mini|Hans von der Pahlen Hans von der Pahlen (* 28. Oktober 1740 in Palmse; † 19. Mai 1817 ebenda) war ein deutsch-baltischer Grundbesitzer aus dem Adelsgeschlecht von der Pahlen, russischer Offizier, Bauherr und Architekt des Schlosses Palmse.
Leben und Familie Geboren als Sohn des Ehepaares Arend Diedrich von der Pahlen Freiherr von Astrau (1707–1753) und seiner Gattin Margaretha Elisabeth von der Pahlen (1710–1793), geborene von Derfelden hatte Hans zehn Geschwister.
Von der Pahlen heiratete Beate Ulrica Sophia von der Pahlen geborene Steenbock (1759–1845), mit der er zehn Kinder hatte: Anna Magdalena Juliane (1776–1808), Natalie Wilhelmine Helene (1778–1838), Carl Magnus (1779–1863), Alexis Hans Dietrich (1780–1894), Charlotte Margarethe (1782–1871), Aurora Sophie (1785–1879), Gustav Friedrich (1787–1804), Alexandra Emilie Pauline (1794–1846), Johanna (1795–1845). Walter Riccius, Schlösser und Gärten. Das Gut Palmse und seine Akteure, GRIN-Verlag München 2026, ISBN 978-3-38917-137-0, S. 65.
Werdegang Als Achtgeborener musste Hans von der Pahlen bereits mit jungen Jahren seinen Militärdienst im russischen Heer antreten. Bei den Feldzügen seiner Einheit kämpfte er sowohl auf preußischem als auch polnischem Gebiet. Mit der zaristischen Kriegsflotte kam bis vor die anatolische Küste und wurde dort schwer verwundet. Deshalb gelang es ihm erst 20 Jahre nach dem Tod des Vaters, sich 1773 im Rang eines Oberstleutnants aus den militärischen Verpflichtungen zu lösen.Ants Hein, Palmse – Palms. Ein Herrenhof in Estland, Hattorpe, Eesti Entsüklopeediakirjastus 1996, ISBN 5-89900-042-2, S. 93 f.Pahlen, Hans (Ivan Alekseevič) Frh. v. der (1740-1817). In: BBLd – Baltisches Biografisches Lexikon digital. Abgerufen am 7. Februar 2026.
Anschließend kehrte er im Herbst 1773 nach Gut Palmse zurück, um seiner Mutter und dem Bruder Georg Friedrich (1730–1790) die bei der Verwaltung des Gutes benötigte Unterstützung zu geben. Der Verkauf von Alkohol auf dem russischen Markt stellte für sie eine der wichtigsten Einnahmequellen dar.H. von Wistinghausen (Hrsg.), Zusammengetragene Nachrichten. Zwischen Reval und Sankt Petersburg. Erinnerungen von Estländern aus zwei Jahrhunderten, Weissenborn 1993, S. 13 ff. Daher und zur Beseitigung der schlimmsten Schäden nahmen die Brüder 1774 als erste größere Bauaktivität die komplette Erneuerung der Schnapsbrennerei in Angriff.
Im Folgejahr wurde Hans durch einen Erbvertrag das Gut und die darauf befindlichen Gebäude überschrieben.
Öffentliche Ämter Von 1773 bis 1783 versah er das Amt eines Rats der Estländischen Gouverneurs-Regierung in Reval. Von 1783 bis 1798 war er Präsident des Gerichtshofs. 1790 wurde er Staatsrat und 1797 Werbstadt-Rat. Von 1798 bis zu seinem Todesjahr 1817 war er estländischer Landrat. 1807 wurde er zum Geheimrat ernannt. 1814 erhielt er den Annenorden 1. Klasse.
Gutsherr und Bauherr Um die Reststoffe aus der Schnapsbrennerei als Viehfutter zu nutzen, wurde ab 1776 ein neuer Mastochsenstall errichtet. Die für die Sommermonate benötigten größeren Weideflächen wurden durch den Aufbau eines etwas außerhalb gelegenen neuen Weidegutes geschaffen. Zwei Familien seiner Vollbauern, denen dort auch Wohnhäuser errichtet wurden, zogen zur Bewirtschaftung dieses Gebietes dorthin. Ein Jahr später wurde an der Straße nach Witna, im Dorf Sakkosaar/Sakkosare, eine zweite Schnapsbrennerei in Betrieb genommen. Ebenfalls 1777 nahm in Wösso/Vösu eine Ziegelfabrik ihre Tätigkeit auf und konnte neben den Bauziegeln auch Dachsteine herstellen. In den nächsten Jahren wurden bei mehreren Gebäuden des Gutes die Strohdächer durch Dachziegel ersetzt. Im Oktober 1781 wurde auch der hölzerne Viehof durch ein Steingebäude ersetzt.Ants Hein, Palmse – Palms. Ein Herrenhof in Estland, in: ebenda, S. 94.
