mini|Der Nakatambol-Baum Dracontomelon vitiense ist eine charakteristische Pflanze im Vatthe Conservation Park mini|Der Vatthe Conservation Park liegt an der Nordküste von Espiritu Santo im Bereich des Big Bay Der Vatthe Conservation Park ist ein Natur- und Landschaftsschutzgebiet im Norden der größten vanuatuischen Insel Espíritu Santo. Er dient als Modell für gemeinschaftsbasierte Naturschutzprojekte und soll als Alternative zu Holzgewinnung der Bevölkerung durch Ökotourismus, Nussverarbeitung und nachhaltigen Fischfang nachhaltige Wirtschaftsoptionen erschließen.
Seit 2004 ist er auf der Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe.
Geschichte Die Vatthe Conservation Area wurde 1994 auf Espíritu Santo als erster Naturschutzpark von Vanuatu nach Absprachen mit den lokalen Gemeinschaften der Sara und Matantas eingerichtet. Der Name „Vatthe“ entstammt einer lokalen Indigenensprache auf Espiritu Santo und bedeutet „Auge des Meeres“. Der Naturschutzpark erschließt auf knapp 23 km² Fläche im Norden der Insel hauptsächlich tropischen Regenwald.
Espiritu Santo wird von der IUCN als Schlüsselregion für Artenvielfalt (“Key Biodiversity Area”) eingeschätzt. Hier leben viele endemische Tier- und Pflanzenarten, die nach den IUCN-Kriterien vielfach als bedroht oder gefährdet gelten. Die größten Gefährdungen laut IUCN-Analyse sind vor allem Lebensraumverlust, invasive Arten und häufige Extremwetterereignisse.
Neben dem Vatthe Conservation Park stehen Yalo, Apialo und die Region im Nordwesten der zweitgrößten vanuatuischen Insel Malakula, der 1942 versenkte Ozean-Liner The President Coolidge, der Letas-See und die Korallensteine von Nowon and Votwos auf Ureparapara auf der „tentative list“ Vanuatus für das Weltkulturerbe. 2008 erhielt Chief Roi Mata’s Domain die Anerkennung als UNESCO-Welterbe.
Geographie und Geologie Das Schutzgebiet liegt an der Nordküste von Espiritu Santo beim Big Bay. Es erstreckt sich westlich bis zum Jordan, dem größten Fluss Vanuatus, und südlich über den schwarzen Sandstrand der Bucht, den Matantas-River und vier Kilometer bis zur Spitze einer 400 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Kalksteinklippe. Es umfasst etwa 2.720 Hektar und ist das größte zusammenhängende Tieflandwaldgebiet auf alluvialen Böden in Vanuatu. Das Klima auf Espiritu Santo ist tropisch mit ganzjährig hohen Temperaturen und einer ausgeprägten Luftfeuchtigkeit. Typisch sind häufige Regenfälle sowie eine hohe Wahrscheinlichkeit für Gewitter.
Fauna und Flora mini|Pteropus tonganus im Flug Das Vatthe-Schutzgebiet gilt als der einzige noch erhaltene ausgedehnte Auen- und Kalksteinwald in ganz Vanuatu.
Säugetiere Im Schutzgebiet gibt es drei Höhlen, die als Schlafplätze für insektenfressende Fledermäuse dienen; Es wurden fünf Fledermausarten registriert, zwei Fruchtfledermäuse (Pteropus tonganus und Pteropus aneitianus) und drei insektenfressende Fledermäuse (Aselliscus tricuspidatus, Hipposideos cervinus und Miniopterus australis).
