Das Gymnasium & Internat Disentis ist eine Schweizer Internatsschule in Disentis in Graubünden für Mädchen und Jungen. Der Wahlspruch lautet: «Damit dir die Welt offen steht.» Die Geschichte der ältesten Bildungseinrichtung Graubündens reicht urkundlich bis 1285 zurück.

Das Gymnasium, das zur Matura führt, ist zum einen eine öffentliche Schule für Jugendliche aus der Region Surselva, zum anderen eine Privatschule für junge Menschen aus der ganzen Schweiz und dem Ausland. 2025 besuchten etwa 150 Schülerinnen und Schüler das sechsjährige Langzeitgymnasium und das vierjährige Kurzzeitgymnasium. 34 davon lebten im Internat. Gymnasium und Internat sind Teil des Klosters Disentis; sowohl Mönche als auch angestellte weltliche Lehrer unterrichten.

Die Neubauten von Schule und Internat wurden mehrfach preisgekrönt. Der Schulchor gehört zu den bekanntesten Schulchören der Schweiz.

Bildungsangebot Das Gymnasium ist zum einen eine öffentliche Schule für Jugendliche aus der Region Surselva, zum anderen eine Privatschule für junge Menschen aus der ganzen Schweiz und dem Ausland. Unterrichtet werden etwa 150 Schülerinnen und Schüler (Stand: 2026). Angeboten werden zwei Typen von Gymnasien: Das sechsjährige Langzeitgymnasium (Eintritt nach der 6. Primarklasse) und das vierjährige Kurzzeitgymnasium (Eintritt nach der 2. Oberstufe/Sekundarklasse), die beide mit dem eidgenössisch anerkannten Maturitätsausweis abschliessen.

Als einziges Gymnasium in der Schweiz bietet das Gymnasium & Internat Disentis das Wahlfach PreMed an. Darin wird mit Praktikum, Intensivunterricht und gezielter Vorbereitung auf den Eignungstest Medizin vorbereitet.

Sprachaufenthalte im Ausland werden angeboten, der Erwerb des Cambridge English: Advanced und des Cambridge English: Proficiency wird unterstützt. Schülerinnen und Schüler mit romanischer Muttersprache können zudem die Maturitad bilingua grischuna in Deutsch und Romanisch ablegen.

Ein Teil der Schülerinnen und Schüler lebt im Internat.

Die Aktivitäten von Gymnasium & Kloster Disentis richten sich nicht nur an die eigenen Schülerinnen und Schüler: Im Sommer finden für italienischsprachige Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren aus dem Tessin jeweils zwei Sprachkurse mit intensivem Deutschunterricht in drei Kenntnisstufen mit einem Freizeitprogramm und einer Wohnmöglichkeit vor Ort statt.

Aufnahme Die Aufnahme von Jugendlichen aus dem Kanton Graubünden ist, wie bei allen Gymnasien dieses Kantons, an das Bestehen einer Aufnahmeprüfung gebunden. Sie wird vom Kanton organisiert und jeweils im Februar / März am Gymnasium & Internat Kloster Disentis abgehalten. Vorab wird ein Trainingsprogramm angeboten. Wer in einem anderen Kanton oder im Ausland bereits ein staatlich anerkanntes Gymnasium besucht und dort die Probezeit bestanden hat, muss keine Aufnahmeprüfung ablegen; für andere Jugendliche wird eine Prüfung nach eigenen Bestimmungen durchgeführt.

Musisch-sportlicher Bereich Die musikalische Bildung wird mit dem Schwerpunktfach Musik besonders gefördert. Dem Chor des Gymnasiums & Internats Kloster Disentis gehören etwa 65 Jugendliche an. Das Repertoire umfasst nicht nur Madrigale, Motetten, klassische Messen, Spirituals und Lieder, sondern auch grosse Orchesterwerke. Der Chor gestaltet die Gottesdienste in Disentis und gibt im Rahmen einer Konzertreihe jährlich im März Konzerte in Disentis und Chur. Zwischen 2005 und 2025 wurden bei den Jahreskonzerten unter anderem Die Schöpfung von Joseph Haydn, die Messe in G von Franz Schubert, die Vesperae solennes de dominica von Wolfgang Amadeus Mozart und Eternal Light – Ein Requiem von Howard Goodall aufgeführt. Der Chor von Disentis gehört zu den bekanntesten Schulchören der Schweiz und wurde 2014 für das musikalische Friedensprojekt Ut Unum Sint den mit 60.000 Franken dotierten Lily-Waeckerlin-Preis für Jugend und Musik der Stiftung Accentus ausgezeichnet. Die Proben finden während des gesamten Schuljahres wöchentlich statt. 2010 wurde Clau Scherrer Kapellmeister des Schulchors, seit 2023 hat Kapellmeisterin Rilana Cadruvi die Leitung inne. Sie führt die Aufführung einer grossen Orchestermesse am Schuljahresende.

