mini|Alec BagotDie Identifizierung von Bagot als abgebildeter Telegrafist ist nicht zweifelsfrei – so kursiert zum Beispiel auch „Mr. Brent“ als Name des jungen Mannes –, jedoch kann die Zuschreibung zu Bagot beispielsweise auf eine entsprechende Angabe in einem Artikel des britischen The Guardian gestützt werden. Siehe dafür: Maev Kennedy: Parcel label addressed to Titanic expected to raise £12,000 at auction. In: theguardian.com, The Guardian, 18. November 2016. Abgerufen am 6. Februar 2026 (englisch). als junger Marconist im Funkraum der Olympic (koloriertes Foto, 1913) Edward Daniel Alexander „Alec“ Bagot (* 25. Dezember 1893 in Adelaide; † 12. Juni 1968 in Sydney), kurz auch E. D. A. Bagot, war ein australischer Politiker, Unternehmer und Autor.
Der Sohn einer anglo-irischen Familie arbeitete nach einer Kindheit in Westaustralien und England zunächst als Telegrafist auf Passagierdampfern. In dieser Zeit wurde er 1912 an Bord der Olympic indirekt Zeuge des Untergangs der Titanic. Nach dem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg versuchte sich Bagot sowohl in Mesopotamien als auch in seiner australischen Heimat als Unternehmer im motorisierten Ferntransport. In den 1930er Jahren erlangte er auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise als populistischer Anführer der rechten Citizens’ League of South Australia Bekanntheit, als er die Berufung eines Diktators zur Überwindung der wirtschaftlichen und politischen Krise Australiens forderte.
Nach dem Ende der Citizens’ League 1934 bemühte sich Bagot zunächst weiterhin um eine politische Karriere und war von 1938 bis 1941 Mitglied des South Australian Legislative Council. Ab 1944 arbeitete er schließlich in New South Wales in einem staatlichen Versicherungsbetrieb, in dem er insbesondere für die Unternehmenszeitung tätig war. Nach seinem Ruhestand 1955 widmete er sich dem Leben und Schaffen des australischen Theaterunternehmers und Politikers George Coppin (1819–1906), über den er 1965 eine umfangreiche Biografie vorlegte. Bagot starb drei Jahre später.
Leben
1893–1916: Frühe Jahre Edward Daniel Alexander Bagot, genannt Alec, kam 1893 in Henley Beach, einem Stadtteil am Strand von Adelaide, in South Australia als Sohn anglo-irischer Einwanderer zur Welt. Seine Mutter war Harriet Lilian Bagot, geb. Massy-Dawson († 1901),John Lonie: Bagot, Edward Daniel Alexander (1893–1968). In: Bede Nairn, Geoffrey Serle (Hrsg.): Australian Dictionary of Biography. Band 7. Melbourne University Press, Carlton 1979, ISBN 0-522-84185-6, S. 132–133 (Online-Version). eine Tochter des Juristen und anglikanischen Schriftstellers Francis Dennis Massy-Dawson (1803–1870), Francis Dennis Massy-Dawson verfasste unter anderem die Traktate On the Apostolic Succession of the Anglican Church (James Nisbet & Co., London 1869) und The Scripture Doctrine of the Holy Eucharist (James Nisbet & Co., London 1870). Auf den Titelblättern beider Publikationen wird der Barrister als Mitglied des Middle Temple ausgewiesen. dessen Vater James Hewitt Massy-Dawson (1779–1834) wiederum aus einer Familie der anglo-irischen Oberschicht stammte und von 1820 bis 1830 die südirische Stadt Clonmel im House of Commons repräsentiert hatte.Philip Salmon: MASSY (afterwards MASSY DAWSON), James Hewitt (1779-1834), of Ballynacourte, co. Tipperary and 87 Gloucester Place, Mdx. In: historyofparliamentonline.org, The History of Parliament Trust, abgerufen am 6. Februar 2026 (englisch). Gedruckt erschienen in D. R. Fisher (Hrsg.): The House of Commons, 1820–1832, Band 6: „Members L–6“, Cambridge University Press, Cambridge 2009, ISBN 978-0-521-19331-3. Die Abstammung von James Hewitt Massy-Dawson ergibt sich über den Stammbaum auf thepeerage.com. Bagots Vater war der anglikanische Geistliche Edward Arthur Bagot (1854–1930), der aus dem irischen County Kildare stammte und 1891 Harriet Lilian Massy-Dawson geheiratet hatte. Noch im selben Jahr war das Ehepaar nach Adelaide ausgewandert.Edward Arthur Bagot (1854–1930). In: The Chronicle, 23. Januar 1930, S. 20. Digitalisiert einsehbar auf Obituaries Australia des National Centre of Biography an der Australian National University. Abgerufen am 6. Februar 2026 (englisch). mini|Bagot (rechts) gemeinsam mit dem Ersten Funkoffizier Ernest Moore an Bord der Olympic im Jahr 1912 Bagot verbrachte seine frühe Kindheit gemeinsam mit seiner Schwester und seinem Bruder in Western Australia, wo sein Vater als Geistlicher unter anderem in den Goldgräberstädten Kalgoorlie und Coolgardie tätig war. 1899 kehrte die Familie nach England zurück, wo Bagot Privatschulen in Framlingham und Lowestoft im ostenglischen Suffolk besuchte. Nach dem Tod seiner Mutter 1901 ging sein Vater eine neue Ehe mit Frances Spencer Churchill Hamilton (1879–1909) ein, aus der zwei Halbbrüder Bagots entstammten. Im Alter von 15 Jahren ließ sich Bagot derweil in Ilford als Telegrafist ausbilden und wurde anschließend als sogenannter „Marconist“ von der Marconi’s Wireless Telegraph Company übernommen. In den nächsten Jahren arbeitete er unter anderem als zweiter Funker an Bord der Olympic, auf der er auch im April 1912 im Dienst war, als sie von der untergehenden Titanic um Hilfe angefunkt wurde. Jedoch befand sich die Olympic in der Nacht des Unglücks zu weit entfernt, um Überlebende retten zu können. 1913 kehrte Bagot nach Australien zurück, wo er eine Anstellung im Postmaster-General’s Department in seiner Geburtsstadt Adelaide annahm.Bagot, Edward Daniel Alexander. PRG 278 Series List. Übersicht über die Archivsammlung auf der Website der State Library of South Australia (PDF, sechs Seiten, hier S. 1). Abgerufen am 3. Februar 2026 (englisch). Zumindest ab 1915 war er dort als Maschinen- und Anlagenführer tätig. Im September 1916 heiratete er die Arzttochter Christobel Ballantyne Bollen (1892–1973).
1916–1929: Erster Weltkrieg und Unternehmer mini|Mitglieder des 1st Australian Wireless Signal Squadron im März 1917 in Bagdad, kurz nach der Einnahme der Stadt: Bagot ist rechts in der oberen Reihe abgebildet, unter den anderen Mitgliedern sind Michael James Hillary (untere Reihe, links) und Charles Marr (untere Reihe, mittig)
Nur wenige Monate nach Bagots Rückkehr nach Australien war in Europa der Erste Weltkrieg ausgebrochen, dem Australien aufgrund seiner Verbindung zum Vereinigten Königreich rasch beitrat. Die Australian Imperial Force wurde somit auch nach Europa entsandt und dort insbesondere an Kriegsschauplätzen mit britischer Beteiligung eingesetzt, wie zum Beispiel im damals noch osmanisch dominierten Mesopotamien. Einen Tag nach seiner Hochzeit im September 1916 ging auch Bagot in den Kriegsdienst, als er in das 1st Australian Wireless Signal Squadron eingezogen wurde, einer Schwadron von Militärfunkern, das wenige Monate vorher eigens für die Mesopotamienfront gegründet worden war. Bagot diente über die nächsten zwei Jahre in Mesopotamien als Militärfunker und wurde zweimal über das Prinzip „mentioned in dispatches“ für seine Tapferkeit geehrt. Im letzten Kriegsjahr wurde er zum Captain befördert, einem militärischen Rang vergleichbar mit dem eines Hauptmannes. Zugleich verfasste Bagot die offizielle Geschichte seiner Schwadron. Im Februar 1919 wurde er aus dem Kriegsdienst entlassen und kehrte daraufhin nach Australien zurück,Parvine H. Merrillees: Ancient Near Eastern Glyptic in the National Gallery of Victoria, Melbourne, Australia (= Studies in Mediterranean Archaeology, Band 129). Paul Åströms Förlag, Jonsered 2001, ISBN 978-91-7081-181-4, S. 6. ohne jedoch eine klare Perspektive für sein weiteres Leben mitzubringen.
