Die Moto Guzzi Le Mans 1000 ist ein Sportmotorrad, das vom italienischen Hersteller Moto Guzzi von 1984 bis 1993 in Mandello del Lario als direktes Nachfolgemodell der 850 Le Mans III gebaut wurde. Die Bezeichnung bezieht sich auf die Motorsport-Rennstrecke im Nordwesten Frankreichs, auf der das berühmte 24-Stunden-Rennen ausgetragen wird. Das Modell wurde im September 1984 auf der Intermot-Messe in Köln vorgestellt und ab dem Frühjahr 1985 ausgeliefert. Auf diese letzte „Le Mans“ folgte 1994 die 1100 Sport.
Die Bezeichnung „Le Mans“ wurde wieder ab 2001 für die V11 Le Mans verwendet, eine verkleidete Variante der V11. 2009 wurde auf der Zweiradmesse EICMA eine Konzeptstudie namens V12 LM vorgestellt, wobei „LM“ eine Anspielung auf die Le Mans-Baureihen ist.
Modellentwicklung Le Mans 1000 (1. Serie, 1984–1987) mini|Le Mans 1000 1. Serie in weißer Lackierung Diese Baureihe wird oft inoffiziell als „Le Mans IV“ bezeichnet und wurde zunächst mit einem modischen 16"-Vorderrad ausgestattet, was die Handlichkeit der Maschine im Vergleich zur 850 Le Mans III verbesserte, aber die Stabilität der Maschine beeinträchtigte – es konnte bei hohen Geschwindigkeiten gefährliches Pendeln auftreten. Von den Kunden wurde das kleinere Vorderrad auch aus ästhetischen Gründen wenig geliebt. Die meisten Maschinen wurden auf ein 18"-Vorderrad umgerüstet. Ab 1987 wurde serienmäßig wieder ein 18"-Vorderrad eingebaut.
Die Frontverkleidung besteht aus einem lenkerfesten Cockpitteil mit rechteckigem Scheinwerfer und einem rahmenfesten Unterteil am Tank, sowie einem Frontspoiler an der Ölwanne. Die Instrumentenkonsole wurde von der 850 Le Mans III übernommen. Die Le Mans 1000 war zuerst nur in Rot erhältlich, die Abgasanlage und die Ventildeckel schwarz lackiert. Im Modelljahr 1986 wurde der ganze Antrieb schwarz lackiert. Der Antrieb des Modelljahres 1987 hat wieder die natürliche Aluminiumfarbe.
Zum 20-jährigen Jubiläum des 1966 mit der V7 vorgestellten V2-Motors wurde eine Le Mans 1000 SE („Special Edition“) mit weiß-roter Lackierung produziert (1986–1987).
Le Mans 1000 CI (2. Serie, 1988–1993) mini|Le Mans 1000 CI (1988–1993) mini|Le Mans 1000 CI „NT“ in Zweitonlackierung Die auf der EICMA im November 1987 vorgestellte zweite Serie wird verschiedentlich inoffiziell als „Le Mans V“ bezeichnet. „CI“ steht im Italienischen für Carenatura Integrale, auf Deutsch Vollverkleidung. Gemeint ist dabei technisch vor allem, dass die Frontverkleidung im Gegensatz zur ersten Serie nun vollständig rahmenfest ist. Geändert wurden auch die obere Gabelbrücke und die Instrumentenkonsole. Die Ventildeckel sind nun aus natürlichem Aluminium, nicht mehr schwarz lackiert. Neben Rot und Schwarz gibt es auch eine rot-schwarze Zweitonlackierung mit weißen Zierlinien. Die Abgasanlage ist wahlweise schwarz lackiert oder verchromt.
Die Le Mans 1000 des Modelljahres 1990 wurde nur geringfügig überarbeitet, erscheint aber in diversen Unterlagen als „NT“ für „Neue Type“ (italienisch: Nuovo Tipo, englisch: New Type), eine übertriebene Marketing-Suggestion. Die Gabel-Standrohre sind 25 mm länger, obere Gabelbrücke und Instrumentenkonsole wurden leicht geändert (Drehzahlmesser und Voltmeter sind gleich geblieben, Tachometer und Warnleuchten sind neu).
1993 wurde die Produktion eingestellt. Es wurde eine auf 100 Exemplare limitierte Sonderedition Ultima Edizione (auf Deutsch: allerletzte Auflage) in Rot oder Schwarz angeboten. 99 Stück wurden verkauft, die zum Teil aus Lager- und Händlerbeständen stammten. Das Sondermodell hat eine mit „x/100“ nummerierte Kupferplatte auf der oberen Gabelbrücke und eine verchromte Auspuffanlage mit den zylindrischen Endtöpfen der damals neuen Daytona, entspricht sonst der Vorjahresversion. Es wurde mit einem von Firmeninhaber De Tomaso und dem damaligen Geschäftsführer Paolo Donghi unterzeichneten Zertifikat geliefert.
