mini|Gertrude Leverkus 1940 Gertrude Wilhelmine Margaret Leverkus (geboren am 26. September 1898 in Oldenburg; gestorben am 8. November 1989 in Hove) war eine britische Architektin und Stadtplanerin mit deutschen Wurzeln. Sie war eine Pionierin in der Geschichte der Architektur in Großbritannien.

Biografie

Familie und Jugend Ihr Vater Otto Leverkus war zwei Jahrzehnte vor der Geburt von Gertrude Leverkus nach Manchester ausgewandert. Er war britischer Staatsbürger. Bei seiner Heirat im Jahr 1881 folgte ihm seine Frau Rosalia nach Großbritannien und die älteren Geschwister William und Elsie wurden geboren. Otto Leverkus verbrachte viele der folgenden Jahre in Spanien. Kurz nach der Geburt von Gertrude Leverkus in Oldenburg zog ihre Familie über Manchester weiter nach Forest Hill. Hier wurde achtzehn Monate nach Gertrude ihre jüngere Schwester Dorothy, genannt Dolly, geboren. Als Gertrude etwa acht Jahre alt war, zog die Familie zurück nach Manchester. Hier wurde die ältere Schwester Elsie an der Manchester School of Art ausgebildet. Der nächste Umzug führte nach Bushey, wo die Schwester Elsie an der Kunstschule von Lucy Kemp-Welch studierte. Während die Familie dort lebte, besuchte Gertrude Leverkus die Corran School in Watford, die von Eleanor Jourdain mitbegründet wurde. Als die Familie zurück nach Forest Hill zog, besuchten Gertrude und Dolly die Sydenham High School, eine der letzten Schulen, die vom Girls Day School Trust gegründet wurden. Die Schwester Elsie wurde Künstlerin und Dorothy Leverkus schloss 1927 ihr Medizinstudium an der University of London (UCL) und der London Medical School for Women ab.

Ausbildung zur Architektin Zur Zeit der Ausbildung von Gertrude Leverkus nahm die Architectural Association School of Architecture (AA) noch keine Frauen auf, erst ab 1917 durften Frauen dort studieren. An der Bartlett School of Architecture der UCL hatten in den 1890er Jahren zwei Schwestern, Ethel und Bessie Charles, bereits Architektur-Vorlesungen besucht. Einen Hochschulabschluss durften sie noch nicht machen. So war Gertrude Leverkus die erste Frau, die nach dem Studium von 1915 bis 1918 die Bartlett School of Architecture mit einem Bachelor abschloss. Sie studierte dort bei F.M. Simpson. Sie trat der College Dramatic Society bei, inszenierte Theaterstücke und entwarf Kulissen. Ihren Abschluss machte sie mit Auszeichnung. Später nahm sie Abendkurse bei Albert Richardson und studierte Stadtplanung bei Stanley Adshead. Sie machte 1925 am University College London einen Abschluss in Städtebau.

RIBA-Mitgliedschaft 1922 wurde sie nach der fachlichen Prüfung als Associate in das Royal Institute of British Architects (ARIBA) aufgenommen und gehörte mit Eleanor KD Hughes und Winifred Ryle (später Maddock), die beide an der AA studiert hatten, zu den ersten weiblichen RIBA-Mitgliedern mit Hochschulabschluss. Im Dezember 1931 wurde Gertrude Leverkus als zweite Frau nach Gillian Harrison zum Fellow des Royal Institute of British Architects (FRIBA) berufen. Sie gründete 1932 das Frauenkomitee des RIBA. Ursprünglich lediglich als Frauenclub gedacht, förderte es die Interessen von berufstätigen Architektinnen, unterstützte Absolventinnen bei der Arbeitssuche und erfasste Fälle von Diskriminierungs.

