Plagiophthalmosuchus (von altgr. plágios = "seitlich", ofthalmos = "Auge" und soukhos = "Krokodil") ist eine Gattung ausgestorbener Meereskrokodile (Thalattosuchia) aus dem Unterjura von Europa. Die einzige bekannte Art ist Plagiophthalmosuchus gracilirostris.Johnson, M. M., Young, M. T., & Brusatte, S. L. (2020). The phylogenetics of Teleosauroidea (Crocodylomorpha, Thalattosuchia) and implications for their ecology and evolution. PeerJ, 8, e9808.
Beschreibung Plagiophthalmosuchus ist von mindestens einem zusammenhängenden Skelett und drei weiteren Schädeln aus dem Alum Shale bei Whitby sowie einem weiteren Schädel aus Bettemburg bekannt. Ein weiteres Skelett aus dem Posidonienschiefer von Baden-Württemberg könnte ebenfalls zur Gattung gehören.Johnson, M. M., Sachs, S., Young, M. T., & Abel, P. (2025). A re-description of the teleosauroid Macrospondylus bollensis (Jaeger, 1828) from the Posidonienschiefer Formation of Germany, PalZ, 99(2), 151-176. Die Schnauze von Plagiophthalmosuchus war im Vergleich zu den meisten anderen Meereskrokodilen stark verlängert, die Augenhöhlen waren zur Seite hin ausgerichtet. Die Gattung ähnelt hierbei dem frühen Metriorhynchoid Pelagosaurus.
Weitere charakteristische Merkmale von Plagiophthalmosuchus sind das recht große Antorbitalfenster, sowie einige Besonderheiten des Hirnschädels und Unterkiefers
Systematik Die Fossilien wurden von Frank Westphal 1961 zuerst als Steneosaurus gracilirostris benannt.Westphal, F. (1961). Zur Systematik der deutschen und englischen Lias-Krokodilier. Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie, 113, 207-218. Die Gattung Steneosaurus wird mittlerweile allerdings als "Papierkorb-Taxon" gesehen.Johnson, M. M., Young, M. T., & Brusatte, S. L. (2020). Emptying the wastebasket: a historical and taxonomic revision of the Jurassic crocodylomorph Steneosaurus. Zoological Journal of the Linnean Society, 189(2), 428-448. Die Art wurde von Johnson et al. im Jahr 2020 entsprechend in eine eigene Gattung gestellt.
Plagiophthalmosuchus stand nahe an der Basis der Thalattosuchia und dabei wohl außerhalb der Neothalattosuchia. Nach einigen anderen Analysen könnte er auch an der Basis der Teleosauroidea gestanden haben.Young, M. T., Wilberg, E. W., Johnson, M. M., Herrera, Y., de Andrade, M. B., Brignon, A., Sachs, S., Abel, P., Foffa, D., Fernàndez, M. S., Vignaud, P., Cowgill, T., & Brusatte, S. L. (2024). The history, systematics, and nomenclature of Thalattosuchia (Archosauria: Crocodylomorpha). Zoological Journal of the Linnean Society, 200(2), 547-617.
Gekürztes Kladogramm nach Young et al. (2024):
Alternatives Kladogramm aus der gleichen Quelle mit Plagiophthalmosuchus an der Basis der Teleosauroidea:
Paläobiologie Plagiophthalmosuchus wird im Vergleich zu anderen Meereskrokodilen aufgrund seiner verlängerten Schnauze, seitlich angeordneten Augen und Zahnform als spezialisierter Fischfresser gesehen.Johnson, M. M., Foffa, D., Young, M. T., & Brusatte, S. L. (2022). The ecological diversification and evolution of Teleosauroidea (Crocodylomorpha, Thalattosuchia), with insights into their mandibular biomechanics. Ecology and Evolution, 12(11), e9484. Ähnlich den meisten Teleosauriden und frühen Machimosauriden konnte Plagiophthalmosuchus wahrscheinlich schnell, aber nur relativ schwach zubeißen. Beutetiere wurden schnell gefangen, es dauerte aber wohl eine gewisse Zeit bis diese überwältigt und verschluckt werden konnten.
Fossilien von Plagiophthalmosuchus sind häufiger in den britischen Toarcium-Schichten als in den gleichalten Gesteinen von Kontinentaleuropa zu finden. Dort kann stattdessen oft der wahrscheinlich ökologisch ähnliche Metriorhynchoid Pelagosaurus nachgewiesen werden.
Referenzen
Kategorie:Crocodylomorpha Kategorie:Crocodylomorpha (Archosaurier) Kategorie:Ausgestorbenes Krokodil