Erwin Beyer (* 9. September 1919 in Stennweiler, Saarland; † 29. August 1991 in Düsseldorf) war ein deutscher Bauingenieur und als Oberbaudirektor langjähriger Leiter des Brücken- und Tunnelbauamtes der Stadt Düsseldorf. Er erlangte insbesondere durch die technische Koordination beim Querverschub der Oberkasseler Brücke im Jahr 1976 sowie durch seine maßgebliche Beteiligung an markanten Ingenieurbauwerken wie dem Düsseldorfer Rheinstadion überregionale Bekanntheit.
Leben und Wirken Nach seinem Studium an der Technischen Hochschule München trat Beyer 1946 seinen Dienst als Baurat bei der Stadt Düsseldorf an. Sein erstes Werk war die Mitarbeit am Wiederaufbau der 1945 von der Wehrmacht gesprengten Oberkasseler Rheinbrücke.
Zusammen mit Stadtplaner Friedrich Tamms (1904–1980) führte er die Schrägseilbrücken in den Großbrückenbau ein. Nach dem Bau der Südbrücke (1951), heute Kardinal-Frings-Brücke, und der Nordbrücke, heute Theodor-Heuss-Brücke (Verkehrsübergabe 1957), fungierte Beyer als Baudirektor bzw. Oberbaudirektor beim Bau der Rheinkniebrücke (1965–1969) nebst Rheinalleetunnel. Zudem plante er das Düsseldorfer Tunnelsystem, welches die spätere Umgestaltung der Rheinuferpromenade ermöglichte.
Auch die Entwürfe von Rheinstadion und Eisstadion an der Brehmstraße (dafür erhielt Beyer den Beton-Preis) sind Tamms/Beyer-Werke. Beyers Expertise im Spannbetonbau floss direkt in die Gestaltung der 68.400 Zuschauer fassenden Arena und des Sportzentrums ein.
Federführend war Beyer auch bei der von der Bevölkerung langersehnten Tieflegung der Bundesbahnstrecke Rath-Eller mit Unterfahrung des Staufenplatzes 1982.
Von 1968 bis zu seiner Pensionierung 1984 stand Beyer an der Spitze des damaligen Brücken- und Tunnelbauamtes (heute Amt für Brücken-, Tunnel- und Stadtbahnbau). In seiner Funktion prägte er maßgeblich die Infrastruktur und das Stadtbild der Landeshauptstadt in der Nachkriegszeit und gilt als einer der Väter der Düsseldorfer Brückenfamilie.
Höhepunkt seines ingenieurtechnischen Schaffens stellte der seinerzeit weltweit beachtete Querverschub der Rheinbrücke Düsseldorf-Oberkassel dar. Nachdem die neue Brücke zunächst 47,50 Meter flussaufwärts neben der alten Behelfsbrücke errichtet worden war, wurde sie am 7. und 8. April 1976 unter Beyers technischer Gesamtkoordination an ihren endgültigen Platz verschoben. Bei dieser spektakulären Aktion,Sensation am Rhein: Eine Brücke wird verschoben. DIE ZEIT Nr. 14/1976, 26. März 1976 (digital). bei der die ca. 12.500 Tonnen schwere Konstruktion mit 1 mm/sec bewegt wurde, gefilmt von Kamerateams aus aller Welt,Große Schiebung mit einer Brücke: Wie in Düsseldorf eine technische Glanzleistung Leute narrte. Welt am Sonntag Nr. 6/1976, 8. Februar 1976. versammelten sich 42.000 Zuschauern an beiden Rheinufern.Vom Brückenfamilien-Vater stammt auch das Eisstadion. Rheinische Post 31. August 1991
Im Vorfeld dieses Projekts entwickelte Beyer in langjährigen Materialversuchen u. a. das Neotopf- bzw. Gummitopflager, ein neuartiges Gleitlager, für das er ein eigenes Patent anmeldete.Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 94. Erst diese Innovation ermöglichte die reibungsarme und zugleich stabile Bewegung sowie die dauerhafte Lagerung solch massiver Lasten.
Nach dem von Beyer entwickelten Verfahren wurde 1967 die 6000 Tonnen schwere Johanniterbrücke in Basel um zehn Meter verschoben. Auch beim Bau der Hochstraße Nordfriedhof (Eröffnung 1968/1969) kamen die von Beyer erfundenen Neotopflager zum Einsatz.Jungfernfahrt auf der Hochstraße. Neue Ruhr Zeitung, Nr. 273, 22. November 1968.
