Das KZ-Außenlager Zwodau war ein Außenlager der KZs Ravensbrück und Flossenbürg in Zwodau, dem heutigen Svatava. Vom 30. November 1943 bis zum 31. August 1944 unterstand es dem KZ Ravensbrück, wurde am 1. September 1944 vom KZ Flossenbürg übernommen und bestand bis zum 20. April 1945. Etwa 1350 insgesamt inhaftierte Frauen, darunter Jüdinnen und Sintize und Rominja aus dem von den Nationalsozialisten besetzten Europa, mussten in Zwangsarbeit Rüstungsgüter für das Luftfahrtgerätewerk Hakenfelde herstellen.

Entstehung alternativtext=Ehemaliges Werksgebäude der Kammgarnspinnerei Ignaz Schmieger (2016)|mini|Ehemaliges Werksgebäude der Kammgarnspinnerei Ignaz Schmieger (2016) Am 3. Dezember 1943 zogen die ersten Frauen in die Gebäude der ehemaligen Kammgarnspinnerei Ignaz Schmieger AG ein. Neben ihrer Arbeit errichteten die Frauen das Lager. Zusammen mit italienischen Gefangenen ebneten sie ein dreieckiges Grundstück, das sich etwa zwei Kilometer außerhalb der Stadt befand, und errichteten vier Baracken – eine als Krankenhaus, eine als Kantine und weitere für die SS-Wachmannschaften. Das Lager war mit Stacheldraht eingezäunt, der anfangs nicht elektrifiziert war. Gegen Ende Juni oder Anfang Juli 1944 zogen die Gefangenen von der Fabrik in das noch nicht ganz fertiggestellte Lager. Später wurden vier Wachtürme und ein elektrifizierter Zaun errichtet, der auch den Arbeitsweg der Frauen umgab und die Wachanforderungen reduzierte.

Insgesamt waren über 1350 Frauen inhaftiert, davon 435 Ungarinnen, unter diesen 235 Jüdinnen, die übrigen Sintize und Rominja, 279 aus Deutschland, 265 aus Frankreich, 158 aus Polen, 121 aus der Sowjetunion, 46 aus Jugoslawien. Die übrigen Frauen kamen aus der Tschechoslowakei und den Niederlanden. Ende Juni 1944 waren 750 Frauen gleichzeitig inhaftiert.

Lebens- und Arbeitsbedingungen Die inhaftierten Frauen mussten in Tages- und Nachtschichten von jeweils etwa 12 Stunden für das Luftfahrtgerätewerk Hakenfelde GmbH aus Berlin-Spandau, einer Tochterfirma der Siemens & Halske AG und der Siemens-Schuckert Werke AG, Autopiloten, Gyroskope und Navigationsinstrumente, Flugzeuginstrumente und -elektronik sowie Kommunikationsgeräte herstellen. Die Leistung der Frauen wurde einzeln erfasst und war an ein Bonussystem gekoppelt. Für minderwertige Leistung gab es Strafen wie Essensentzug; für angemessene oder gesteigerte Leistungen zusätzliche Essensrationen. Die Frauen mussten in ihrer Freizeit zusätzliche Arbeit leisten wie etwa den Transport von Kohle aus Zwodau in das Lager. Mindestens 16 Frauen gelang vom November 1943 bis Mai 1945 die Flucht aus dem Lager, darunter die Französin Janina Bollack-Lesnard, die im November 1944 wegen Verdacht auf Typhus ins Krankenhaus nach Falkenau an der Eger gebracht wurde. Da sie dort nicht bewacht wurde, nutzte sie mit anderen kranken Frauen die Gelegenheit zur Flucht und gelangte bis ins sächsische Heidelberg.

Wachmannschaft alternativtext=Denkmal für das KZ-Außenlager Zwodau (2019)|mini|329x329px|Denkmal für das KZ-Außenlager Zwodau (2019) Die Frauen wurden von 25 SS-Angehörigen und 21 SS-Aufseherinnen bewacht, Kommandoführer war bis Mitte Februar 1945 Kurt Erich Schreiber, gefolgt von Willi Jordan. Den beiden Kommandoführern und den Oberaufseherinnen Schneider und Anneliese Unger wurden von den ehemaligen Inhaftierten nach der Befreiung Misshandlungen, oftmals mit Todesfolge, vorgeworfen, nachgewiesen wurden 50 Todesfälle. Auch der Lagerältesten Johanna Baumann, geborene Forthofer, wurden mehrere schwere Misshandlungen vorgehalten.

