Der Fahrbare Trinkwasserbereiter (später umbenannt in Trinkwasserbereiterwagen (Sf. 17) (ab 1919)) war ein zweispännig gefahrenes Pferdefuhrwerk für die mobile Aufbereitung von Trinkwasser. Die ersten Wagen wurden ab 1900 eingesetzt, bis im Jahr 1910 der endgültige Wagen in Dienst gestellt wurde.
Entwicklung Im Jahr 1899 begann die Medizinalabteilung des Kriegsministeriums mit der Entwicklung einer Idee zur Wasserversorgung der Truppen. Diese sollte fahrbare Apparate bekommen, um verunreinigtes Wasser durch Kochen keimfrei zu bekommen. Dieser Apparat sollte in der Lage sein, einem Bataillon eine ausreichende Menge an reines, von erdigen und anderen Beimengungen gereinigtes und keimfreies Wasser zu liefern. In der Minute waren zwischen sechs bis sieben Liter geplant. Die Temperatur sollte dabei maximal 5 °C über der des Rohrwassers liegen.
Die erste Idee, den Wagen durch nur ein Zugtier ziehen zu lassen, scheiterte an dem Gewicht des Wagens. Man plante einen zweiachsigen Wagen, da nur solch einer das hohe Gewicht des Apparates tragen konnte. Im Jahr 1900 erhielt die Firma Rietschel & Henneberg (Spezialrohre für den Heizungsbau) den Auftrag, ein solches Fahrzeug zu bauen. Nach kurzer Zeit der Planung lieferte die Firma bereits einen ersten Wagen für die Erprobung. Hierbei wurde der Hauptzweck, die Herstellung von keimfreiem Wasser, problemlos erreicht. Der Wagen selber hatte allerdings erhebliche Fehler, welche bei den ersten Fahrversuchen festgestellt wurden. So war das Gewicht des Wagens zu groß, die Fahrbarkeit war zu gering und der Schwerpunkt lag zu hoch.
Im Jahr 1902 wurde ein zweiter Wagen mit wesentlichen Verbesserungen vorgezeigt. Das Wagengestell war nun an die Wagen des Heeres angepasst, das Gewicht deutlich verringert und der Schwerpunkt weiter nach unten verlegt. Der Heizkessel wurde verbessert und der Kühler transportfähiger gestaltet. Dieser neue Wasserbereiter wurde als kriegstauglicher betrachtet, hatte jedoch weiterhin einen signifikanten Fehler. Während des Betriebs ging das gesamte Kühlwasser verloren. Das zum Kühlen des keimfreien Wassers verwendete Rohrwasser konnte nicht zum Speisen des Kessels genutzt werden. Da dies die vierfache Menge des erhaltenen keimfreien Wassers betrug, wurde nur 1/5tel des zur Verfügung stehenden Wasservorrats als Trinkwasser gewonnen.
Im Jahr 1904 wurde ein weiterer Wagen vorgestellt, bei dem dieser Mangel durch eine Neugestaltung des Kühlers abgestellt wurde. Hier wurde nun das Rohwasser zum Kühlen des heißen Trinkwassers genutzt, wodurch dieses Rohwasser selbst erwärmt wurde. Dadurch konnte eine große Menge an Heizmaterial eingespart werden, da dieses erwärmte Kühlwasser danach gekocht wurde um keimfrei zu werden. Jedoch gab es bei dieser Kühlerkonstruktion ein anderes Problem, die Reinigung des mit Gummischeiben gedichteten Kühlers. Diese gestaltete sich als so kompliziert, dass sie nicht durch Laien durchgeführt werden konnte. So musste der Kühler neu konstruiert werden und sollte nur noch aus Metall bestehen.
Im Jahr 1906 wurde erneut ein Wagen vorgestellt, bei dem der Kühler komplett aus Metall bestand. Weiterhin wurde bei diesem Wagen, neben der von Hand bedienten Pumpe zum Speisen des Kessels mit Wasser, eine Dampfpumpe eingeführt. Diese hielt den Betrieb aufrecht, sobald ein Überdruck von 0,3 Atmosphären im Kessel erreicht wurden. Doch auch dieser Wagen hatte neue Probleme. Der eingeschaltete Filter im Rohwasserweg genügte nicht aus, um das Wasser in ausreichender Menge von suspendierten Beimengungen zu befreien. So wurde im Jahr 1907 ein Vorfilter hinzugefügt.