Produktionszahlen Insgesamt wurden ca. 6300 Stück Le Mans 1000 produziert. Jahr 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1. Serie 460 1766 1179 754 71 – – – – – 2. Serie „CI“ – – – – 724 720 325 147 143 54 Quelle:
Technik Antrieb Die Le Mans 1000 hat einen längs eingebauten, luftgekühlten V2-Viertaktmotor mit 90° Zylinderwinkel und 948,8 cm³ Hubraum. Die zwei Zylinder haben eine Bohrung von 88 mm, die Kolben einen Hub von 78 mm, das Verdichtungsverhältnis beträgt 10,0 : 1. Motor- und Getriebegehäuse, Zylinder und Zylinderköpfe sind aus Aluminium. Die beiden hängenden Ventile pro Zylinder, im Vergleich zur Vorgängerin 850 Le Mans III erheblich vergrößert auf Ø 48 mm (Einlass) und Ø 40 mm (Auslass), werden über Stößel, Stoßstangen und Kipphebel von einer unten liegenden, geänderten Nockenwelle gesteuert. Die Steuerkette der Nockenwelle treibt auch die Ölpumpe zur Nasssumpfschmierung an.
Das Gemisch wird von zwei Vergasern Dell’Orto PHM mit Beschleunigerpumpe und Ø 40 mm Durchlass aufbereitet. Die Batteriezündung besteht weiterhin aus zwei am Rahmen befestigten Zündspulen und zwei Unterbrecherkontakten mit Fliehkraftverstellung. Der Benzintank aus lackiertem Stahlblech fasst 25 Liter, der Benzinverbrauch nach CUNA beträgt ca. 5,4 l/100 km, somit ergibt sich eine unrealistische theoretische Reichweite von ca. 460 km.
Die Nennleistung beträgt 81 PS (60 kW) bei 7000/min, das maximale Drehmoment von 83 Nm wird bei 6250/min erreicht. Die vom Hersteller angegebene Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h scheint gemäß den meisten Quellen übertrieben zu sein, in Tests wurden aber Spitzenwerte deutlich über 210 km/h gemessen.
Am vorderen Ende der zweifach gelagerten Kurbelwelle sitzt die direkt angetriebene Lichtmaschine. Auf dem hinteren Kurbelwellenstumpf befindet sich das Schwungrad mit der unveränderten, mechanisch über Seilzug betätigte Zweischeiben-Trockenkupplung. Das schrägverzahnte, am Motor angeflanschte Fünfganggetriebe wurde auch bis auf eine weichere Feder im Schaltautomaten zur besseren Schaltbarkeit unverändert von den drei Vorgängerversionen der 850 Le Mans übernommen. Mit dem Hinterrad ist das Getriebe durch eine Kardanwelle verbunden.
Rahmen und Fahrwerk Wie die Vorgängerin baut die Le Mans 1000 auf dem für die V7 Sport von 1971 vom damaligen technischen Direktor Lino Tonti entworfenen, hinten offenen Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr mit geschraubten Unterzügen, dem „Tonti-Rahmen“, der durch seine hohe Steifigkeit ein stabiles Fahrverhalten auch bei hoher Geschwindigkeit ermöglicht und zum Standard-Rahmen der bis 1993 eingeführten großen Guzzi-Modelle wurde. Die Hinterradschwinge aus Stahlrohr hat zwei Federbeine von Koni, die sich am Heckausleger abstützen. Das Vorderrad wird von einer neuen, von Guzzi patentierten, luftunterstützten Teleskopgabel mit 40 mm Standrohrdurchmesser geführt. Bei der Le Mans 1000 CI wird sie von Marzocchi zugeliefert. Bei der Überarbeitung 1990 (Verkaufsbezeichnung „NT“) sind die Standrohre 25 mm länger, der Radstand ändert sich von 1485 auf 1514 mm.
Die neuen Leichtmetallfelgen vom Typ MT ermöglichen nun den Einsatz schlauchloser Reifen (ab Werk Pirelli Phantom) und haben die Größen 16″×2,50″ vorn (ab 1987: 18″×2,50″) und 18″×3,00″ hinten. Die Reifendimensionen sind vorn 120/80 V 16 (ab 1987: 100/90 V 18) und hinten 130/80 V 18 (Le Mans 1000 CI, ab 1988: 120/90 V 18).
Integralbremssystem Auch die Le Mans 1000 ist mit der 1975 weltweit erstmalig in Großserie eingeführten, hydraulischen Verbundbremse ausgestattet, von Moto Guzzi „Integralbremssystem“ genannt, bei der die linke Vorderrad- und die Hinterradbremse bei variabler Bremskraftverteilung miteinander mit dem Bremspedal betätigt werden. Vorn gibt es zwei verkleinerte 270-mm-Bremsscheiben (Vorgängerin 850 Le Mans: 300 mm), hinten eine auf 270 mm vergrößerte Scheibe (Vorgängerin: 242 mm). An allen drei Bremsen sind die Scheiben schwimmend gelagert und die unverändert übernommenen Bremssättel von Brembo mit je zwei 38-mm-Kolben sind axial fest montiert.
Weblinks
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Motorradmodell Le Mans 1000