Marilena Pelosi (* 26. Februar 1957 in Rio de Janeiro) ist eine brasilianisch-französische Malerin, die sich der Art brut zurechnen lässt.

Werdegang Marilena Pelosi wurde in Rio de Janeiro als einziges Kind katholischer Eltern geboren, die sich später einem Voodoo-Kult zuwandten. Als Kind wurde sie Zeugin zahlreicher Voodoo-Rituale. Sie selbst erlebte ihre Kindheit als „beinahe autistisch, versunken in eine Art Lethargie“. Mit sechzehn Jahren begann sie während ihrer Genesung von einer schweren Krankheit künstlerisch tätig zu werden, malte und zeichnete.

Marilena Pelosi verließ mit zwanzig Jahren Brasilien, um nicht mit einem ungeliebten Macumba-Priester verheiratet zu werden, und reiste danach durch Europa, Indien und Amerika. Sie heiratete zweimal, doch die Ehen verliefen unglücklich und scheiterten. Während dieser Zeit zeichnete sie kaum, doch nachdem sie sich Anfang der 1980er Jahre dauerhaft in Frankreich niedergelassen hatte, begann sie wieder täglich an ihren Zeichnungen zu arbeiten. Marilena Pelosi lebt und arbeitet in der Normandie.

Werk Marilena Pelosis künstlerisches Werk ist stark durch ihre brasilianischen Wurzeln geprägt. In ihren Zeichnungen finden sich religiöse Motive des Katholizismus und der Macumba-Tradition: „Erinnerungen an Voodoo-Trancen, diabolische Karnevals und eucharistische Prozessionen verschmelzen mit intimsten Erinnerungen“. Ihre Werke zeigen hauptsächlich Frauen in den Rollen von Henkerinnen, Folterinnen und Opfern, teils versehen mit „typisch weiblichen Elemente wie Handtaschen und Accessoires“. „Zungenartige Fäden schießen aus Mündern, ziehen Linien, fesseln Opfer an Tische, sperren sie in Kokons ein, dringen in Körper ein und verschmelzen mit Betten, Tischen und dem Wirken beunruhigender Maschinen“. „Kataleptische Gestalten, verstümmelte und durchbohrte Körper, endlose Förderbänder und Bienenschwärme mit Menschenköpfen sind ihre häufigen Motive“. Allgegenwärtig in den Bildern sind Körperflüssigkeiten wie Tränen und Blut.

Marilena Pelosi malt auf Papier oder Transparentpapier. Kleine Formate gestaltet sie ein- oder zweifarbig, doch oft fertigt sie Zeichnungen in vielen und leuchtenden Farben an. Für ihre minimalistischen, symbolträchtigen Bilder verwendet sie Kugelschreiber, Füllfederhalter und Filzstifte. Sie arbeitet jeden Morgen nach dem Frühstück und vollendet ein Bild in etwa drei bis vier Tagen. Dabei plant sie nicht eine Komposition im Voraus, sondern zeichnet spontan „direkt mit scharfen und prägnanten Linien“ ohne Vorzeichnungen.

Marilena Pelosi wird von „Christian Berst Art Brut“ und der „Henry Boxer Gallery“ vertreten.

Ausstellungen und Sammlungen (Auswahl) 2002: Visions et Créations dissidentes. Musée de la Création Franche, Béglés 2005: Création Franche N° 24. Musée de la Création Franche 2009: Manoeuvre de désenvoûtement. Galerie Christian Berst, Paris 2010: Marilena Pelosi - Voodoo Child. Galerie Peithner-Lichtenfels, Wien 2010: Collection Création Franche – 1989-2010. Musée de la Création Franche, Béglés 2013: Marilena Pelosi. Musée de la Création Franche, Béglés 2014: Côtes Ouest: art brut et arts apparentés. Musée de la Création Franche, Béglés 2025: Espírito Singular. Centro de Arte Oliva, São João da Madeira Museum van de Geest „Salo IV – Salon du dessin érotique“, Paris

Werke von Marilena Pelosi befinden sich unter anderem in der Sammlung des Art et Marges Musée in Brüssel, im Trinkhall Museum in Lüttich, der Schweizer Sammlung Dammann, der Sammlung Treger und Saint Silvestre in Portugal, im Musée de la Création Franche in Béglés, im Museum La Fabuloserie in Dicy, im Musée National d’Art Moderne im Centre Georges-Pompidou, dem LaM – Lille Métropole, musée d’art moderne, d’art contemporain et d’art brut in Villeneuve-d’Ascq und im Pariser „Centre national des arts plastiques“ (CNAP) des Fonds national d’art contemporain.

Einzelnachweise Marilena Pelosi. In: ArtFacts.Net. Abgerufen am 6. Januar 2026

Marilena Pelosi. In: Artnet. Abgerufen am 6. Januar 2026

Marilena Pelosi. In: Gallery Christian Berst Art brut. Abgerufen am 6. Januar 2026

Marilena Pelosi. In: Hannah Rieger: Living in art brut. Abgerufen am 6. Januar 2026

Pelosi, Marilena. In: Musée de la Création Franche. Abgerufen am 6. Januar 2026

Marilena Pelosi. In: Musée de la Création Franche. Abgerufen am 6. Januar 2026

Marilena Pelosi. Kunstenaar. In: Museum van de Geest. Abgerufen am 6. Januar 2026

Pelosi Marilena. In: outsider-art-brut.ch. Abgerufen am 6. Januar 2026

Marilena Pelosi. In: Henry Boxer Gallery. Abgerufen am 6. Januar 2026

Marilena Pelosi. In: outsiderartnow.com. Abgerufen am 6. Januar 2026

50 Artists / 3. In: Raw Vision: Women in Outsider Art. Ausgabe 103, Herbst 2019, S. 33 (PDF; 59,9 MB).

Matthieu Peronnet: Marilena Pelosi. In: Raw Vision. Ausgabe 109, Winter 2021/22, S. 22 ff.

Pelosi, Marilena. In: Collection Treger Saint Silvestre. Abgerufen am 6. Januar 2026

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