Die fahrbaren Trinkwasserbereiter wurden in jedem Jahr während der Kaisermanöver im Herbst bei einzelnen Truppenteilen in Gegenden mit schlechten Trinkwasserverhältnissen eingesetzt. Hierbei stellten sich mehrfach Mängel, schwere Fahrbarkeit, sowie die leichte Verletzbarkeit der Aufbauten heraus. Im Jahr 1909 wurde daher der Bau der Trinkwasserbereiter grundlegenden Änderungen unterzogen. Es sollten nun grundlegende Teile vor Beschädigungen geschützt gelagert und alle Ventile, welche vorher über den gesamten Wagen verteilt waren, sich zentral an einer Stelle befinden. Auch der Kessel wurde durch neue Schweißverfahren hergestellt, wodurch er auch bei fehlendem Wasser befeuert werden konnte, ohne Schaden zu nehmen.
Ab dem Jahr 1910 wurde ein Wagen vorgestellt, welcher nahezu allen Anforderungen entsprach und als Fahrbare Trinkwasserbereiter in den Bestand der Armee aufgenommen wurde.
Technische Daten mini|Fahrbarer Trinkwasserbereiter mit Feuerbuchse (oben rechts) Der Fahrbare Trinkwasserbereiter wog mit der kompletten Einrichtung 1332 kg. Die Deichsel konnte um 18 Winkelgrad nach oben und um 16 Winkelgrad nach unten gebogen werden. Die Lenkbarkeit zu beiden Seiten lag bei je 100 Winkelgrad. Die Achsen, Räder, Zugvorrichtung, Federung, das Vordergestell mit den Deichselarmen und der Protznagel, waren identisch zu dem des Krankenwagen 1895. Die Tragbäume bestanden aus Profileisen mit einem U-förmigen Querschnitt. Sie trugen den Trinkwasserbereiter mit allem Zubehör, während vorn ein kleiner Wagenkasten mir Fußbrett aufgebaut war.
Der vordere Teil des Wagenkastens war zugleich der Sitzkasten für den Kutscher und diente als Bocksitz. Der Sitz hatte eine feste, mit Blech verkleidete Decke und Armlehnen für einen besseren Fahrkomfort. Zugang zum Wagenkasten hatte man durch eine Klappe an der Vorderseite. Darin wurden Rationen, Wagenzubehör und das persönliche Gepäck des Kutschers untergebracht. An der Rückseite des Sitzkastens befand sich eine, aus Draht geflochtene, mit einer wasserdichten Decke versehene, Schoßkelle für Brennmaterial. Darauf befand sich zusätzlich noch ein Lager für den niedergelegten Schornstein. Unter dem Wagenkasten befand sich ein Protzkasten, in welchem Vorratssachen gelagert wurden. Am Wagenkasten befanden sich an der Sattelseite (links) Beschläge für ein Beil und eine Kreuzhacke, sowie eine Halterung für eine Laterne. Unter dem Fußbrett wurde ein Spaten verstaut. An der Handseite (rechts) gab es eine Halterung für die Peitsche. Auf dem Wagenkasten wurde eine Schrotsäge mit Holzfutteral untergebracht.
Im Trinkwasserbereiter wurde das Wasser in einem groben und einem feinen Vorfilter vorgereinigt. Im Kessel wurde das Wasser dann auf 105–110 °C erhitzt und damit keimfrei gemacht. Danach floss es in den Kühler, wurde abgekühlt und im Hauptfilter von noch vorhandenen oder während des Kochens entstandenen Beimengungen, wie Kesselstein, befreit. Der Weg des Wassers war auf den Rohrleitungen und Ventilen durch Pfeile gekennzeichnet. Die Pfeile der Rohwasserleitungen hatten dabei eine grüne, die Sterilwasserleitungen eine rote Farbe. Das Wasser wurde aus Wasserquellen wie Flüssen oder Seen durch einen Saugschlauch mit einem Filterkorb in den Apparat gepumpt. Zu Beginn des Betriebes noch durch eine von Hand bediente Flügelpumpe mit Ablaufhahn, während des Betriebes durch eine selbsttätige Dampfpumpe. Diese konnte dann bis zu 750 l Wasser in der Stunde liefern. Auch die Dampfpumpe verfügte über einen Ablaufhahn, durch den das Wasser abgelassen und ein Einfrieren der Leitungen verhindert werden konnte. Das Auspuffrohr der Dampfpumpe wurde unter den Wagen geleitet, um das Personal nicht dem Abdampf auszusetzen.