Vögel mini|Zosterops flavifrons, Aquarell von Georg Forster (1754–1794) mini|Neolalage banksiana Insgesamt 48 Arten von Land- und Süßwasservögeln wurden von der Royal Forest and Bird Protection Society of New Zealand 1993 für die Region des Schutzgebietes erfasst. Von den neun endemischen Arten Vanuatus wurden folgende sechs in der Vatthe-Area identifiziert: Baker-Fruchttaube (Ducula bakeri),Factsheet Baker-Fruchttaube auf BirdLife International, auf datazone.birdlife.org die Santa-Cruz-Taube (Pampusana sanctaecrucis),Factsheet Santa-Cruz-Taube auf BirdLife International, auf datazone.birdlife.org Laryard-Megapodius (Megapodius freycinet laryardi), Gelbstirn-Brillenvogel (Zosterops flavifrons), der Rostbürzelstar (Aplonis santovestris), und der Vanuatu-Fliegenschnäpper (Neolalage banksiana). Die meisten der endemischen Arten sind gefährdet oder stark gefährdet. Nur der gelbbäuchige Vanuatu-Fliegenschnäpper (Neolalage banksiana) ist bei stabilen Beständen ungefährdet. Viele andere vom Aussterben bedrohte Arten sind ebenfalls in Vatthe anzutreffen.
Reptilien Eine 1993 von Anthony H. Whitaker durchgeführte Studie zu den Reptilien Vanuatus ergab, dass 10 der 12 auf Santo vorkommenden Reptilienarten in Vatthe zu finden sind, davon sind 3 (Cryptoblepharus novohebridicus, Emoia nigromarginata und Emoia sanfordi) endemisch.
Fische Eine von Keith Philippe am Matantas-Fluss durchgeführte Süßwasseruntersuchung im Jahr 2003 registrierte 21 Süßwasserfischarten von insgesamt 62 in Vanuatu bekannten Arten. Davon sind drei endemisch. Zu den endemischen Fischarten gehören Schismatogobius vanuatuensis, Microphis-Arten und Stenogobius-Arten, die noch klassifiziert werden müssen. Im Rahmen der Untersuchung wurden in diesem Gebiet auch 13 Arten von Krebstieren dokumentiert.
Pflanzen mini|Antiaris toxicariia Die Vegetation von Vatthe lässt sich in sieben große Pflanzengemeinschaften einteilen: Auenwald, artenreicher Wald, artenarme Namatal-Wälder mit Kleinhovia hospita und Nakatambol-Wälder mit Dracotommelon vitiense, Bin-Tri-Wälder aus Antiaris toxicariia, Sumpfwälder, Korallenkalksteinwälder, Savannen und die Ufervegetation des Jordan.
Indigene Bevölkerung Das Schutzgebiet versorgt die indigenen Matantas und Sara mit Nahrung, Baumaterialien und Medizin. Sie ernten Nangai-Nüsse (Canarium indicum) und Bin-Tri-Samen, die auf den lokalen Märkten verkauft werden. In diesem Gebiet wurden insgesamt 265 Pflanzenarten (Bäume, Sträucher, Palmen, Lianen und Reben) identifiziert, die von der Bevölkerung traditionell genutzt werden. Viel Orte im Schutzgebiet haben rituelle Bedeutungen, so ist eine der Fledermaushöhlen „tabu“ und darf nur vom Oberhaupt des Dorfes Matantas nach einer traditionellen Zeremonie betreten werden.
Wirtschaft Die bis zur Ausweisung als Naturschutz betriebene mehr oder weniger planlose Nutzung des Waldes als Holzlieferant wurde abgelöst durch ein Konzept, das eine nachhaltige Entwicklung verspricht. Die drei Säulen sind Ökotourismus, beispielsweise mit Naturwanderungen, Tauchtouren und Vogelbeobachtungen, eine die Ressourcen schonende nachhaltige Fischerei und eine Ausweitung der traditionellen Nussproduktion. Auf Espiritu Santo werden wirtschaftlich vor allem Kokosnüsse (für Kopra), Erdnüsse für den Export und regionale Nussarten wie die Natapoa-Nuss genutzt.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Waldgebiet Vatthe Conservation Park Kategorie:Schutzgebiet (Umwelt- und Naturschutz) in Vanuatu Kategorie:Sanma