Der Kriegsdienst im Nahen Osten wirkte in Bagot nach. Noch im Jahr seiner Rückkehr hielt er vor der Handelskammer von Melbourne einen Vortrag über die wirtschaftlichen Möglichkeiten Mesopotamiens; insbesondere im Außenhandel, der Landwirtschaft und dem Verkehrsgewerbe erkannte er Chancen für australische Unternehmen und andere Geschäftsleute des British Empire. Bagot selbst folgte diesem Ruf und kehrte 1920 gemeinsam mit seiner Frau in den Nahen Osten zurück, wo sich gerade das Britische Mandatsgebiet Mesopotamien im heutigen Irak zu formieren begann. Bald fasste er dort als Unternehmer im Handels- und Verkehrssektor Fuß. 1924 wurde er Geschäftsführer der Eastern Transport Company, die als erstes Unternehmen unter Nutzung motorisierter Verkehrsmittel eine Postverbindung durch die Syrische Wüste zwischen Beirut, Bagdad und Teheran unterhielt. Das Unternehmen griff eine Idee auf, die bereits 1923 institutionell unabhängig von der Nairn Transport Company unter der Leitung zweier neuseeländischer Brüder zwischen der Mittelmeerküste und Bagdad ausgetestet worden war. Parallel arbeitete Bagot für die englischsprachige Tageszeitung Times of Mesopotamia und war ab 1920 Sekretär der British and Arab Chambers of Commerce.Garry D. Carnegie, Stephen P. Walker: Household Accounting in Australia: A Microhistorical Study. In: Accounting, Auditing & Accountability Journal, Band 20, Nummer 2, 2007, S. 210–236, hier S. 223–224. DOI:10.1108/09513570710741000. mini|Karikatur Bagots von John Henry Chinner, um 1925 entstanden anlässlich der Gründung von Bagot’s Overland ToursDieser Kontext ist der Auflistung von Chinner-Karikaturen im South Australian Historical Pictures Index der State Library of South Australia zu entnehmen. Siehe: South Australian Historical Pictures Index – Index to Caricatures by John Henry Chinner, Australian 1865–1933. In: archival.collections.slsa.sa.gov.au, State Library of South Australia. Abgerufen am 6. Februar 2026 (englisch). 1922 wurden die Bagots in der Hafenstadt Basra Eltern eines Sohnes, der das einzige Kind der beiden blieb. Sozial suchten sie in diverser Weise Anschluss an die europäisch-westliche Gesellschaft in Mesopotamien. Bagot trat unter anderem den Freimaurern bei, suchte aber auch zum Beispiel Kontakt zu diversen britischen Archäologen, darunter Archibald Henry Sayce und Leonard Woolley. Über letzteren kam er wohl in Besitz von etwa 15 babylonischen Siegeln, darunter aus dem Zikkurat des Mondgottes Nanna in Ur. Seine Sammlung – die neben den Siegeln auch einige andere Antiquitäten umfasste – verkaufte er 1929 an die National Gallery of Victoria,Parvine H. Merrillees: Ancient Near Eastern Glyptic in the National Gallery of Victoria, Melbourne, Australia (= Studies in Mediterranean Archaeology, Band 129). Paul Åströms Förlag, Jonsered 2001, ISBN 978-91-7081-181-4, S. 5–10. vier Jahre nachdem er 1925 mit seiner Familie wieder nach Australien zurückgekehrt war. Dort initiierte er zunächst ein ähnliches geschäftliches Projekt wie im Nahen Osten, als er ein Transportunternehmen für die Verbindung zwischen Adelaide und Darwin durch das australische Outback gründete. Die sogenannten Bagot’s Overland Tours waren jedoch kein Erfolg und gingen bald in Konkurs. 1927 nahm Bagot deshalb eine Stelle als Vertreter für die australische Branche von General Motors an und versuchte sich nebenher als Kleinunternehmer; 1928 wechselte er in die Versicherungsbranche.
1929–1944: Rechter Politiker in der Wirtschaftskrise Politisierung