mini|Wallonerberg 2 (vorne) und 1 (dahinter) hoch oberhalb der Straße Wallonerberg mini|Gebäude entlang der Straße Altes Fischerufer, Blick von Norden, 2026 Wallonerberg 1, 2 ist ein denkmalgeschützter Gebäudekomplex in Magdeburg in Sachsen-Anhalt.

Lage Die Gebäude befinden sich auf einem erhöhten Standort oberhalb der Straße Wallonerberg auf deren Südseite. Der Komplex nimmt dabei die sehr markante Ecklage zur Straße Altes Fischerufer ein, auf deren Westseite er sich dann noch weiter nach Süden zieht und steht auf den Resten der elbseitigen Stadtmauer. In der Vergangenheit bestand die Adressierung Wallonerberg 2, 3. Westlich der Gebäude befindet sich die Wallonerkirche.

Architektur und Geschichte Im Mittelalter standen hier die Hinterhäuser des Augustinerklosters. Die Vorderhäuser befanden sich an der Adresse Neustädter Straße 1 und 2. Später gehörten die Gebäude zum Augustinerstift und dann zum städtischen Versorgungsheim, das auch noch in den 1930er Jahren bestand. Seit 1814 wurden die Bewohner des Heims als Tilsiter und das Heim selbst als der Tilsit bezeichnet. Ursächlich hierfür war, dass nach dem Mai 1814 zeitweise das Landwehrbataillon Tilsit hier in Garnison lag. Die Uniformen der Soldaten bestanden aus blauem Leinenstoff und ähnelten der Tracht der Heimbewohner. Scherzhaft wurde so der Name auf die Heimbewohner übertragen und blieb längerfristig bestehen. Ein Vorsteher des Heims verstand den Namen jedoch als kränkend.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 487.

1827 wurde in zuvor als Zuchthaus genutzten Räumen des ehemaligen Klosters St. Augustinii am Wallonerberg eine städtische Armen- und Arbeitsanstalt eingerichtet. In ihr sollten arme Einwohner Magdeburgs, die in anderen Anstalten keine Aufnahme fanden, untergebracht, versorgt und auch mit Arbeit versehen werden. Gleiches galt für Obdachlose oder als „arbeitsscheu“ bezeichnete Personen. In der Arbeitsanstalt wurden sowohl zwangsweise zur Arbeit Verpflichtete als auch Freiwillige beschäftigt. Unter den Freiwilligen befanden sich Invaliden und entlassene Strafgefangene. Die Arbeiten wurden sowohl in als auch außerhalb der Anstalt erbracht. Die Tätigkeiten umfassten Mahl- und Stoßarbeiten von Kaufmannswaren, Federreißen, Taurebbeln, Näharbeiten und Holzzerkleinerungen. Ein wichtiger Bestandteil waren Straßenreinigungsarbeiten. Es wurde ein Lohn ausgezahlt, der jedoch nur etwa ein Sechstel des Arbeitsverdienstes ausmachte, den die Anstalt einnahm.Ulrich Zahn, Dorothea Stein, Die historische Entwicklung der Arbeitsförderung in Magdeburg von 1524 bis 1995, Herausgeber Landeshauptstadt Magdeburg, nach 1997, Seite 21.

Nach der Nutzung als städtisches Armenhaus bzw. Armen- und Arbeitsanstalt erfolgte eine Verwendung als Obdachlosenunterkunft. mini|Wallonerberg 1, Südseite, 2026 Das Haus Wallonerberg 1 (vormals Nummer 2) befindet sich auf der Ostseite der Einfahrt vom Wallonerberg her. Der zweigeschossige verputzte Bau steht traufständig zum Wallonerberg und ist mit einem Satteldach bedeckt. Östlich hieran schließt sich die ebenfalls zweigeschossige Nummer 2 (vormals Nummer 3) an. Dieser Bau ist aus Bruch- und Ziegelsteinen errichtet und ebenfalls mit einem Satteldach bedeckt. Östlich hiervon befindet sich eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform.

Traufständig zum Alten Fischerufer hin ausgerichtet steht ein dreieinhalbgeschossiger, lang gestreckter Bau, der als Obdachlosenheim entstand. Das auf einem hohen Sockel aus Ziegeln und Bruchsteinen 1900 errichtete Haus ist zum Teil verputzt, zum Teil ziegelsichtig gestaltet. Der Kontrast aus den hell verputzten Flächen und den Ziegeln ist prägend für die Fassade. Die Fensteröffnungen sind von über zwei Geschosse reichenden vertikalen Ziegelbahnen eingefasst. Die Erdgeschossfassade ist mit Ziegeln verkleidet. Der Dachbereich präsentiert sich heute in veränderter Form.Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 14, Landeshauptstadt Magdeburg, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 539.

Im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt ist das Verwaltungsgebäude unter der Erfassungsnummer 094 82875 als Baudenkmal verzeichnet.Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19. 03. 2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Seite 2609.

Der markant am Elbufer liegende Komplex ist prägend für das Straßen- und Uferbild und gilt darüber hinaus als Zeugnis der kommunalen Wohlfahrtfürsorge.

Literatur Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 487. Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 14, Landeshauptstadt Magdeburg, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 539.

Einzelnachweise

Kategorie:Kulturdenkmal in Magdeburg Kategorie:Bauwerk in Magdeburg Kategorie:Erbaut 1900