Generalprobe für den Querverschub der Oberkasseler Brücke war 1974 die Düsseldorfer Franklinbrücke, die über den breiten Gleiskörper der Bundesbahn geschoben wurde. Die bei diesem Vorgang perfektionierte Technik wird inzwischen überall auf der Welt angewandt.Die größte Schiebung der Welt: Ein Oberbaurat rechnete und fand: Veraltete Brücken kann man in wenigen Tagen auswechseln. Ohne jahrelange Verkehrssperren. Nach seinem Weltpatent entsteht die neueste Rheinbrücke. Welt am Sonntag Nr. 38, Seiten II und III, 19. September 1971.
Ehrungen und Auszeichnungen 1976: Verleihung der Ehrendoktorwürde (Dr.-Ing. E. h.) durch die Fakultät für Bauwesen der Technischen Universität Braunschweig (am 15. Mai 1976) in Anerkennung seiner herausragenden Leistungen im Brückenbau und der Entwicklung innovativer Lagerungstechniken (Neotopf- bzw. Gummitopflager).
Publikationen (Auswahl) Werke (Mitverfasser): Nordbrücke Düsseldorf. Landeshauptstadt Düsseldorf (Hrsg.), Springer-Verlag, Berlin / Göttingen / Heidelberg 1958. Hochstraßen. Beton-Verlag, Düsseldorf 1960. (Mitverfasser): Die Stadtautobahn Düsseldorf. Brücken, Straßen und Hochstraßen der Zufahrt zur Nordbrücke. Landeshauptstadt Düsseldorf (Hrsg.), Kirschbaum Verlag, Bad Godesberg 1960. mit Heribert Thul: Hochstraßen. Beispiele aus deutschen Städten. Beton-Verlag, Düsseldorf 1967. mit Friedrich Tamms: Kniebrücke Düsseldorf. Ein neuer Weg über den Rhein. Beton-Verlag, Düsseldorf 1969. Brückenbau auf neuen Wegen. Beton-Verlag, Düsseldorf 1971. Erwin Beyer und Karl Lange (Hrsg.): Verkehrsbauten. Brücken, Hochstraßen, Tunnel. Beton-Verlag, Düsseldorf 1974. ISBN 3-7640-0089-9 mit Tamms, Kels: Rheinstadion Düsseldorf. Arena und Sportzentrum. Beton-Verlag, Düsseldorf 1978. Erwin Beyer (Hrsg.) Konstruktiver Lärmschutz. Beton-Verlag, Düsseldorf 1982. ISBN 3-7640-0158-5
Beiträge mit Louis Wintergerst: Neue Brückenlager, neue Pfeilerform. In: Der Bauingenieur. 35. Jahrgang, Heft 6, Springer-Verlag, Berlin / Göttingen / Heidelberg 1960, S. 227–230. (Mitautor): Grundlagen des Brückenbaus und Forderungen der Schifffahrt und Strombauverwaltung. In: Brücken für Düsseldorf 1961–62. Springer-Verlag, Berlin / Göttingen / Heidelberg S. 46–58. mit Friedrich Tamms: Fußgängertunnel im Stadtkern Düsseldorfs. In: Der Bauingenieur. 41. Jahrgang, Heft 7, Springer-Verlag, Berlin / Göttingen / Heidelberg 1966, S. 265–274. mit H. Tathoff, H. Schmitz: Rheinstadion Düsseldorf. Sonderdruck aus beton Herstellung Verwendung 21 (1971) H.3, S. 91–100 und H.4, Beton-Verlag, Düsseldorf, S. 132–149. Bauleitung sowie technische und wirtschaftliche Gesamtübersicht. In: Die neue Oberkasseler Brücke Düsseldorf. (Hrsg. Landeshauptstadt Düsseldorf), 1976. Brückenbau in Düsseldorf. Gut gestaltete Stahl- und Betonbrücken im Stadtgebiet Düsseldorf. In: Bundesministerium für Verkehr (Hrsg.): Beitrag zur internationalen Arbeitstagung Brücken- und Ingenieurbau vom 23. bis 25. April 1980 in Saarbrücken. Beton-Verlag, Düsseldorf 1980. mit Dieter Jungwirth und Peter Grübl: Dauerhafte Betonbauwerke: Substanzerhaltung u. Schadensvermeidung in Forschung und Praxis Beton-Verlag, Düsseldorf 1986. ISBN 978-3-7640-0210-7 WDR Beitrag zum 50. Jahrestag Verschiebung Oberkasseler Rheinbrücke ab Minute 34:45: Aktuelle Stunde | 04.04.2026 - https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtMzRhMTAzMDAtYzYwOC00Y2M4LTlkYmItZjk3ZGIzMzhhN2Yz Artikel in Der Spiegel von 1976: https://www.spiegel.de/politik/fahrbares-monster-a-2a65f662-0002-0001-0000-000041330844
Einzelnachweise
Kategorie:Bauingenieur Kategorie:Beamter (Nordrhein-Westfalen) Kategorie:Person (Düsseldorf) Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität Braunschweig Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1919 Kategorie:Gestorben 1991 Kategorie:Mann