Den Schülerinnen und Schülern werden zahlreiche Indoor- und Outdoor-Sportarten vor Ort angeboten. Der Besuch wird im Wahlpflichtfach SIG (Sportinteressensgruppe) als schulische Leistung angerechnet.

Die Schülerinnen und Schüler können Mitglied der Gymnasial-Verbindung Desertina werden. Dabei handelt es sich um eine seit 1989 bestehende Mittelschulverbindung, die als lebenslanges Netzwerk organisiert ist und dem Wahlspruch Omnia mea mecum porto folgt.

Geschichte Im 13. bis Mitte des 14. Jahrhunderts waren nur wenige Mönche in Disentis.Für 1213 gibt Iso Müller sechs Mönche an, für 1254 drei, für 1346 fünf. Vor über 700 Jahren gründeten die Mönche aus Disentis Ende des 13. Jahrhunderts in der Surselva eine Schule. Disentis ist die älteste Bildungseinrichtung Graubündens. Das Kloster hatte im Mittelalter nur eine sogenannte innere Schule, die nur den eigenen Nachwuchs bildete. 1285 war der Scholar der Leiter der Klosterschule. In der Barockzeit waren die Schüler nicht mehr nur spätere Mönche, sondern nahmen später im weltlichen Leben führende Positionen ein.

1804 wurde im Kloster die erste katholische Kantonsschule Graubündens errichtet. 1842 erfolgte der endgültige Umzug der Kantonsschule nach Chur, 1850 die Zusammenlegung mit der evangelischen Kantonsschule zur neuparitätischen Kantonsschule. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war für Kloster und Schule eine schwierige Zeit. Doch 1881 kam es zu einem Neuanfang: Eine erneuerte Klosterschule nahm den Betrieb auf, die den staatlichen Mittelschulen gleichgestellt war. Durch die Anstrengungen der folgenden Äbte, vor allem Beda Hophan, wurde daraus eine Maturitätsschule.

Unter Abt Viktor Schönbächler, seinem Nachfolger, wurde der Bau eines neuen Schulgebäudes beschlossen und die Matura Typ B zusätzlich zu Typ A eingeführt: Der Weg von der mittelalterlichen Lateinschule ins naturwissenschaftlich-technische Zeitalter wurde beschritten. Seit 1972 können auch junge Frauen die Schule besuchen (Koedukation).

16. Jahrhundert: Die Lateinschule Erst unter Abt Christian von Castelberg wird eine eigentliche Schule erwähnt.

Damals profitierte Disentis finanziell von der Aufhebung des Frauenklosters Cazis 1565 infolge der Ilanzer Artikel. Der Vogt des aufgehobenen Stiftes war Hans Christian von Castelberg, Vater von Christian von Castelberg, der ab 1566 Abt von Disentis war. Der Vogt sprach den Erlös der Klostergüter den Gemeinden des Grauen Bundes zu. Für die Errichtung einer Schule bot das Hochgericht Disentis dem Abt von Disentis die Restsumme von 248 Gulden an. Dieser erklärte sein Einverständnis im Bewusstsein seiner guten Beziehungen zur Cadi und der Verantwortung, die er durch die Annahme des Geldes übernahm. Disentis verpflichtete sich nach der Wiederherstellung von Kloster Cazis Mitte des 17. Jahrhunderts, den Betrag zurückzuzahlen, und hielt sich auch daran.

In den Jahren 1580 bis 1645 verfügte Disentis über zwei Arten theologischer Schulen: ein öffentliches Seminar für die Ausbildung des Weltklerus und eine private Hausschule für den Klosternachwuchs. Dazu kam eine Volksschule für die Gemeinde.

