mini|hochkant|Paul Fischer, 1939 Paul Fischer (31. August 1876 in Wien – 4. November 1942 ebenda) war ein österreichischer Violinist. Er gehörte ab 1899 dem Wiener Staatsopernorchester und den Wiener Philharmonikern sowie ab 1905 dem Rosé-Quartett an.

Leben und Wirken Paul Fischer wurde als jüngstes von neun Kindern von Adolf Fischer (1822–1888) und dessen Frau Johanna geb. Budschowitz (1836–1914). Sein Vater war Kantor des Wiener Stadttempels. Beide Eltern stammten aus Pohrlitz und wurden in der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofs bestattet.

Nach dem Untergymnasium studierte Fischer im Hauptfach Violine am Wiener Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde bei Sigismund Bachrich und Jakob Moritz Grün und schloss 1892 mit dem Diplom als Abiturient für Violine ab. Nach dem Militärdienst von 1895 bis 1898 wurde er Mitglied des Hofopernorchester und 1899 als Stimmführer der ersten Violinen Mitglied der Wiener Philharmoniker sowie Mitglied der Wiener Hofmusikkapelle. 1899 und 1931 wirkte er im Bayreuther Festspielorchester mit, 1916 im für die Wiener Kriegsausstellung gegründeten Streichorchester der Deutschmeister-Kapelle.

Im Jahr 1913 trat Fischer aus der Israelitischen Kultusgemeinde aus und konvertierte zum römisch-katholischen Glauben – in Vorbereitung der Trauung mit der katholischen Leopoldine Pohl, einer Solotänzerin an der Wiener Hofoper (1887–1948). Die Hochzeit erfolgte in der Pfarre St. Leopold. Aus der Ehe stammten die Söhne Paul (1914–1941) und Otto (1921–1997).

mini|Rosé-Quartett, ca. 1920: Paul Fischer, Arnold Rosé, Anton Ruzitska, Anton Walter Fischer war Mitglied mehrerer Kammermusikensembles, so 1893–1895 als Bratschist im Streichquartett von Luigi von Kunits und 1903–1904 als Geiger in einem Trio gemeinsam mit Julius Klengel und Moriz Violin. 1905 wurde er als zweiter Violinist Mitglied des 1882 in Wien gegründeten Rosé-Quartett, eines der bedeutendsten Ensembles der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, mit dem er zahlreiche Tourneen absolvierte (u. a. 1928 in die USA). Mit dem Quartett brachte er zahlreiche Ur- und Erstaufführungen zur Aufführung.

Noch bevor in Österreich die Nürnberger Rassengesetze in Kraft traten, wurde Fischer nach der Annexion Österreichs durch die Nationalsozialisten aus dem Verband der Wiener Staatsoper und der Philharmoniker im März 1938 zunächst beurlaubt und dann im Juni desselben Jahres zwangspensioniert – mit gekürzter Pension, um deren Bezug er zu kämpfen musste. Ab 1938 gab es keine Auftrittsmöglichkeiten mehr für das Rosé-Quartett. Arnold Rosé und der Cellist Friedrich Buxbaum flohen nach London, Julius Stwertka (Viola) wurde im Jahr 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und dort ermordet.

Die Familie Fischer geriet in eine finanzielle Notlage. Die Ehe mit einer nichtjüdischen Frau bewahrte Fischer vor der Deportation in ein Konzentrationslager. Im Februar 1941 kam der damals 26-jährige Sohn Paul uns Leben, vermutlich durch Suizid. Im Frühjahr 1942 wurde die Familie aus ihrer Wohnung im Haus Schönbrunnerstraße 66 delogiert, sie wurden in eine sogenannte Sammelwohnung im 2. Wiener Bezirk eingewiesen.

Der Gesundheitszustand von Paul Fischer, der an Neuritis litt, verschlechterte sich nach dem frühen Tod des Sohnes. Er starb am 4. November 1942 im jüdischen Krankenhaus in der Leopoldstadt und wurde auf dem Pfarrfriedhof Kahlenbergerdorf beigesetzt.

Auszeichnungen

1926: Verleihung des Berufstitels Professor

Gedenken Am 17. August 2020 wurden am Max-Reinhardt-Platz in Salzburg Stolpersteine für alle vier Mitglieder des Rosé-Quartetts verlegt, darunter auch für Paul Fischer. Im Jahre 2022 wurde vor dem Haus Schönbrunnerstraße 66 ein Stein des Gedenkens für Paul und Leopoldine Fischer verlegt.DERLA (Universität Graz): Stein des Gedenkens - Paul Fischer, abgerufen am 17. Jänner 2026

Literatur Richard Newman: Alma Rosé. Wien 1906 / Auschwitz 1944. Eine Biografie. Weidle, Bonn 2003, ISBN 3-931135-66-7. Bernadette Mayrhofer, Fritz Trümpi: Orchestrierte Vertreibung. Unerwünschte Wiener Philharmoniker. Verfolgung, Ermordung und Exil. Mandelbaum-Verlag, Wien 2014, ISBN 978-3-85476-448-9.

Weblinks

Kurzbiografie auf der Website Stolpersteine Salzburg Paul Fischer in: Österreichisches Biographisches Lexikon

Einzelnachweise

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