Der Nürburgring 1 ist ein Videospielautomat, der im Jahre 1976 erschien und von Reiner Foerst entwickelt wurde. Er wurde erstmals im Frühjahr 1976 auf der Internationalen Fachmesse für Unterhaltungs- und Warenautomaten (IMA) der Öffentlichkeit vorgestellt, das zugehörige Patent bereits ein Jahr zuvor, 1975, angemeldet. Das Patent beschreibt bereits zentrale Aspekte der Straßendarstellung, der perspektivischen Bewegung sowie der Kopplung von Lenkrad- und Pedaleingaben. Bei dem Automaten handelt es sich um das erste kommerzielle Videospiel aus Deutschland und es gilt als das weltweit erste Videorennspiel, das aus der Sicht des Fahrers dargestellt ist. In Folge inspirierte es die Entwicklung von Ataris Videospiel Night Driver, das im selben Jahr auf den Markt gebracht wurde.
Gameplay Das Automatengehäuse (Cabinet) ist mit einem Lenkrad und mindestens einem Gaspedal ausgestattet. Spätere Versionen boten auch eine Gangschaltung und ein Bremspedal. Das Spiel wird mit einem Startknopf gestartet. Der Fahrer fährt entlang einer vorgegebenen, stets gleichen Rennstrecke, die durch weiße Leitpfosten am Straßenrand gekennzeichnet ist. Das Fahrzeug selbst ist auf dem Bildschirm durch einen weißen Balken repräsentiert, der durch einen Aufkleber überdeckt ist. Im unteren Teil des Bildschirms findet sich eine Geschwindigkeitsanzeige, eine Anzeige für die zurückgelegten Kilometer sowie die abgelaufene Zeit und andere Anzeigen, die z. B. das Erreichen des Ziels markieren. Kollisionen des Fahrzeuges mit den Leitpfosten werden gezählt und die Geschwindigkeit verringert sich, was einer Zeitstrafe entspricht. Das Spiel endet nach 90 Sekunden oder wenn der Fahrer zuvor das Ende der Rennstrecke erreicht. Wurde die Strecke in maximal 80 Sekunden abgefahren, erhielt der Spieler ein Freispiel. Außer den Leitpfosten gibt es keine weiteren Hindernisse oder dekorative Elemente. Auch werden keine weiteren Fahrzeuge dargestellt.
Entwicklung Schon aus dem Gameplay lässt sich ablesen, dass Reiner Foerst ursprünglich kein Videospiel, sondern einen Fahrsimulator entwickeln wollte. Er stieß jedoch an seine Grenzen, als er versuchte, professionelle Fahrsimulatoren wie jene, die zu dieser Zeit bei Volkswagen oder BP im Einsatz waren, in kleinerem Maßstab günstig nachzubauen. Daraufhin lehnte er sich in der Umsetzung an die Technik an, die er in einem Pong-Videospiel vorfand, das auf einer diskreten TTL-Schaltung beruhte. Dementsprechend besitzt auch der Nürburgring 1 keinen Mikroprozessor (CPU), sondern stattdessen 28 einzelne Platinen, die das Spiel in einer diskreten Schaltung umsetzen. Damit gilt der Nürburgring 1 auch als der erste in größeren Stückzahlen und kommerziell vertriebene Fahrsimulator der Welt.
Einfluss und Nachfolger Dave Shepperd, ein Programmierer bei Atari, Inc., sah eine Abbildung des Arcade-Automaten in einem Flyer, wobei auch ein Teil des Bildschirms dargestellt war. Dies inspirierte ihn, das Spiel Night Driver zu entwickeln. Die Ähnlichkeit in der Aufmachung des Spiels in der Arcade-Version von 1976 ist offensichtlich. Atari gelang es, das Spiel auf einer einzigen Platine unter Nutzung einer CPU-Architektur (MOS 6502) – und damit auf Basis eines Mikroprozessors – umzusetzen. Wenngleich der Nürburgring 1 somit die Originalversion des Spielprinzips darstellt und ein Meilenstein in der Entwicklung der Videospiele ist, blieb das Spiel selbst weitgehend unbekannt. Das lag weniger an den Unterschieden im Gameplay, die ja kaum vorhanden waren, als in der industriellen Umsetzung. Foersts Konzept mit diskreter Schaltung war weit aufwendiger zu bauen, während Atari in großen Stückzahlen und günstiger produzieren konnte. Atari verfügte Mitte der 1970er Jahre bereits über internationale Vertriebsnetze und positionierte das Spiel Night Driver offensiv als Weltneuheit mit verschiedenen Features.
Es wurden in Folge mehrere weitere Versionen von Nürburgring 1 entwickelt. Der Nürburgring 2 verfügt über einen Motorradlenker, während die dritte Version (Nürburgring 3) vollfarbig ist und über wählbare Hintergründe verfügt. Andere Varianten des Nürburgring 3 verfügen über Cabinets, bei denen der Fahrer in einem pendelnden Gehäuse sitzt. In dieser Form wurde der Nürburgring auch in Fernsehsendungen, z. B. bei der von Thomas Gottschalk moderierten Sendung Telespiele eingesetzt. Bis 1985 wurde eine vierstellige Zahl von Geräten gebaut. Infolge der Änderung des Jugendschutzgesetzes im Jahr 1985 verschwanden Videospielgeräte aus dem öffentlichen Raum. Daraufhin fokussierte sich Reiner Foersts Unternehmen bis heute auf professionelle Fahrsimulatoren.
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Einzelnachweise
Kategorie:Arcade-Spiel Kategorie:Rennspiel Kategorie:Computerspiel 1976