Abt Christian von Castelberg gelang es bis zu seinem Tod 1584 jedoch nicht, seinen Plan der Gründung einer Lateinschule als Ausbildungsstätte für Priesterkandidaten in die Realität umzusetzen. Sein Nachfolger Nicolaus Tyron machte dies zu seiner Aufgabe und suchte Unterstützung dafür. Er schrieb einen Bittbrief an Ludovico Madruzzo, Bischof von Trient und Kardinalprotektor der Deutschen Nation. Darin bat er um Hilfe für eine Ausbildungsstätte, durch die die Zahl von sieben rätoromanischen Priestern für die etwa 30.000 katholischen Rätoromanen erhöht werden könnte. Der Kardinal gab das Schreiben an den italienischen Kardinal Michele Bonelli weiter; auch Ottavio Paravicini, Bischof von Alexandria, erhielt es. Aber die Bereitstellung von Hilfsgeldern brauchte Geduld. 1584 und 1585 herrschte zudem die Pest in Graubünden, sodass das Projekt bis 1587 in den Hintergrund rückte. Ab diesem Jahr bezahlte Kardinal Bonelli jedes Jahr 600 Goldgulden für den Unterhalt der Schule: 100 davon waren für den Lehrer bestimmt, die restlichen 500 waren zur Verteilung an die 25 Schüler bestimmt. Diese mussten sich für die Zuwendung allerdings verpflichten, Priester zu werden; für eine Rückzahlung bei Verstoss gegen die eingegangene Verpflichtung mussten die Scholaren einen Bürgen benennen.

Unterrichtet wurde in Religion, Grammatik, Schreiben, Choral- und Figuralgesang. Verpflegt wurden die Schüler in Privathäusern im Dorf und waren dort auch viel in Alltagskleidung unterwegs. Nur zum Gottesdienst waren Kutten vorgeschrieben, die aber nicht vom Kloster gestellt wurden, sondern von den Herkunftsfamilien der Schüler. Deshalb sahen sie alle verschieden aus. Die älteren Scholaren beteten das marianische Offizium, die jüngeren den Rosenkranz, aber es gab keine detaillierten Vorschriften dazu. Gebeichtet wurde mindestens einmal im Jahr. Ob der Besuch des Gottesdienstes nur an Sonn- und Feiertagen vorgeschrieben war, ist nicht überliefert. Einige der 24 oder 25 Schüler sandte der Abt an das Jesuitenkolleg in Luzern, sodass nicht immer alle in Disentis waren. Das Jesuitengymnasium Franz Xaver in Luzern existierte seit 1577.

Nach dem Tod von Abt Nicolaus Tyron im Jahr 1593 versiegte der Geldstrom. Unter den Begründungen fanden sich Unterschlagungen des Magistrats, aber auch die Abkehr vieler Scholaren vom ursprünglichen Berufsziel und Disziplinmangel im Kloster. Unter seinem Nachfolger Jakob Bundi konnte das Kloster die Lateinschule immerhin noch bis 1595/1596 betreiben. 1595 war auch Kardinal Bonelli gestorben, und Bundi erachtete weitere Bemühungen um Fortsetzung der Finanzhilfen für sinnlos. Die Bildungs- und Reformabsichten konnten also nur für kurze Zeit in die Tat umgesetzt werden.

17. Jahrhundert In den Wirren von Auseinandersetzungen während des Dreissigjährigen Krieges bedrängten die Truppen von Jörg Jenatsch Disentis, und Abt Sebastian von Castelberg musste fliehen. In diesem Machtvakuum riss die Gemeinde die Verwaltung des Klosters an sich.

Wegen Misswirtschaft im Kloster bestand in den 1630er Jahren die Gefahr, dass Disentis zu einem Diözesan-Seminar umgewidmet würde. Die Churer Bischöfe mussten sich nämlich bis dahin mit Freiplätzen in Mailand, Dillingen und Rom Vorlieb nehmen, da sie selbst kein Seminar nach den Anforderungen des Konzils von Trient hatten. Durch personelle Umstrukturierungen konnte mit erheblichem Aufwand und nicht ohne Schwierigkeiten 1631 die Gefahr abgewendet werden.