mini|Panoramagebouw, 1927 Das Panoramagebouw (Panoramagebäude) an der Plantage Middenlaan in Amsterdam war ein öffentliches Panorama und wurde im Dezember 1880 eröffnet. Am 1. Oktober 1928 war es zum letzten Mal zugänglich und wurde am 15. Oktober 1935 abgerissen.
Geschichte Ein erstes Panorama befand sich vor der Oude Schouwburg an der Leidsepoort am Leidseplein. Dieses Panorama bestand lediglich aus einem Zelt, in dem sich die Gemälde befanden. Es zeigte u. a. 1816 Bilder der ein Jahr zuvor erfolgten Schlacht bei Waterloo. Das neue Panoramagebouw war eine im Jahr 1877 gefasste Initiative von Amsterdamer Unternehmern, die nach den ersten Erfolgen den prominenten Amsterdamer Architekten Isaac Gosschalk mit dem Entwurf für ein festes Steingebäude beauftragten. Das neue Gebäude entstand an der Plantage Middenlaan, gegenüber dem Zoo Artis. In diese Zeit fiel auch die Errichtung des Zooaquarium. Vor dem runden Panorama-Gebäude wurde ein monumentaler Eingang mit Arkaden und kleinen neobarocken Kuppeln an den Ecken errichtet. Der kreisförmige Teil des Gebäudes hatte einen Durchmesser von 40 Metern und war 15 Meter hoch. Die Unternehmer rechneten mit etwa hunderttausend Besuchern pro Jahr; für den Bau und den Betrieb war eine Viertelmillion Gulden erforderlich. Das Gebäude verfügte über eine Grundfläche von 1.600 Quadratmetern, wobei der zentrale Raum die Form eines Zylinders mit einem Durchmesser von 40 Metern hatte und das Publikum auf einer runden Plattform im Mittelpunkt stand. Zu sehen war Die Belagerung von Haarlem im Jahre 1572, gemalt von Pierre Tétar van Elven unter Mithilfe seines Vaters Jan Baptist Tétar van Elven.
Die Darstellung bestand aus einem großen Panoramagemälde entlang der Wand und einer künstlichen Landschaft mit Erde und Sand zwischen den Zuschauern und dem Gemälde – eine Form der Präsentation, die auch beim Panorama Mesdag angewandt wurde. Die Belagerung von Haarlem zeigte den Stadtwall von Haarlem, an dem Kenau Simonsdochter Hasselaer den Feind bestürmte, sowie das Panorama der weiten Umgebung: Kennemerland, das Haarlemmermeer, auf dem Wassergeusen gegen Spanier kämpften, und in der Ferne Amsterdam. Zwischen der Plattform und dem Panorama waren „echte“ Armeezelte, kleine Gebäude, Waffen und Gebüsche arrangiert; die Besucher standen virtuell im spanischen Hauptquartier. Das Konzept für diese Darstellung war dem Panorama Die Belagerung von Paris entlehnt, das in einem Gebäude an der Champs-Élysées in Paris gezeigt wurde und sehr viele Zuschauer anlockte.
mini|200px|Werbeplakat für das Panorama Nova Zembla, gemalt von Louis Apol Neben dem großen Saal hatte das Panoramagebäude ein Diorama. Besucher wurden zuvor durch einen dunklen Gang geführt, damit sich ihre Augen an das verringerte Licht gewöhnen konnten. Danach gelangten sie in einen Raum, in dem sie auf einem transparenten Hintergrund die gemalte Ruine von Brederode sahen Die Beleuchtung hinter dieser Präsentation erzeugte eine blendende Ferne. Das Vordergebäude diente in den ersten Jahren nach der Eröffnung auch für Wechselausstellungen zeitgenössischer Malerei, z. B. Nicolaas van der Waay. Im zentralen Raum wurden im Laufe der Jahre neue Panoramen präsentiert, um einem Besuch wieder einen neuen Impuls zu geben. Das ursprüngliche Panorama Die Belagerung von Haarlem wurde durch Die Zerstörung von Pompeji ersetzt, dem anschließend bis Ende 1928 die Panoramen Nova Zembla, Jerusalem und Der Einzug Jesu folgten.
Im Jahr 1920 ging die Mehrheit der Anteile an der Panorma Maatschappij in den Besitz einer Person über, die das Gebäude in ein Volkstheater umwandeln wollte. Nach langem Hin und Her erhielt sie die Genehmigung der Gemeinde, da das Interesse an Panoramen unter anderem durch das Aufkommen des Films zurückgegangen war. Das Vorhaben wurde jedoch nie umgesetzt. Das Gebäude stand jahrelang leer und wurde nach einer erfolglosen Zwangsversteigerung im Jahr 1927 im Jahr 1935 in einem ziemlich baufälligen Zustand abgerissen, um Platz für einen heute noch dort befindlichen Park („Plantage Westermanplatsoen“) zu schaffen.
Van Gogh Im Dezember 1892 wurde in diesem Gebäude die erste Vincent-van-Gogh-Ausstellung in Amsterdam abgehalten. Bekannte Maler jener Zeit kamen zu Besuch und hinterließen ihren Eindruck. George Hendrik Breitner, der Van Gogh aus seiner Haager Zeit kannte, sprach von „Kunst für Eskimos ohne die geringste Distinktion“. Jozef Israëls fand es nur seltsam, dass Van Gogh die Sonne malte „denn die Sonne kann man gar nicht malen“.W. Van den Belt und B. Hardus: De Schilders van Amsterdam, Wbooks 2022, ISBN 978-94-6258-515-7 Die Ausstellung trug in bedeutendem Maße zur Bekanntheit Van Goghs bei.
Literatur
Auke van der Woud: De nieuwe mens. De culturele revolutie in Nederland rond 1900, Amsterdam 2015, ISBN 978-90-351-4291-6, Seiten 21–26 W. Van den Belt und B. Hardus: De Schilders van Amsterdam, Wbooks 2022, ISBN 978-94-6258-515-7
Weblinks
Das Panorama-Gebäude, die dort gezeigten Panoramen und einige andere Panorama-Ausstellungen in Amsterdam: Frits Slicht: Panoramagebouw in de Plantage was een grote volksattractie, Ons Amsterdam Jan/Feb 2020 Bilder des Panorama-Gebäudes und der dort ausgestellten Panoramen:
Einzelnachweise
Kategorie:Panoramabild Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in den Niederlanden Kategorie:Erbaut 1880 Kategorie:Zerstört in den 1930er Jahren Kategorie:Bauwerk in Amsterdam Kategorie:Geschichte (Amsterdam) Kategorie:Vincent van Gogh