Elaine Mitchener (* 1970 in London) ist eine britische Künstlerin afro-karibischer Abstammung, die als Klangkünstlkerin, Performerin, Vokalistin und Komponistin arbeitet. Mitchener lebt und arbeitet in London.

Werdegang Elaine Samantha Mitchener wurde in East London als Tochter jamaikanischer Einwanderer geboren. Mitcheners Eltern wanderten aus Jamaika nach Großbritannien ein, sie selber wurde in Ostlondon geboren und wuchs dort auf. In ihrer Jugend sang sie in Gospelgruppen, in einer Mädchen A-cappella Gruppe, trat in verschiedenen Kirchen Londons auf und studierte später klassischen Gesang am Trinity Laban Conservatoire of Music and Dance. 2007 begann sie wieder zu singen und nahm 2008 Unterricht bei der Opernsängerin Jacqueline Straubinger-Bremar. Mitchener unterrichtet Komposition an der Guildhall School of Music and Drama.

Werk Mitchener arbeitet im Bereich der experimentellen und zeitgenössischen Musik, freien Improvisation, Tanz und Performancekunst. Sie zählt zur Black Avantgarde in Großbritannien und verbindet in ihren Arbeiten Musik, politisches Musiktheater und Fragen der Erinnerungskultur. Davei bezieht sie sich auf Theoretiker der afrikanischen Diaspora sowie auf die europäische Avantgarde.

Sweet Tooth von 2017 ist ein interdisziplinäres Musiktheaterwerk, das sich mit der Geschichte des transatlantischen Versklavungshandels und der britischen Zuckerindustrie auseinandersetzt. Das Stück basiert auf historischen Dokumenten, Texten und Klangmaterial und thematisiert, wie die ökonomischen Grundlagen des britischen Empire mit der Ausbeutung versklavter Menschen verknüpft waren.The then + the now = now time bezieht sich auf Walter Benjamins Begriff des Eingedenkens von Walter Benjamins als Konzept von aktiver Erinnerung als staatsbürgerliche, als öffentliche und politische Verantwortung. Das Stück, eine Reihe von „Hörbildern“ über die Verantwortung des Erinnerns, wurde von MaerzMusik in Auftrag gegeben und 2019 uraufgeführt. Zu Mitcheners Projekten des Jahres 2022 gehört die Klanginstallation [NAMES II] An Evocation, die im Rahmen der British Art Show 9 gezeigt wurde. Die Arbeit erinnert an mehrere tausend, im Jamaika des 18. Jahrhunderts auf der Plantage von Simon Taylor versklavte Menschen. Ebenfalls 2022 präsentierte sie in der Wigmore Hall in London das Konzertprogramm Women’s Work zum Internationalen Frauentag. Dieses Projekt knüpft an das gleichnamige Buch von Annea Lockwood und Alison Knowles an und stellt künstlerische Positionen von Frauen in experimenteller und zeitgenössischer Musik in den Mittelpunkt. On Being Human as Praxis (2020–2023) ist ein Musiktheaterprojekt von Elaine Mitchener zu Sylvia Wynters Konzepten des Menschseins aus afro-diasporischer Sicht. Für das Werk komponierten Jason Yarde, Matana Roberts, Laure M. Hiendl, Tansy Davies und George E. Lewis neue Stücke für Stimme und Ensemble, choreografiert von Dam Van Huynh. Zur Premiere 2023, beim MaerzMusik Festival in Berlin im Haus der Berliner Festspiele wurde das Publikum hinter der Bühne platziert.

Ihr Debütalbum Solo Throat wurde 2024 auf dem Label OTORUKO von Cafe Oto veröffentlicht. Im Januar 2026 überarbeitete sie für ihren vorletzten Auftritt als Associate Artist in der Wigmore Hall Material dieses Albums mit live gespielten elektronischen Klängen. Im selben Monat wurde sie von OOR Salon in Zürich eingeladen, im Rahmen der Ausstellung zu Suzanne Perrottet im Cabaret Voltaire eine Performance zu der vergessenen Laban-Tänzerin Betty Baaron Samoa zu entwickeln.

Gemeinsam mit DJ Ain Bailey entwickelte Mitchener 2026 im Auftrag von Art on the Underground die Soundarbeit Maybe It’s Because I’m A Londoner, die in der U-Bahn-Station Waterloo in London zu hören ist. Baileys Libretto wurde von Elaine Mitchener als vielschichtige Komposition für Gesang interpretiert und aufgeführt.

Mitchener arbeitet regelmäßig mit Komponisten wie Jennifer Walshe, George E. Lewis und Tansy Davies, bildenden Künstlern wie Sonia Boyce, Christian Marclay und The Otolith Group, den Kammerensembles Apartment House, Ensemble MAM und Klangforum Wien, der Compagnie des Choreografen Dam van Huynh sowie experimentellen Musikern wie Moor Mother, Loré Lixenberg, Pat Thomas, Jason Yarde und Neil Charles. Mit letzteren beiden gründete sie The Rolling Calf, eine elektroakustische Improvisationsgruppe, die eine weitere neue Plattform der Schwarzen Avantgarde bildet. Sie trat auf dem Tectonics-Festival Glasgow mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra auf, auf dem MaerzMusik-Festival in Berlin, im Centre Pompidou und im Radialsystem V in Berlin.

Diskografie

2017: UpRoot, Alexander Hawkins & Elaine Mitchener Quartet 2021: Some Good News, Hamid Drake, Elaine Mitchener, William Parker, Orphy Robinson, Pat Thomas 2024: Solo Throat, Elaine Mitchener 2025: Live recording of the trio of Elaine Mitchener, petals, and Neil Charles recorded at GRAIN at Avalon Cafe in October 2024 2025: Duo, Elaine Mitchener, Theodora Laird

Auszeichnungen und Rezeption Mitchener war Stipendiatin des Artist-in-Residence-Programms des DAAD in Berlin. 2022 wurde sie für ihre Verdienste um die Musik zum Mitglied des Order of the British Empire (MBE) ernannt.https://assets.publishing.service.gov.uk/media/6295e4fed3bf7f036750affa/birthday-honours-2022.pdf Der Guardian bezeichnet sie 2021 als „die kühnste Opernstimme des Vereinigten Königreichs“, und schreibt, dass sie ihre Stimme mit einem Stimmumfang von drei Oktaven in erstaunlichen Atemzügen und Stottern zerfließen lässt, um sich mit den Schrecken der Kolonialgeschichte auseinanderzusetzen.

Literatur Billy Shoemaker: Music Farther Outside, Lanham: Rowman & Littlefield, 2023. ISBN 978-1-5381-7878-2, S. 65–102

Weblinks Homepage von Elaine Mitchener

Projekte der Künstlerin bei Soundcloud

Einzelnachweise

Kategorie:Sänger Kategorie:Komponist (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Brite Kategorie:Geboren im 20. Jahrhundert Kategorie:Frau