Lagerräumung und Nachkriegszeit Im April 1945 wurden über 1000 Frauen in „Evakuierungsmärschen“ aus anderen Außenlagern nach Zwodau gebracht, von denen eine unbekannte Anzahl starb. Während des Marsches bewachte Ruth Elfriede Hildner die Gefangenen aus dem KZ-Außenlager Helmbrechts zusammen mit anderen mit Stöcken bewaffneten Frauen des SS-Gefolges; die SS-Aufseher hatten Gewehre. Dabei selektierte Hildner nicht mehr gehfähige Frauen, die anschließend erschossen wurden; zwei Gefangene beerdigte sie noch lebend in einem Wald in der Nähe von Kvilda. Am 20. April 1945 wurde das Lager geräumt und die verbliebenen Häftlinge in Richtung Tachau bei Karlsbad getrieben. Nach drei Tagen Fußmarsch ließ die SS die Frauen in das bereits weitgehend zerstörte Lager zurückkehren, wo sie am 7. Mai 1945 von der amerikanischen 1. Infanterie-Division befreit wurden.

Zwodau war Station für einen der längsten Todesmärsche. Im Januar 1945 wurden zwischen 2.000 und 3.000 jüdische Frauen aus den KZ-Außenlagern Schlesiersee (heute Sława) und Grünberg (heute Zielona Góra) wegen der herannahenden Roten Armee nach Westen getrieben. Die Frauen waren ausgehungert und geschwächt, ohne warme Kleidung und ohne festes Schuhwerk. Der Weg führte u. a. durch das nach den Bombenangriffen vom 13. Februar brennende Dresden. Der weiteste westliche Punkt des Todesmarsches war das Außenlager Helmbrechts in Bayern. Wegen der herannahenden US-Armee wurde die Evakuierungsrichtung geändert. Als die Frauen am 17. April das Lager Zwodau erreichten, hatten sie 730 km zurückgelegt. Unterwegs waren viele Frauen gestorben, oder ermordet worden. Aber es gab auch – unter eigener Gefahr für Leib und Leben – Hilfe von der deutschen Zivilbevölkerung. Am 6. Mai 1945 wurden die wenigen Überlebenden des Todesmarsches aus Grünberg in Schlesien in Volary von der US-Armee befreit.https://wwv.yadvashem.org/yv/de/exhibitions/volary_death_march/index.asp

1974 leitete die Staatsanwaltschaft München ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes gegen den ehemaligen Kommandoführer Willi Jordan und die Aufseherinnen Anneliese Unger, Schmidt und andere ein. Das Verfahren wurde 1979 eingestellte, da die Angeklagten nicht eindeutig identifiziert werden konnten.

Bekannte Inhaftierte Hildegard Cahn-Loner (1909–1954), deutsche Widerstandskämpferin und Spanienkämpferin Helena Bohle-Szacki (1928–2011), polnische Grafikerin, Modedesignerin und Künstlerin Mathilde Brini (1919–2011), französische Chemikerin und Hochschullehrerin und Mitglied der Résistance

Gedenken Eine Ausstellung zur Lagergeschichte in einer der erhaltenen Baracken zog später ins Kreismuseum Sokolov um und ist dort zu sehen. Von Alliierten Truppen wurde eine Grabstätte für die ermordeten Inhaftierten angelegt. 1963 wurde eine Steinskulptur der tschechoslowakischen Bildhauerin Daniela Vinopalová als Denkmal für die Opfer errichtet. Nach dem 2. Weltkrieg hatte die neue tschechische Regierung kein Interesse am Erhalt des Lagers. Es wurde u. a. mit einem großen Kinderspielplatz überbaut. Am 6. Mai 2026, am Vorabend des 81. Jahrestag der Befreiung des Lagers fand eine Feierstunde mit Einweihung einer stationären Ausstellung statt. Der ehemalige Luftschutzbunker war schon vorher in einen Ausstellungsraum umgestaltet worden. Die Sanierung des Geländes wurde von der Europäischen Union unterstützt. Die Feier wurde mit einem gemeinsamen Gebet von Petr Bauchner von der römisch-katholischen Pfarrei in Sokolov und Chaim Kočí im Namen der jüdischen Gemeinde Karlovy Vary begonnen. Die Arbeit des örtlichen Lehrers und Historikers Václav Němec (5. April 1912 in Kaznějov – 24. Mai 2001 Sokolov) hat wesentlich dazu beigetragen, dass dieses Lager vor dem Vergessen bewahrt wurde.Schautafel vor Ort

Einzelnachweise

Zwodau Zwodau Zwodau Kategorie:Sudetenland Kategorie:Svatava Kategorie:Gegründet 1943 Kategorie:Aufgelöst 1945