1,7 klagte Ptolemaios XII. von Ägypten wegen Mordes an Gesandten und Bestechung an,Cassius Dio, Historia Romana 39,14,1. stimmte 56 v. Chr. Schmähungen gegen Pompeius im Senat zuCicero, Ad Quintum fratrem 2,3,2. und leistete 55 v. Chr. zusammen mit Cato Widerstand gegen die neue Provinzverteilung der Triumvirn.Plutarch, Caesar 21,3; Cassius Dio, Historia Romana 39,34,1. 35,5.
Weitere Stationen seines Wirkens waren 54 v. Chr. der Einsatz für die Freiheit von TenedosCicero, Ad Quintum fratrem 2,9,2. und die Erwartung, dass er – da Cato krank war – bei den Wahlskandalen offen sprechen würde.Cicero, Ad Atticum 4,17,4. 53 v. Chr. wurde er plebejischer Ädil; Stimmenfälschung hätte ihn fast verhindert, doch Cato griff ein. Favonius überließ seinem Freund die Leitung der Spiele fast vollständig, weshalb er in der Volksgunst hinter seinem Kollegen Gaius Scribonius Curio zurückblieb.Plutarch, Cato minor 46,1ff. Plutarchs Formulierung, Curio habe als Amtsgenosse Favonius’ die prächtigen Spiele gegeben, ist wohl dadurch zu erklären, dass Curios Leichenspiele gleichzeitig mit den aedilizischen abliefen und konkurrierten. Kurz darauf warf ihn der Volkstribun Quintus Pompeius Rufus aus geringfügiger Ursache ins Gefängnis.Cassius Dio, Historia Romana 40,45,4. In der Verteidigung Titus Annius Milos 52 v. Chr. spielte er eine Nebenrolle: Cicero berief sich auf eine Drohung des Clodius Pulcher, die Favonius gehört hatte.Cicero, Pro Milone 26,44. Die Praetur erreichte er wahrscheinlich 49 v. Chr.; Velleius Paterculus nennt ihn 48 v. Chr. praetorius.Velleius Paterculus, Historia Romana 2,53,1. Gegen die Praetur 49 v. Chr. jedoch F. X. Ryan: The Praetorship of Favonius. In: American Journal of Philology. Band 115, Nr. 4, Winter 1994, S. 587–601.
Bürgerkrieg und Pharsalos Im Bürgerkrieg verspottete er 49 v. Chr. Pompeius’ Prahlerei, er könne Armeen aus dem Boden stampfen,Plutarch, Pompeius 60,3; Caesar 33,2; Appian, Bella civilia 2,37. lehnte in Capua jede Verhandlung mit Caesar abCicero, Epistulae ad familiares 7,15,2. und ging mit Pompeius nach Griechenland. 48 v. Chr. operierte er in Makedonien unter Metellus Scipio, wurde am Aliakmonas von diesem gerettet,Caesar, Bellum civile 3,34,3–8. brach Verhandlungen mit Caesars Agenten abCaesar, Bellum civile 3,57,5. und kritisierte im Lager von Pharsalos Pompeius’ Zögern und den Luxus der Führungsschicht.Plutarch, Pompeius 67,4; Caesar 41,2. Nach der Niederlage begleitete er Pompeius treu auf der Flucht.Velleius Paterculus, Historia Romana 2,53,1; Plutarch, Pompeius 73,4f.
Nach Pompeius’ Tod begnadigt, kehrte er nach Italien zurück. 44 v. Chr. lehnte er den Beitritt zur Verschwörung gegen Caesar ab – der Bürgerkrieg sei schlimmer als eine gesetzwidrige Monarchie –,Plutarch, Brutus 12,2. schloss sich aber nach der Tat den Caesarmördern an.Appian, Bella civilia 2,119. Im Juni 44 war er in Antium bei Brutus, Cassius und Cicero.Cicero, Ad Atticum 15,11,1.
Ende bei Philippi 42 v. Chr. versuchte er in Sardes vergeblich, zwischen Brutus und Cassius zu vermitteln, und wurde von Brutus scharf zurechtgewiesen.Plutarch, Brutus 34,2–4. Bei Philippi (Schlacht bei Philippi) geriet er in Gefangenschaft und wurde – bereits proskribiert – nach Schmähungen gegen Octavian hingerichtet.Sueton, Augustus 13; Cassius Dio, Historia Romana 47,49,4. Teile seines Vermögens fielen an Gaius Maecenas, darunter der Sklave Sarmentus; seine Frau lebte noch 37 v. Chr., eine Tochter war wohl Favonia..
Die antiken Autoren – vor allem Plutarch – schildern ihn durchgehend als engen Freund und eifrigen Nacheiferer Catos. Häufig erscheint er jedoch als karikierendes Zerrbild Catos. Tacitus zählt ihn neben Quintus Aelius Tubero zu den Namen, die schon der alten Republik lästig waren.Tacitus, Annales 16,22. Diese überpointierte Darstellung hat das Urteil der späteren Forschung stark geprägt und Favonius’ tatsächliche Bedeutung vermutlich unterschätzt.
Literatur
Joseph Geiger: M. Favonius: Three Notes. In: RSA. Band 4, 1974, S. 161–170. Jerzy Linderski: The Aedileship of Favonius, Curio the Younger and Cicero’s Election to the Augurate. In: Harvard Studies in Classical Philology. Band 76, 1972, S. 181–200.
F. X. Ryan: Der bei den Agrigentinern beliebte Legat M. Favonius M. f. In: Faventia. Band 24/2, 2002, S. 33–36 (online). F. X. Ryan: The Praetorship of Favonius. In: American Journal of Philology. Band 115, Nr. 4, Winter 1994, S. 587–601.
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