Die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (kurz OAZ) ist eine Tageszeitung des Verlegers Holger Friedrich, die seit Februar 2026 werktäglich online sowie als gedruckte Wochenendausgabe freitags im Dresdner Ostdeutschen Verlag erscheint. Die OAZ weist eine große Ähnlichkeit mit der Berliner Zeitung auf. Sie wird als AfD- und russlandnah verortet.
Zielsetzungen und Inhaltliches Profil Laut Herausgeber Friedrich und Chefredaktion soll die Zeitung ein überregionales Angebot „aus ostdeutscher Perspektive“ schaffen und ein Debattenforum sein. In diesem Zusammenhang wird das Ziel formuliert, ein Leitmedium für Ostdeutschland zu werden. Zugleich versichert der Verlag, er wolle sich von Ost-West-Zuschreibungen, Ostalgie und Opfernarrativen abgrenzen.
In einem Mission Statement der Erstausgabe wurde die OAZ als Beitrag zu einer „Vollendung der Wiedervereinigung“ beschrieben. Darin heißt es außerdem, die Zeitung solle die ostdeutsche Perspektive selbstbewusst in den deutschen und europäischen Diskurs einbringen. Als Gründungsimpuls werden in der Darstellung des Verlages Anregungen ostdeutscher Bürger genannt; Presseförderung werde nicht in Anspruch genommen. In den publizistischen Leitlinien wird das Ziel formuliert, den Diskurs um eine „vierte Himmelsrichtung“ zu erweitern und „Perspektivenvielfalt statt Scheinsicherheit“ zu fördern. Im Januar 2026 stellte Friedrich das Projekt zudem bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung im Berliner Theater vor und bekräftigte dort den Anspruch, die Zeitung solle ein Leitmedium für den Osten werden.
Eigentümerstruktur Die OAZ erscheint in dem im November 2025 für diesen Zweck gegründeten Ostdeutschen Verlag, der – wie der Berliner Verlag – zur Ostdeutschen Medienholding GmbH von Holger Friedrich gehört. Er sitzt in Dresden; Geschäftsführer ist der ehemalige Betreiber einer Strategieagentur Dirk Jehmlich. Einzige Gesellschafterin der OMH Ostdeutsche Medienholding GmbH ist die CCG-Commercial Coordination Germany GmbH mit Sitz in Berlin. Deren einziger Gesellschafter wiederum ist Holger Friedrich.Handelsregister, Stand 22. Februar 2026 Gedruckt wird die OAZ bei der zur Verlagsgesellschaft Madsack gehörenden DDV-Gruppe in Dresden, dem Druckhaus der Sächsischen Zeitung.
Redaktion Die OAZ hat Ressorts für Politik, oft mit Fokus auf die politische Stimmung in Ostdeutschland; Wirtschaft & Börse; Kultur & Feuilleton; Meinung sowie Ostdeutschland und Berichterstattung aus den Regionen. Hierbei wurden die Sitze der Fachredaktionen dezentral eingerichtet: Das Wirtschaftsressort sitzt in Dresden, das Kulturressort in Weimar, die Leitung des Politikressorts in Magdeburg. Ein großer Teil der Inhalte wird von der Berliner Zeitung übernommen; im Impressum der OAZ waren im Juni 2026 acht Angehörige der Redaktion verzeichnet, die originär für das Blatt angestellt waren.
Mitglieder der Redaktion sind oder waren u. a.: Dorian Baganz, schied als Chefredakteur drei Wochen nach Gründung aus, zuvor für die Wochenzeitung der Freitag tätig Philippe Debionne, Chefredakteur der Berliner Zeitung, Vorsitzender der gemeinsamen ChefredaktionUmbau der Chefredaktion der Berliner Zeitung nach Start der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. In: Medieninsider. 6. März 2026, abgerufen am 13. März 2026., zuvor u. a. Nordkurier und Schweriner Volkszeitung Alexander Dergay, von September 2025 bis Juni 2026 Redakteur bei der OAZ und der Berliner Zeitung Nora Domschke, Standortleiterin der sächsischen Redaktion, zuvor u. a. für die Sächsische Zeitung tätig Adrian Schintlmeister (Redakteur), zuvor bei TAG24 Florian Warweg, Parlamentsberichterstatter, zuvor tätig für NachDenkSeiten und RT Deutsch Thomas Fasbender, Debatte/Meinung, zuvor u. a. RT Deutsch
Im Juni 2026 berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung, dass auf der Website der OAZ unter „Redaktion“ 315 Autoren gelistet waren, von denen einige nie für die OAZ tätig gewesen seien. Die Anzahl der gelisteten Autoren wurde daraufhin auf 30 Personen reduziert.