Für die Planung zum Umbau und Vergrößerung des Herrenhauses nutzten die beiden Brüder die von ihrem Vater aus Preußen und Italien mitgebrachten Architektur- und Baufachbücher in ihrer Bibliothek.Susanna Murel, Palmse Pahlenid raamatupeeglis – põgus pilguheit mõisahärra raamatukokku, SA Virumaa Muuseumid TOIMETISED 2017, S. 51 f. Der Maurermeister Johann Caspar Mohr (1740–1817) erhielt den Auftrag für den Umbau des Herrenhauses und übergab ihnen am 15. April 1782 die von ihm angefertigten Bauzeichnungen. Das Gebäude sollte um ein zweites Stockwerk erhöht werden, das Hauptportal mit zwei ionischen Pilastern und einem gerahmten Giebel gestaltet werden, der im unteren Teil in eine Freitreppe mit geschwungenen Seitenmauern auslief. Der große Vorplatz des Hauses sollte mit einem Zaun und der Eingang durch zwei große Säulen einen repräsentativen Charakter erhalten.National Archives of Estonia, Tallinn, Bestand EHM, Sign. B. 118, S. 11 ff. Die Bauarbeiten begannen mit einer kurzen Verzögerung und dauerten bis Mai 1785. Als Schlusspunkt schnitzte einer der Tischler auf der Treppenbrüstung die Jahreszahl 1785 und die Initialen des Bauherren „HP“ – für Hans von der Pahlen – ein.H. von Wistinghausen (Hrsg.), Zusammengetragene Nachr., ebenda S. 63 ff. mini|Schloss Palmse (Vorderfront)
1794 erhielt das Gotteshaus in Illomaggi ein steinernes Dach und fünf Jahre später musste der Turm instandgesetzt werden. Der um die Kirche angelegte Friedhof, auf dem sein ältester Bruder Gustav Christian 1790 seine letzte Ruhe gefunden hatte, wurde ab 1792 mit einer Mauer umgeben. Auf dem Gutsgelände waren ein Stall, 1793 ein Eiskeller und bis 1799 eine Herberge aus Stein errichtet worden. Für die Bauarbeiten hatten sich mehrere der Handwerker und Maurersleute fest auf dem Gutsgelände angesiedelt. So wurden nicht nur die Ziegelbrenner, sondern auch Zimmermänner und Tischler Einheimische auf Palmse.Ants Hein, Palmse – Palms. Ein Herrenhof in Estland, in: ebenda, S. 162 f. Aufgrund einer um die Jahrhundertwende erfolgten Revision des Gutes Palmse ist bekannt, dass unter Hans von der Pahlen auch ein Brauhaus, eine Badestube, ein Voigtshaus, eine Wasser- und zwei Windmühlen und ein Sägewerk errichtet wurden. Selbst eine Weberei, eine Schmiede, vier Schänken und einen eigenen Kalkofen konnten registriert werden.National Archives of Estonia, Tallinn, EHM, Sign. B.70, Verz.1, Nr. 3, S. 48 f. Die Lagerung und Verkauf von Erzeugnissen aus der Landwirtschaft brachten stabile Gewinne ein.
Im Alter von 76 Jahren starb Hans von der Pahlen am 19. Mai 1817 auf Palmse.
Literatur Ants Hein: Palmse – Palms. Ein Herrenhof in Estland, Hattorpe, Eesti Entsüklopeediakirjastus 1996, ISBN 5-89900-042-2; W. von Hueck: Die Herkunft der ritterschaftlichen Geschlechter in Wierland zu schwedischer Zeit. Material zu einer Gütergeschichte Estlands, Mainz 1972, S. 107; Susanna Murel: Palmse Pahlenid raamatupeeglis – põgus pilguheit mõisahärra raamatukokku, SA Virumaa Muuseumid TOIMETISED 2017; Walter Riccius: Schlösser und Gärten. Das Gut Palmse und seine Akteure, GRIN-Verlag München 2026, ISBN 978-3-38917-137-0; P. von Ungern-Sternberg: Die Revision von J. 1586 und die Befragung von J. 1589. Ein Betrag zur Gütergeschichte Estlands. Beiträge zur Kunde Est-, Liv- und Kurlands, Band VIII, Reval 1915, S. 46 ff. Otto Magnus von Stackelberg: Genealogisches Handbuch der estländischen Ritterschaft, Bd.: 1, Görlitz, 1931;
Quellen
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