Reinwassergewinnung Das Rohwasser gelangte, nach dem Ansaugen, zunächst in die Vorfilter. Dieser befand sich über dem Kühler und hatte eine länglich, zylindrische Form. Diese waren mit feiner Kupfergase überzogen und mit Bimsstein gefüllt. Die Vorfilter hielten alle Verunreinigungen im Rohwasser zurück, wodurch eine Verschmutzung des Kühlers und des Sterilisierkessels verhindert wurde. War das Rohwasser zu stark verschmutzt und die Filter verstopft, so wurde das System durch rückläufiges, bereits gereinigtes Wasser gespült. Was die Anlage ausgeschaltet, konnte man die Filter entnehmen und mit normalem Wasser reinigen. Der Grad der Verschmutzung konnte durch ein Schauglas beobachtet werden.
Nachdem das Wasser vor gefiltert wurde, gelangte es in den Sterilisierkessel. Dieser konnte durch Kohle oder Holz befeuert und auf Temperatur gebracht werden. Die Feuertür verfügte über einen isolierten Griff und konnte fest verschlossen werden, wodurch ein Aufspringen während der Fahrt vermieden wurde. Die Verbrennungsgase wurden durch die Mitte des Kessels geführt und durch einen umlegbaren Schornstein abgeleitet. Die Stärke des Feuers und Luftzufuhr konnte durch eine Klappe am Schornstein geregelt werden. Der Sterilisierkessel war ein Quersiederohrkessel und bestand aus einem äußeren und inneren Kupfermantel. Dieser enthielt im Inneren, zur Sicherung der Sterilisierwirkung, eine Rohrschlange mit zahlreichen Windungen, welche die Siederohre durchzog. Durch den im Kessel herrschenden Druck wurde das Wasser durch diese Rohrschlange getrieben, wobei es durchgehend von siedenden Wasser umgeben war. Auf diese Weise wurde das Wasser, bevor es das Ende der Rohrschlange erreichte und den Kessel verließ, auf 105–110 °C erhitzt. Diese Temperatur wurde mindestens eine Minute lang gehalten. Diese Temperatur war von höchster Bedeutung für den Betrieb und wurde ständig durch ein Thermometer an der Austrittsleitung beobachtet.
Ein am Kessel angebrachter Manometer prüfte ständig den im Kessel herrschenden Druck. Dieser sollte immer zwischen 0,2 und 0,5 Atmosphären liegen. Der Überdruck von 0,5 Atmosphären durfte nicht überschritten werden. Am Kessel befanden sich zwei Hähne, von denen einer mit einem dünnen nach unten verlaufenden Rohr verbunden war. Aus dem oberen Hahn musste ständig Dampf und aus dem unteren ständig Wasser austreten, damit der Kessel einen gleichbleibenden Wasserstand hatte. Der Wasserstand wurde durch eine senkrecht stehendes Glasrohr am Kessel angezeigt. Drei rote Markierungen darauf zeigten den niedrigsten, normalen und höchsten Wasserstand an. Der Druck wurde durch ein Standrohr an der hinteren Seite des Kessels reguliert.
Hinter dem Sterilisierkessel war der Kühler angebracht. Dieser bestand aus einer Vielzahl von schmalen Zellen, die abwechselnd miteinander verbunden waren. Hierbei entstanden zwei gleichlange, aber voneinander getrennte Wege in entgegengesetzter Richtung. Hier wurde das erhitzte Wasser auf die nahezu gleiche Temperatur herabgesetzt wie das Rohwasser, wobei es ein bis zwei Grad unterschied gab. Das in den Kessel fließende Rohwasser wurde dadurch so weit erhitzt, das es bereits mit einer Siedetemperatur in den Kessel eintrat. Dadurch wurde der Betrieb vereinfacht und der Verbrauch von Brennmaterial deutlich verringert.
Nachdem das Wasser im Kühler abgekühlt wurde, gelangte es in ein Reinwassersammelgefäß, welcher neben dem Sterilisierkessel lag. Dieses war mit einer Belüftungs- und Filtervorrichtung versehen. Darin konnten die, durch das Kochen entfernten Gase, wieder beigemengt werden und das Wasser erhielt einen frischeren Geschmack. Im mittleren Teil des Gefäßes befand sich der Hauptfilter. Dieser war mit fein zerriebenem Bimsstein gefüllt und mit feiner Kupfergase bespannt. Dieser Filter diente dazu, entstanden Trübungen vom Kochen oder durch die Belüftung zu reinigen. Damit konnte Kalk, Kesselstein oder Eisenoxid aus dem Wasser entfernt werden. Darunter befand sich das Sammelbecken für der fertige und reine Wasser. Es hatte ein Fassungsvermögen von 50 l und konnte durch zwei Zapfhähne entnommen werden. Insgesamt war es möglich, bis zu 500 l reines Wasser in der Stunde zu gewinnen.
Einsatz