Kasali Akangbe Ogun (* um 1945 in Òṣogbo; † Januar 2026) war ein nigerianischer Holzschnitzer. Er galt als einer der bedeutendsten Vertreter der Bewegung für Neue Sakrale Kunst am Heiligen Hain der Göttin Osun.

Leben und Wirken Ogun entstammte der Arelagbayi-Linie von Yoruba-Holzschnitzern aus Òṣogbo, in der das Handwerk über Generationen weitergetragen wurde und in seiner Familie zwei Generationen ausgesetzt hatte. Nach dem frühen Tod seines Vaters brach seine Schulbildung zu Beginn der Primarstufe ab und er wandte sich zunächst der Tischlerei zu. Er stieß als Zimmermann zum Team der Neuen Sakralen Kunst und entwickelte sich zum Holzschnitzmeister. Beim Arbeiten am Dach des Schreins Iledi Ontooto im Osun-Hain wurde er von Susanne Wenger auf seine Schnitzkunst festgelegt und gefördert. Später sagte er über seinen Bildungsweg: Er habe „nur eine Woche in der Schule“ verbracht, halte aber Vorträge an Universitäten in den USA, was ihm die Kunst ermöglicht habe. 2013 war er Africana Artist-in-Residence an der University of North Carolina at Charlotte.

Oguns Stil wurde als „schlanke, verlängerte Gesichter und dynamisch fließende Formen“ beschrieben. Seine Handwerkskunst ist an rituellen Figuren, majestätischen Pfeilern und kunstvoll gearbeiteten Dächern vieler Schreine im Osun-Hain sichtbar. Die Bewegung für Neue Sakrale Kunst trug zur Sicherung des Hains bei und machte Òṣogbo zu einem Zentrum künstlerischer und spiritueller Praxis. Der Osun-Òṣogbo-Hain ist seit 2005 UNESCO-Welterbe; er gilt als Abode der Fruchtbarkeitsgöttin Osun und ist von Schreinen, Skulpturen und Kunstwerken durchzogen. Ogun setzte sich für den Schutz des Hains ein, zudem gegen unerlaubtes Fischen im heiligen Osun-Fluss und er betonte: „Wir werden weiter Bäume pflanzen, denn das Erbe darf nicht nackt bleiben.“ Er schuf Arbeiten für die Kunstsammlung des National Black Theatre in Harlem, welches die größte Sammlung der Bewegung für Neue Sakrale Kunst in der westlichen Hemisphäre beherbergt. Ogun und weitere Òṣogbo-Künstler waren etwa für den Neubau des National Black Theater beauftragte Künstler im Jahr 1991. Seit den 1980er-Jahren war er weltweit präsent, mit Ausstellungsstationen etwa in Bayreuth, London, Edinburgh, Lagos und New York. Die Tate-Modern-Ausstellung Nigerian Modernism (2025/2026) betrachtete die Òogbo-Bewegung und die Arbeiten im Osun-Hain im Kontext der nigerianischen Moderne. Ogun verstand seine Arbeit in der Tradition der Yoruba-Türschnitzerei, welcher er eine spirituelle Schutzfunktion zuschrieb. Auch seine Kinder erlernten das Holzschnitzerhandwerk.

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