Der Vicus von Umkirch war eine römische dorfähnliche Siedlung (Vicus) im heutigen Umkirch im Landkreis Freiburg, Baden-Württemberg. Der Ort bestand im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr.
Siedlungsaufbau thumb|Römische Fundstellen in Umkirch Der Vicus lag an der östlichen Rheintalstraße und war über eine Verbindung durch das Dreisamtal an die über den Schwarzwald führende Straße angebunden.
Die Siedlung befand sich in einem sumpfigen Wiesengelände. Um die feuchten Bodenverhältnisse zu bewältigen, wurden Abflussrinnen angelegt und das Gelände stellenweise aufgeschüttet.
Das handwerklich geprägte Areal lag südlich des Mühlbachs und umfasste eine Fläche von etwa 280 × 180 m. Die Bebauung bestand überwiegend aus Holzbauten. Archäologische Funde belegen insbesondere Eisenverarbeitung sowie Mühlenbetriebe. Aufgrund einer etwa 50 m breiten fundleeren Zone wird dort der Verlauf einer Verkehrsstraße vermutet, die von Riegel am Kaiserstuhl nach Bad Krozingen führte. Zudem deuten Funde auf die Anwesenheit eines Töpfers namens „Giamilus“ hin. Der Siedlungskern lag im Bereich der heutigen Kirche.
Forschungsgeschichte thumb|Tintenfass mit Glanztonüberzug aus dem römischen Umkirch (oben links) Lange Zeit war Umkirch als römischer Siedlungsplatz unbekannt. Erst seit 1979 treten im Gewann „Mühlematten“ regelmäßig römische Funde zutage, die auf die Existenz eines Vicus schließen lassen.
1980 wurde bei Ausgrabungen in der Kirche Mariä Himmelfahrt ein Steinbau nachgewiesen, von dem teilweise Wandverputz mit geometrischer Bemalung erhalten war. Möglicherweise erfüllte dieses Gebäude eine zentrale Funktion innerhalb der römischen Siedlung.
1988 wurden bei Bauarbeiten in einem Neubaugebiet im Gewann „Ortsetter/Gutshof“ ein Steingebäude sowie zwei Holzbauten untersucht. Die Holzbauten dürften als Getreidespeicher oder Scheunen (horreum) gedient haben. Das Steingebäude konnte dagegen nur angeschnitten untersucht werden. In der Nähe verliefen ein ehemaliger Bach oder Graben sowie ein Entwässerungsgraben, die jeweils über Brücken führten. Darauf weisen die dort gefundenen Holzpfosten hin.Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1988. Konrad Theiss Verlag Stuttgart, ISBN 3-8062-0583-3, S. 127–129.
1996 wurden bei Kanalarbeiten südlich der heutigen Hauptstraße weitere römische Funde beobachtet. Diese deuten auf eine Holzbebauung in diesem Bereich hin und darauf, dass der heutige Mühlbach damals quer durch den Vicus verlief. 1997 konnte in einem Haus in der Straße „Im Hasenwinkel“ ein mehrräumiges Steingebäude nachgewiesen werden.Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1997. Konrad Theiss Verlag Stuttgart, ISBN 3-8062-0583-3, S. 114–116.
Literatur Philipp Filtzinger/Dieter Planck/Bernhard Cämmerer (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart und Aalen 1986, ISBN 3-8062-0287-7, S. 590f.
Einzelnachweise
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