Werk und Wirken Ab 1919 arbeitete Gertrude Leverkus mit dem Architekten Horace Field (1861–1948) in London zusammen. Durch die Freundschaft seiner Frau mit Elizabeth Garrett Anderson war Field der beratende Architekt des New Hospital for Women und Gertrude Leverkus erledigte auch Arbeiten für die Familie Garrett Anderson in Aldeburgh. Ihre ersten Projekte waren Wohnhäuser, oft im Auftrag von Frauen, darunter der Künstlerin Sybil Maude. Sie entwarf auch ein Haus in Harrow für sich, ihre Schwestern und ihre Mutter. In den 1920er Jahren hatte sie ein Büro in der Gower Street 5. Ab dem Jahr 1923 war sie die Architektin der Women's Pioneer Housing, Ltd., einer 1920 von der anglo-irischen Frauenrechtlerin Etheldred Browning gegründeten Gesellschaft, die preisgünstige Mietwohnungen für berufstätige Frauen schuf. Women's Pioneer Housing kaufte große Londoner Häuser in guten Wohngegenden und ließ sie zu kleinen Wohnungen umbauen. Zwischen 1925 und 1935 stieg die Zahl der vom Women’s Pioneer Housing verwalteten Häuser von 15 auf 55 und die der Wohnungen von 109 auf 522. Gertrude Leverkus wohnte nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1930 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1960 auch selbst in einer dieser Wohnungen in 65 Harrington Gardens, Earl’s Court. Dies war noch 1950 die Adresse ihres Büros.

Sie entwarf Häuser in Harrow, Middlesex und Rickmansworth, Hertfordshire. Ein von ihr entworfenes Haus in Pinner und ein Haus in Rickmansworth werden in The £1,000 House von Randal Phillips (Country Life, London 1928, S. 90–92, 96–97) besprochen. 1938 entwarf sie eine Erweiterung des Annie-McCall-Entbindungsheims in Clapham.

Im Sommer 1938 begleitete Leverkus die Tochter des britischen Generalkonsuls für die Provinz Chorasan von England aus zu den Eltern. Die Reise führte mit dem Orient-Express nach Istanbul, mit der Fähre über den Bosporus und über Ankara und Damaskus nach Mossul. Von dort brachte sie ein Rolls-Royce nach Kirkuk, dann folgte ein weiterer Zug zur persischen Grenze und eine dreitägige Reise über Teheran nach Maschhad. Während des dreimonatigen Aufenthalts entwarf und überwachte Leverkus den Bau eines offenen Pools und entwarf einen neuen Bungalow für den Vizekonsul.

Im Zweiten Weltkrieg rüstete Leverkus die Häuser der Women’s Pioneer Housing mit Luftschutzbunkern aus. Sie gehörte dem Women’s Voluntary Service an, löste ihr Büro in der Gower Street auf und begann als Zentrumsorganisatorin für den Bezirk Holborn zu arbeiten. Es wurden Unterkünfte für Flüchtlinge organisiert und Kleidung und Wertstoffe gesammelt. Leverkus engagierte sich in der Öffentlichkeitsarbeit und bei Spendenaktionen.

Sie arbeitete als Inspektorin für Herrenhäuser und wählte diejenigen aus, die für Kriegsbelange requiriert werden sollten. Von 1943 bis 1948 war sie beim Stadtplanungsamt in West Ham beschäftigt und plante Wohnungsbauten für den Wiederaufbau nach dem Krieg. Danach wurde sie Mitarbeiterin im Architekturbüro Norman & Dawbarn, bei dem sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1960, zuletzt als Büropartnerin des Büros mit mehr als 100 Angestellten, arbeitete. Hier entwickelte sie Wohnviertel für Stadtteilgründungen auf der grünen Wiese. In der letzten Phase ihrer Karriere entwarf sie die Swiss Cottage Station shopping parade sowie Wohnbebauungen in den neuen Städten in Crawley und Harlow.

Im Ruhestand zog sie nach Brighton und trat der Regency Society, der Archaeological Society und der British Federation of University Women (BFUW) bei. Sie engagierte sich in der Leitung der Brixton School of Building. Sie starb mit 91 Jahren. Die Women’s Library beherbergt die autobiografischen Schriften von Gertrude Leverkus. The National Archives bewahren ebenfalls Dokumente von Gertrude Leverkus.

Ehrungen Auf der Karte City of Women London wurde ihr die Station an der Kreuzung der Linie Jubilee und District gewidmet.

Literatur

Gertrude Leverkus: Auntie Gertrude’s Life, 1976, unveröffentlichte Biografie, The Women’s Library Rebecca Spaven: Gertrude Wilhelmine Margaret Leverkus. Oxford Dictionary of National Biography Jane Robinson: Can’t Climb Ladders. The Pioneering Adventures of the First Professional Women. Transworld, London 2020. Leseprobe

Weblinks

Gertrude Leverkus bei un dia una arquitecta 4 (spanisch) Gertrude Leverkus, Women’s Library Archives

Einzelnachweise

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