Erscheinungsweise Seit ihrem Start erscheint die OAZ werktäglich als E-Paper sowie als gedruckte Wochenendausgabe. Die erste Online-Ausgabe der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung wurde am 19. Februar 2026 freigeschaltet; die Printausgabe startete am 20. Februar in Sachsen. Branchenberichte nennen eine Druckauflage von rund 43.000 Exemplaren im Rheinischen Format mit 56 Seiten. Zur Erstausgabe wurden die gedruckten Exemplare an etwa 7000 Verkaufsstellen ausgeliefert. Die Printausgabe wurde zu einem Verkaufspreis von 3,90 Euro abgegeben. Verlagsangaben zufolge erscheint die Zeitung unter anderem in 6000 Zeitungsverkaufsstellen in Ostdeutschland. Ein kleiner Teil der Auflage wird zudem in Westdeutschland vertrieben. Konkrete Verkaufszahlen wollte die OAZ im ersten Jahr nicht nennen; in einem Editorial der Wochenendausgabe von Ende Mai 2026 wurde lediglich angegeben, dass bis dahin mehr als 5000 Abonnements verkauft worden seien. Nachfragen zur Zahl möglicher Probeabonnements ließ die Zeitung unbeantwortet.
Entwicklung des Blattes Planungsphase Im September 2025 stellte Friedrich unter dem Namen „Projekt Halle“ Pläne vor, Regionalausgaben für alle fünf ostdeutschen Landeshauptstädte anzubieten – die Dresdner Zeitung, Erfurter Zeitung, Magdeburger Zeitung, Potsdamer Zeitung und Schweriner Zeitung.Berliner Zeitung vom 20. September 2025 Perspektivisch sollten Ableger in allen 14 ehemaligen DDR-Bezirkshauptstädten von Suhl bis Rostock folgen. Von den ursprünglich geplanten Regionalausgaben wurde vor dem Start abgesehen. Ebenso war zum Start der Zeitung Anfang 2026 von den Regionalausgaben in den ehemaligen DDR-Bezirkshauptstädten keine Rede mehr. Gründungs-Chefredakteur Dorian Baganz erklärte, das Defizit am Markt sei nicht die Lokalpresse, sondern es fehlten überregionale Themen aus ostdeutscher Perspektive. Stattdessen wurde angekündigt, dass die Zeitung lediglich in einer Ausgabe zum Wochenende erscheinen soll; weiterhin auch das angekündigte werktägliche E-Paper.
Markteinführung Die erste Ausgabe war redaktionell vor allem im Dresdner Büro entstanden, und die OAZ suchte die Aufmerksamkeit unter anderem mit intensiver Eigenwerbung in sozialen Medien. Zum Start war die OAZ in einzelnen Verkaufsstellen – etwa in einer Dresdner Bahnhofsbuchhandlung – bereits am Erscheinungstag zeitweise ausverkauft. Bereits am zweiten Tag war sie in ganz Deutschland vollständig vergriffen.
Entwicklung seit Erscheinen Gründungschefredakteur war Dorian Baganz. Er kündigte am 12. März 2026, drei Wochen nach der Erstveröffentlichung. Die Position ist seitdem vakant. Als Gründe für sein Ausscheiden hätten „unterschiedliche Vorstellungen über die inhaltliche Ausrichtung“ wie auch „Fragen der persönlichen Zusammenarbeit“ eine Rolle gespielt, teilte er mit. Der Berliner Verlag verwies darauf, dass er auf eigenen Wunsch hin gegangen sei. Nach Baganz' Weggang wurde die Chefredaktion der OAZ an die der Berliner Zeitung angegliedert. Vorsitzender der gemeinsamen Chefredaktion ist der Chefredakteur der Berliner Zeitung Philippe Debionne.Umbau der Chefredaktion der Berliner Zeitung nach Start der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. In: Medieninsider. 6. März 2026, abgerufen am 13. März 2026. Der OAZ-Geschäftsführer Dirk Jehmlich erklärte, aus der Leserschaft komme vielfach der Wunsch nach einem Chefredakteur mit „ostdeutscher Biografie“. Jehmlich sagte, dieses Feedback nehme man sehr ernst – Baganz wuchs in Duisburg auf. Auch mehrere Monate nach dem Ausscheiden von Baganz war kein Nachfolger gefunden worden.
Die Suche nach geeigneten Autoren für die OAZ verlief nicht ohne Probleme und Herausgeber Friedrich erhielt nicht wenige Absagen.https://www.journalist.de/werkstatt/werkstatt-detail/ostidentitaere-bewegung-im-medienmarkt/ Stattdessen setzt die OAZ in ihrer Rubrik „Open Source“ verstärkt auf eine freie Mitarbeit von Bürgern als einer Form des partizipativen Journalismus.https://ostdeutscheallgemeine.com/open-source-intro Die OAZ verwendet außerdem Künstliche Intelligenz bei der Erstellung von Artikeln, ohne dies zu kennzeichnen.
Im Januar 2026 wurde der von Alexander Teske und weiteren Kritikern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks betriebene Medienpodcast „Sachlich richtig“ unter das Dach der OAZ genommen. Die Kooperation wurde im Mai 2026 wieder beendet; Teske bestätigte die Trennung später auf X, während sich die OAZ zu den Gründen nicht äußerte.
Seit Mai 2026 verfasst die CDU-Bundestagsabgeordnete Saskia Ludwig eine Kolumne in der Zeitung unter dem Titel „Im Visier“.
Rezeption Verhältnis zu anderen Medien Das Verhältnis zu anderen Medien darf als gespannt gelten. So griff zu Beginn des Jahres die Social-Media-Redaktion der künftigen Online-Zeitung die Mitbewerber auf dem Ostdeutschen Zeitungsmarkt an: „Was passiert, wenn eine sozialdemokratische Partei größter Anteilseigner vieler ostdeutscher Zeitungen ist? Die AfD gewinnt.“ Bezogen war dies auf ein Besitzverhältnis bei der hannoverschen Madsack Mediengruppe, bei der die SPD einen Anteil von knapp einem Viertel hält. Madsack ist an den wichtigen Zeitungen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen beteiligt.
Der Feuilletonchef der angesprochenen Sächsischen Zeitung, Oliver Reinhard, antwortete hierauf: „Der AfD-Erfolg, einfach erklärt von Ideologen für Dummies.“ Und stellte die Gegenfrage: „Was passiert, wenn die Ostidentitäre Allgemeine eine derart miese und verunglimpfende Kampagne startet? Sie startet nicht als Konkurrenz. Sie startet als verlogene Dreckschleuder.“
Bewertung des Blattes durch andere Autoren Zum Start der Zeitung führte zu Kritik, dass der für die bundespolitische Berichterstattung verantwortliche Redakteur Florian Warweg ein ehemaliger Mitarbeiter des russischen Propagandasenders RT DE ist und mit Autor Thomas Fasbender ein weiterer Ex-RT-Mitarbeiter verpflichtet wurde.
Die taz beurteilte die Erstausgabe als stärker auf ostdeutsche Befindlichkeiten als auf Informationsvermittlung ausgerichtet und stellte die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts infrage. Kritisch hervorgehoben wurden unter anderem das als weitgehend unkritisch beschriebene Interview mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer zur Russlandpolitik sowie ein als wohlwollend charakterisiertes Porträt des AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla. Der Journalistikprofessor Volker Lilienthal bezeichnete bei T-Online das Porträt von Chrupalla als „politische Sympathiewerbung“ und bemängelte ebenfalls die fehlende kritische Distanz der Zeitung.
Matthias Meisner untersuchte diese erste Print-Ausgabe der OAZ vom 20. Februar 2026 auf ihre inhaltliche Ausrichtung und stellte diese in seinem Beitrag für die Blätter für deutsche und internationale Politik vom April 2026 dar. Meisner machte die Rolle des Gründers, Finanziers und Herausgeber der OAZ Holger Friedrich deutlich, der eine von diesem beschriebene Lücke in der Medienlandschaft schließen wolle. Bei seiner Vorstellung des Projektes sei es aber viel „um ‚ostdeutschen‘ Trotz, den Trotz des Holger Friedrich.“ gegangen. Wie in der Berliner Zeitung seit der Übernahme Friedrichs sei die OAZ offen nach ganz rechts und trage zur Verharmlosung der AfD bei. Er konstatiert: „Mit der Expansion in Ostdeutschland treibt Friedrich voran, was sich nach dem personellen und inhaltlichen Umbau der ‚Berliner Zeitung‘ seit Jahren abzeichnet.“ . Er verweist unter anderem auf ein OAZ-Interview mit dem Autor Uwe Tellkamp, „der schon seit Jahren alle Türen nach rechts aufreißt und nun verkündet, dass ihm das Etikett ‚konservativ‘ nicht mehr passe.“ Zu den von Christian Baron im Feuilleton unter der Überschrift „Warum ich kein Wessi mehr sein will“ gemachten Aussagen, dass er als Arbeiterkind die Bundesrepublik „als sozial kalt“ und „die DDR in zentralen Fragen als sozial gerechter“ erlebt habe, hält Meisner fest, dass Baron beim Mauerfall vier Jahre alt gewesen ist.